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Gemeinde Grefrath
Gelungene Inklusion auf der Eisfläche

Gemeinde Grefrath. Spielfest auf dem Eis: Seit mehr als zehn Jahren lädt die Sportjugend des Kreissportbundes Viersen Menschen mit und ohne Behinderung ins Grefrather Eissportzentrum ein. Viele ehrenamtliche Helfer machen gerne mit. Von Eva Scheuss

Diese Veranstaltung wurde zu Zeiten ins Leben gerufen, als Begriffe wie Inklusion noch längst nicht in aller Munde waren. Sie zeigt, wie einfach es ist, Menschen mit und ohne Behinderung zusammen zu bringen. Spielerisch und unkompliziert. Seit mehr als zehn Jahren lädt die Sportjugend des Kreissportbundes Viersen Menschen mit und ohne Behinderung zu anderthalb vergnüglichen Stunden in das Grefrather Eissportzentrum. Der Eintritt ist frei, Schlittschuhe können umsonst geliehen werden, aber auch wer seine Straßenschuhe anbehalten will, darf sich auf dem stumpfen Eis vorwärtstasten. Jeder kann sich hier nach seinen Möglichkeiten entfalten. Groß und Klein, Jung und Alt tummeln sich auf dem Eis. Manche wagen sich mit Laufhilfen aus Metall auf die eisige Fläche.

Ganz schön sportlich und schnell geht es beim Eishockey zu. Dagegen lässt sich Christian (31) aus Lobberich von gleich zwei Damen bei seinen ersten Schritten auf dem Eis helfen. Es sind seine Freundin Carolin (25) aus Vinkrath und Katharina Knack vom Grefrather Schlittschuh-Klub, die den jungen Mann in ihre Mitte genommen haben. Katharina gehört zu den vielen Freiwilligen aus befreundeten Eissportvereinen, die hier traditionell mithelfen.

So sind auch in diesem Jahr wieder sechs Mitglieder der "Recreatieve Schaatsvereniging Noord-Limburg" aus der Region um Venlo angereist. Der niederländische Eislaufverein trainiert regelmäßig im Grefrather Eissport- und Eventpark. Pieter Dings betreut heute einen Spielstand, bei dem kleine Sandsäcke in olympische Reifen geworden werden. Er sagt: "Wir helfen immer mit beim Aufbau und den Spielen". Am benachbarten Spielstand steht sein Kollege Broer Sitsen. Er kommt gerne hierher, fragt jedes Jahr an, ob er wieder mitmachen darf. "Das ist herrlich, das kann ich genießen hier", sagt er mit echter Überzeugung. Während die einen derweil noch um jeden Schritt auf dem Eis ringen, gibt Dennis Graven mal so richtig Gas. Der 21-jährige aus Brüggen leidet an einer Muskelerkrankung und sitzt im Rollstuhl. Mit dem zieht er in hohem Tempo einen großen schwarzen Reifen über das Eis, in dem seine Mutter Astrid Platz genommen hat. Beide strahlen. Einmal die Rollen zu tauschen, das macht offensichtlich großes Vergnügen. Vater Christian filmt das Geschehen mit seinem Handy. Denn aufs Eis konnte ihr Junge bislang nicht. "Ja, hat mir Spaß gemacht", bestätigt denn auch Dennis auf Nachfrage. "Das ist doch echte Inklusion", meint Astrid Graven, "alles was wir ansonsten so unternehmen, ist meist mit hohem Aufwand und auch Kosten verbunden." Sie erzählt, dass es bei vielen Veranstaltungen zwar ermäßigte Eintrittskarten für ihren Sohn gäbe. Aber dann kämen noch die Kosten für ein bis zwei Begleitpersonen hinzu. "Außerdem muss man immer sehr früh buchen, da es nur begrenzt Plätze für Rollifahrer gibt."

Julia Reese ist Vorsitzende der Sportjugend des Kreissportbundes. Sie erzählt von der langen Tradition dieser Veranstaltung, und dass regelmäßig rund 150 Gäste die Einladung zu diesem integrativen Sport- und Spielfest annehmen. "Viele kommen jedes Jahr wieder." Esther Storck ist Fachkraft für Jugendbildung im Kreissportbund: "Wir sprechen im Vorfeld jede Einrichtung an, etwa alle Förderschulen und Gruppen für Betreutes Wohnen, auch bei den niederländischen Nachbarn." Letztlich werden die Grenzen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung hier einmal aufgehoben. So ist Janine Wallrath mit ihrem jüngsten Sprößling Liam aus Krefeld angereist. Während der Dreijährige an Mamas Hand seine ersten Schritte auf Kufen macht, schiebt ihre "große" Tochter Vanessa den Rollstuhl von Thorsten über das Eis. Die Studentin betreut den geistig und körperlich behinderten jungen Mann seit fünf Jahren an den Wochenenden für einige Stunden. Thorsten ist sichtlich aufgeregt, bewegt seine Arme hin und her, wirft den Kopf in den Nacken - und antwortet auf die Frage, ob es ihm hier gefällt, mit einem deutlichen "Ja".

Quelle: RP
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