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Stadt Kempen
Freie Wähler setzen auf Bürgernähe

Stadt Kempen: Freie Wähler setzen auf Bürgernähe
Die Freien Wähler fordern eine Abschaffung der Benutzungsgebühren der städtischen Sportanlagen für den Kinder- und Jugendvereinssport. FOTO: HÜSKES
Stadt Kempen. Sie sind keine Partei, sondern ein Verein. Und als solcher will die Freie Wählervereinigung auch weiterhin eine eigenständige Politik im Kempener Stadtrat machen. Nach der Wahl sitzen nur noch zwei Vertreter im Rat. Von Andreas Reiners

Die politische Arbeit ist nicht einfacher geworden. Gerade mal 100 Stimmen fehlten den Freien Wählern Kempen (FWK) bei der Kommunalwahl im Mai vergangenen Jahres für ein drittes Ratsmandat. So ist die Fraktion der politischen Wählervereinigung auf zwei Stadtverordnete geschrumpft und muss sich das Stimmrecht in den Fachausschüssen des Rates mit den neu in den Stadtrat eingezogenen Linken teilen. Der Vereinsvorsitzende Georg Alsdorf schied nach jahrelanger Ratarbeit - zunächst für die CDU, dann nach seinem Wechsel für die Freien Wähler - aus. Er arbeitet nun als sachkundiger Bürger in einigen Fachausschüssen mit. Das hat die Arbeit der FWK nicht gerade leichter gemacht, aber Fraktionsvorsitzender Udo Kadagies und Ratskollege Werner Rennes lassen sich davon nicht beirren.

Im Gegenteil: "Wir bleiben bei unserer Überzeugung, dass Kommunalpolitik keine ideologische Parteipolitik, sondern eine vernünftige an der Sache orientierte Politik mit sozialer Verantwortung sein muss", betont Kadagies. Unter diesem Motto sei die politische Vereinigung vor Jahren angetreten und damit sei man bisher gut gefahren.

Ähnlich wie CDU-Fraktionsvorsitzender Wilfried Bogedain kritisiert auch Udo Kadagies, dass SPD, Grüne und Linkspartei "wohl noch im Wahlkampfmodus" seien. Da würden wichtige Entscheidungen wie zuletzt bei der Neugestaltung der Judenstraße spürbar verzögert und vieles nur noch durch die parteipolitische Brille betrachtet und entschieden, anstatt sich an den Bedürfnissen der Bürger - im konkreten Fall an den Belangen der Geschäftsleute der Judenstraße - zu orientieren.

Lob erntet das städtische City-Management von den Freien Wählern. "Dort wird sehr gute Arbeit geleistet, wie beispielsweise die vergleichsweise geringe Leerstandsquote bei den Ladenlokalen in der Kempener Innenstadt zeigt", sagen Kadagies und Rennes. Kaufmann Rennes mahnt aber in Richtung Tönisberg, dass die Bürger im Bergdorf doch bitte schön das Angebot des neuen Netto-Marktes intensiver nutzen sollten, sonst wäre der Markt ganz schnell geschlossen. Überhaupt sei es ein Problem, dass Bürger zuweilen zu selten in den Geschäften vor ihrer Haustür einkaufen würden, sagt Rennes, der weiß, wovon er spricht. Er ist seit Jahren in Branche und hat im Hagelkreuz, wo dieser Tage gerade der Edeka-Markt an der Max-Planck-Straße geschlossen worden ist, vor Jahren so seine ganz persönlichen Erfahrungen gemacht.

Die Freien Wähler sprechen sich dafür aus, dass die Stadt den Kempener Werbering noch intensiver in Sachen neue Weihnachtbeleuchtung unterstützt. Wenn die Stadt bei neuen Lichterketten mit LED unterm Strich Energie gespart, müsste sie den Werbering stärker beim Auf- und Abhängen der Beleuchtung unter die Arme greifen. Beim Thema "Mehr bezahlbarer Wohnraum" sei Kempen schon auf einem guten Weg, meinen die Freien Wähler. Udo Kadagies nennt das Projekt der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) des Kreises Viersen am Heyerdrink oder die geplanten Mietwohnungen im letzten Bauabschnitt an der Kreuzkapelle im Kempener Süden.

Lob erntet der Beigeordnete Michael Klee, zuständig für Schule, Soziales und Senioren, Jugend sowie Sport. Kempen habe genügend Kinderbetreuungsplätze, auch wenn man jetzt möglicherweise über die Elternbeiträge neu nachdenken müsse. Die Freien Wähler sehen die Arbeit der neuen Gesamtschule mit großem Wohlwollen. "Das ist sehr gut angelaufen. Wichtig war, dass der gute Geist von Haupt- und Realschule auch in der Gesamtschule praktiziert wird", sagen Kadagies und Alsdorf, die beide die Kempener Realschule besucht haben.

Bei den Benutzungsgebühren für die städtischen Sportplätze und Turnhallen bleiben die Freien Wähler dabei, diese müssten für den Kinder- und Jugendvereinssport komplett abgeschafft werden. "Gerade hier hat die Politik einen besonderen sozialen Auftrag. Wir dürfen die Vereine mit den Kosten nicht allein lassen", betont Kadagies. Die Unterstützung der vielen Vereine in der Stadt und auch der Freiwilligen Feuerwehr liegt den Freien Wählern sehr am Herzen.

Beim Thema "Zukunft des Zechenturms" bleiben sie rigoros. Entscheidend sei bei den Überlegungen, dass eine künftige Nutzung die Stadt nichts kosten dürfe. "Das Geld wird an anderer Stelle dringender benötigt", so FWK-Vorsitzender Georg Alsdorf.

Quelle: RP
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