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Serie Vor 375 Jahren
Geheilt "van eene besonder Lammicheyt"

Serie Vor 375 Jahren: Geheilt "van eene besonder Lammicheyt"
Ferdinanda von Wachtendonk, die Ehefrau des Brüggener Amtmanns Johann Friedrich Freiherr von Schaesberg. Sie starb 1644 auf einer Wallfahrt nach Kevelaer. FOTO: Kreisarchiv
Kreis Viersen. Sofort nach der kirchlichen Anerkennung 1642 pilgerten Menschen aus dem heutigen Kreis Viersen nach Kevelaer. Von Prof. Dr. Leo Peters

Kreis Viersen Auf einer Synode in Venlo wurde 1642 die Wallfahrt nach Kevelaer kirchlich sanktioniert. Unter den damals zahllosen Pilgerorten in den katholisch gebliebenen oder wieder katholisch gewordenen Gebieten Deutschlands sollte das vormals weitgehend bedeutungslose Dorf eine der bis heute namhaftesten Stätten der Volksfrömmigkeit und der Marienverehrung werden. In den Gemeinden des heutigen Kreises Viersen, und zwar nicht nur in solchen, die wie Kevelaer zum Herzogtum Geldern gehörten, wurde der Ruf jenes aus gläubiger Sicht wundertätigen kleinen Kupferstichbildchen der Luxemburger Madonna sofort begierig aufgenommen. Ganz frühe Belege für die aufblühende Kevelaerwallfahrt weisen in den Kreis Viersen. Die von den Erschütterungen des Dreißigjährigen Krieges gezeichneten Menschen suchten Hilfe und Trost in der Kevelaerer "consolatrix afflictorum", der Tösterin der Betrübten.

In der von Wilhelm van Aaken und Heinz van de Linde 2008 besorgten wissenschaftlichen Edition der in Kevelaer verzeichneten sogenannten Spontanheilungen weist eines der frühesten Zeugnisse nach Brüggen. In der hochdeutschen Übersetzung des niederländischen Originaltextes heißt es: "Anna Weffer, wohnhaft in Brüggen, ist von einer besonderen Lähmung, die sie von Geburt an hatte, geheilt worden, als sie am Festtag des heiligen Mauritius und seiner Gefährten im Jahr 1643 mit der ersten Prozession nach Kevelaer gekommen war. Der ehrwürdige Frater Johannes Campius, Rektor der Fraternität in Brüggen, bezeugt, dies von der genannten Anna und anderen glaubwürdigen Personen erfahren zu haben."

Ein Jahr später pilgerte Ferdinanda von Wachtendonk, die damals erst 36 Jahre alte Frau des Brüggener Amtmannes Johann Friedrich Freiherr von Schaesberg, Mutter von acht Kindern, schwer krank von der Brüggener Burg nach Kevelaer, das sie freilich nicht mehr erreichte. In Walbeck starb sie, wie es in der gleichzeitigen Todesnachricht heißt. nach Gebrauch vieler "medicamenta" an "incurabler zehrungsschwachheit". Wahrscheinlich ist mit dieser unheilbaren Auszehrung die Tuberkulose gemeint.

Auch aus Kaldenkirchen liegen frühe Hinweise auf eine Pilgertradition nach Kevelaer vor. Die diesbezügliche Nachricht von 1655 wirft freilich ein zweifelhaftes Licht auf das zeitgenössische Wallfahrtsverständnis. Der einzige im Ort noch mit seiner Frau verbliebene Mennonit ("Wiedertäufer") Theiß Dahrs war bislang der Aufforderung des Herzogs von Jülich, entweder evangelisch oder katholisch zu werden, oder das Land zu verlassen, nicht gefolgt. Schließlich schloss er sich doch dem reformierten Bekenntnis an, aber, wie der Amtmann gegenüber dem Landesherrn berichtete, nur zum Schein, damit er "seine nahrung und hantierung alda" fortsetzen, also in Kaldenkirchen bleiben könnte. Beim Verhör auf der Brüggener Burg erklärte er für seine ebenfalls mennonitische Frau, dass diese zwar geneigt wäre, wieder katholisch zu werden, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass man sie nicht zwingen würde, "gestracks nacher Keveler zu gehen". Hier erscheint die Kevelaer-Wallfahrt als obrigkeitlich abverlangter Beweis für katholische Gesinnung.

Auch noch ins 17. Jahrhundert gehören zwei weitere "Spontanheilungen" aus Viersen und Niederkrüchten. Der Viersen betreffende Text lautet: "Am 4. Juli 1689 ist Barbara, die Ehefrau von Geerard Hutten, mit ihrem Töchterchen namens Margriet Hutten in Kevelaer gewesen. Sie wollte es, weil es niemals ohne Krücken hatte stehen oder gehen können, entsprechend ihrem Gelübde der allerheiligsten Mutter Gottes anbefehlen. Als sie ihr Gelübde kaum ausgeführt hatte, hat das Kind seine Krücken fallen lassen und ist in Gegenwart der Prozession aus Viersen, mit der sie gekommen waren, gelaufen und vor Glück hoch gesprungen."

Die zwischen 40 und 50 Jahre alte Mariken Gerits aus Niederkrüchten war nach dem Zeugnis des dortigen Pastors und Kaplans an allen Gliedmaßen ihres Körpers gelähmt und konnte nur mir fremder Hilfe gehen und stehen. Als sie 1692 mit der Prozession von Niederkrüchten nach Kevelaer kam, "ist sie in der kleinen Kapelle während der dritten Messe, die sie hörte, mit einer spürbaren Erleichterung so geheilt worden, dass sie seit dieser Zeit immer gehen und stehen konnte, ohne dass ihr jemand half."

Quelle: RP
 
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