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Gemeinde Grefrath
Freud und Leid in der Winterzeit

Gemeinde Grefrath: Freud und Leid in der Winterzeit
Anke Wielebski und Ingo Schabrich in einer Küche aus früheren Jahren. Damals waren die Mahlzeiten deutlich karger als heute. FOTO: Kaiser
Gemeinde Grefrath. Eine Ausstellung im Freilichtmuseum Dorenburg zeigt, wie der Niederrheiner in alten Tagen die kalte Jahreszeit verbracht hat. Das war deutlich mühsamer als heute, aber auch früher hatte der Winter schöne Zeiten. Von Heiner Deckers

Heute drehen wir im Winter die Heizung höher und schalten das Licht an, großartig umkrempeln müssen wir unser Leben nicht. Das war früher anders: Die kalte Jahreszeit brachte Gefahren mit sich, die sogar die Existenz bedrohen konnten. "Eisblumen und Schneewehen - Freud und Leid im Winter" heißt die Ausstellung, die am Sonntag, 30. Oktober, im Freilichtmuseum Dorenburg eröffnet wird.

Winter, das heißt auch heute noch lange und oft gemütliche Abende. Winter lässt Gedanken an die Adventszeit und Weihnachten aufkommen. Winter ist meist mit Emotionen verknüpft. Ingo Schabrich, Kulturdezernent des Kreises Viersen, denkt zum Beispiel an die Wohnung seiner Oma und die Eisblumen, die es dort gab: "Ich habe meine Kinder gefragt, sie haben noch nie Eisblumen gesehen."

War es im Bett zu kalt, steckte man vorher einen Bettwärmer zwischen die Laken. FOTO: Kaiser Wolfgang

Im Vorfeld hat Museumsleiterin Anke Wielebski mit alten Landwirten gesprochen, um der Ausstellung einen möglichst authentischen Charakter zu verschaffen: "Für sie begann der Winter am St.-Martins-Tag und endete, wenn der Boden wieder weich war." Wenn die Ernte eingebracht und die Feldarbeit vollendet war, gab es im Haus alle Hände voll zu tun. In der Küche wurden Obst und Gemüse eingekocht, um in den kommenden Monaten genug zu essen zu haben. Äpfel, Kartoffeln und Möhren bewahrte der Niederrheiner im kühlen Keller oder im Garten auf. Immer vorausgesetzt, dass genug da war - so manche Missernte hat den Bauersleuten einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Dann wurde der Winter schnell zu einer Jahreszeit, die durch Krankheit oder Tod gekennzeichnet war.

Die Ausstellung zeigt eine Reihe von Hilfsmitteln, mit denen sich die Menschen früher gegen die Kälte wappneten, unter anderem Bett- und Stiefelwärmer. Von selber ins Schwitzen geriet man oft beim Schlachten. "Das geschah in den so genannten R-Monaten von September bis Februar", sagt Anke Wielebski. Je nach Größe des Hofes stellte man einmal oder häufiger Wurst, Schinken, Sülze oder Schmalz für die kommenden Wochen und Monate her. Zu den wichtigsten Aufgaben im Winter gehörte auch das kräftezehrende Dreschen. Weil das kraftraubende Trennen der Körner von den Hülsen möglichst bis Weihnachten erledigt sein sollte, kamen häufig auch die Nachbarn zum Einsatz. Während die Männer im Winter Verkaufswaren wie Spinnräder herstellten oder Reparaturen an Hof und Werkzeugen erledigten, wandten sich die Frauen oft der Wäsche zu: "Sie besserten aus, stopften und nähten Neues. Mädchen und junge Frauen stellten ihre Aussteuer zusammen", berichtet die Museumsleiterin. Darüber hinaus war an den langen Abenden natürlich auch Zeit für Klatsch und Tratsch - was sich bis heute nicht geändert hat.

Auch um das Thema Heizen geht es bei der Ausstellung: Von Isolation war noch nicht die Rede, der einzelne Holz- oder Kohleofen bekam die Bude selten richtig warm, da musste dicke Kleidung her. Gas- und Ölheizungen kamen in der 1920er-Jahren auf, setzten sich aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch. Fensterscheiben aus Glas waren eine teure Sache, bis ins 18. Jahrhundert spannte man gegerbte und geölte Tierhaus in die Öffnung - entsprechend war der Wärmeverlust.

Aber auch in alten Tagen hatte der Winter seine schönen Seiten, davon zeugen die in der Dorenburg ausgestellten Schlitten, Skier und Schlittschuhe, deren Kufen aus Tierknochen hergestellt wurden. Besonders beliebt war der Unterschenkelknochen vom Schwein, weshalb dieses Stück bis heute als Eisbein bezeichnet wird.

War es früher eigentlich wirklich kälter ? Anke Wielebski hatte sich beim Deutschen Wetterdienst erkundigt und beantwortet die Frage mit einem klaren Ja. Vom Winter 1881/82 bis 1915/16 stieg die mittlere Temperatur um 1,5 Grad. An Wetterinformationen waren die Menschen auch früher schon interessiert. Die Vorhersagen beruhten teilweise auf Technik, aber auch auf Bauernregeln, die überwiegend mündlich überliefert waren. Öffentliche Wetterdienste kamen erst im 20. Jahrhundert auf. Sie lieferten, über Aushänge an öffentlichen Stellen oder gegen Gebühr per Telegramm oder Telefon, Wetterdaten an die Bevölkerung. Damals stiegen auch die Tageszeitungen in die Wettervorhersage ein.

Quelle: RP
 
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