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Stadt Kempen
Gastronom aus Leidenschaft

Stadt Kempen: Gastronom aus Leidenschaft
Armin Horst in seinem Restaurant "Ellenpoort" an der Ellenstraße in der Kempener Altstadt. Der Gastronom zeigt ein altes Foto, das ihn mit seinen Eltern Ursula und Günter bei der Eröffnung des Lokals im Jahr 1986 zeigt. FOTO: Kaiser
Stadt Kempen. Seit 30 Jahren führt Armin Horst das Restaurant "Ellenpoort" in der Kempener Altstadt. Auch die benachbarte Gaststätte "Treppchen" läuft unter seiner Führung. Zudem ist der gelernte Koch auch Vorsitzender des Werberings. Von Silvia Ruf-Stanley

Koch wollte er immer schon werden, sagt Armin Horst. Aber selbstständig sein nicht. Er hatte viel zu sehr im Elternhaus erlebt, wie die Selbstständigkeit das ganze Familienleben bestimmte. Froh ist er, dass sein Vater ihn nicht zwang, auch in den Malerbetrieb einzusteigen. Und dann war es doch sein Vater, der ihm den Weg zur Selbstständigkeit wies, erzählt er. Armin Horst hatte nach seiner Lehre in Straelen in verschiedenen Betrieben gearbeitet und war gerade in der Schweiz, als ihn der Anruf von seinem Vater erreichte, dass es in Kempen in der Innenstadt ein ideales Haus für eine eigenständige Gastronomie gebe. Damit war die Idee des Restaurants "Ellenpoort" geboren.

Das ist jetzt 30 Jahre her. Mit knapp 27 Jahren wagte Armin Horst dann doch den Schritt in die Selbstständigkeit. Ihn hatten die oft chaotischen Zustände in Restaurants, wo er gearbeitet hat, geärgert, sagt er rückblickend im Gespräch mit der Rheinischen Post. Und er freut sich, dass es bei ihm eine stete Weiterentwicklung gab. Aus rund 40 Plätzen in einem ziemlich dunklen rustikalen Gastraum ist nach mehreren Aus- und Umbauten ein helleres Restaurant mit einem Wintergarten und für Sommertage einem Biergarten im Hof geworden. Bereits nach fünf Jahren habe er erkannt, dass eine Vergrößerung nötig sei, so Horst. Heute gibt es rund 110 Plätze drinnen und draußen.

Und im Jahr 2000 bot sich durch Zufall an, auch die benachbarte Kneipe "Treppchen" zu übernehmen. Ein wahrer Synergieeffekt. Denn die beiden Betriebe sind eng miteinander verzahnt. Das Personal kann in beiden Betrieben arbeiten, je nach Bedarf. Die Speisen, die im "Treppchen" angeboten werden, kommen aus der Küche des "Ellenpoort".

Armin Horst setzt auf ständigen Wandel: Die Speisekarte wird alle eineinhalb bis zwei Jahre gewechselt, wobei er in einer Übergangszeit seinen Stammkunden immer noch ermöglicht, ihr Lieblingsgericht zu bekommen. Grundsätzlich liegt sein Schwerpunkt auf klassischer deutscher Küche. Aber auch die hat sich geändert, erzählt der erfahrene Koch. Sie ist leichter geworden und legt mehr Wert auf frische Gerichte. Statt Soße wünschen die Gäste eher ein leichtes Anschwenken im Bratensaft oder Öl. Außerdem gibt es auch vegetarische Gerichte im Angebot. Insgesamt hat alles einen mehr mediterranen Geschmack.

Je nach Saison möchte Horst seine Zusatzkarte ändern. Klar, dass es rund um Aschermittwoch Fisch gibt, auch wenn er zugibt, kein Fischfan zu sein. Frühlingsgerichte folgen, Lamm zu Ostern, Spargel, ganz leichte Sommergerichte, danach gibt es Herbstrezepte mit den klassischen niederrheinischen Kohlarten. Zu St. Martin steht Gans auf der Speisekarte und im Winter Wild. Seine Ideen holt sich Horst auf Reisen. Da probiert er und "klaut" sozusagen mit seinem Gaumen sowie seinem Sachverstand, gibt er lächelnd zu. Aber viele Ideen kämen auch von seinen zwei Köchen. Da setze man sich zusammen und überlege, was man anbieten könne.

Interessant ist seine Erfahrung mit den Gästen. Es gibt die Stammkunden, die manchmal zwar in die Karte schauen, aber dann doch immer das Gleiche bestellen. Der zweite Typ Gast ist derjenige, der gerne verschiedene Restaurants ausprobiert und sich überraschen lässt. Ein richtiges Ärgernis findet der Gastronom das Nichtrauchergesetz - obwohl er selbst nie geraucht hat. Aufwendig hat er erst im "Treppchen" einen Raum abgetrennt. Als dies auch nicht mehr ging, wurde in Nachbarschaft des Wintergartens ein abgetrennter Raum für Raucher eingerichtet. Denn Horst ist es wichtig, dass die Nachbarschaft auf der Ellenstraße sich weder von Raucherpulks vor dem Restaurant noch vom Lärm gestört fühlen. Deshalb gibt es im "Treppchen" auch keine Livemusik mehr.

Mit seinen Erfahrungen von heute würde er wohl nicht mehr den Sprung in die Selbstständigkeit wagen, sagt er. Es gebe zu viel Reglementierungen, die einen enormen Aufwand erfordern. So müssen zum Beispiel Kühlschränke nummeriert oder alle möglichen Arbeitsabläufe bis hin zum Putzplan dokumentiert werden. Auch wenn es "schwarze Schafe" unter Gastwirten gibt, findet Horst diesen Aufwand einfach zu hoch.

Seit drei Jahren ist Armin Horst zudem Vorsitzender des Kempener Werberings, wo er sich ehrenamtlich für die Einzelhändler und Kollegen in der Gastronomie einsetzt. Ohne seine gute Mannschaft im Restaurant ginge so etwas nicht, sagt er.

Einige Pläne hat er noch für die Zukunft: So soll auch das "Treppchen" einer Verjüngungskur unterzogen werden. Einige Jahre will der nun 57-jährige weiter arbeiten. Dann muss er sich aber Gedanken um einen Nachfolger machen, denn seine beiden Kinder haben eine andere Berufswahl getroffen. Da ist Horst wie sein Vater, er zwingt seine Kinder zu nichts. Auch wenn Tochter Pia gerne im Lokal aushilft, wenn sie mal gerade aus Bayern nach Hause gekommen ist.

Quelle: RP
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