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Stadt Kempen
Gemeinden auf dem Weg zur Fusion

Stadt Kempen: Gemeinden auf dem Weg zur Fusion
Die Thomaskirche an der Kerkener Straße mit dem angegliederten Gemeindezentrum ist die Heimat der evangelischen Christen in Kempen. FOTO: Kaiser
Stadt Kempen. Die Evangelischen Kirchengemeinden in der Stadt Kempen stehen vor wichtigen Veränderungen. Die Gemeinden in Alt-Kempen, St. Hubert und Tönisberg loten den Zusammenschluss aus. Es fehlen in den nächsten Jahren Pfarrer. Von Eva Scheuss

In den drei Evangelischen Gemeinden Kempens hat man sich auf den Weg gemacht, die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten. In Tönisberg und in St. Hubert wurden die Pläne - wie berichtet - am vergangenen Sonntag in den Gemeinden vorgestellt. In der Kempener Thomas-Kirchengemeinde ist eine Gemeindeversammlung zu diesem Thema für den 3. Dezember anberaumt. Pfarrer Michael Gallach erläuterte vorab im Gespräch mit der Rheinischen Post den Stand der Entwicklung. "Wir sind schon einige Jahre dabei, uns näher kennenzulernen", sagt er, etwa bei gemeinsamen Sitzungen der Presbyterien.

Auslöser des Prozesses war die Erkenntnis, dass alle drei Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Kempens, die Pfarrer Michael Gallach, Bernd Wehner und Roland Kühne, bis 2025 in Pension gehen werden. Dann bliebe nur noch Pfarrer Markus Rönchen, der bislang für St. Hubert und Tönisberg zuständig ist, im Dienst. "Und einem allein sollte die Last einer Fusion nicht erst dann aufgebürdet werden", sagt Gallach.

Die grundsätzliche Bereitschaft zu einer engeren Zusammenarbeit sei vorhanden, betont er, auch dahingehend, dass es möglicherweise irgendwann nur eine große Kempener Evangelische Gemeinde gebe. Doch: "Manche müssen ganz schnell heiraten und lernen sich erst hinterher kennen. Wir sind da zeitgemäßer unterwegs und wollen uns erst einmal kennen lernen, bevor wir heiraten", so bringt er es mit Humor auf den Punkt. Es sei gut, sich Zeit zu nehmen, gemeinsame Strukturen und auch Unterschiede herauszuarbeiten. "Wir fragen uns, was den einzelnen Gemeinden wichtig ist, welche Schwerpunkte und Visionen es gibt, aber auch, ob wir mit den Visionen der anderen leben können", sagt Pfarrer Gallach.

Zur Unterstützung und Beratung bei diesem Prozess wurde eine externe Beraterin aus Oberhausen hinzugeholt. Monika Schänzer bringt als Presbyterin und Synodenmitglied Erfahrung aus Fusionsprozessen in der eigenen Gemeinde mit. Die habe bereits "ganz praktische" Anregungen gegeben, so Pfarrer Gallach, etwa angefragt, ob die Abläufe der Gottesdienste in den Gemeinden miteinander kompatibel seien.

In ersten Schritten will man nun den Austausch auf der Kanzel intensivieren. Angedacht sind auch gemeinsame Projekte aller drei Gemeinden etwa im Bereich Jugend- oder Freizeitarbeit oder bei kirchenmusikalischen Veranstaltungen. "Doch manches geht nicht so einfach", räumt Michael Gallach ein, "da darf man nicht einfach neue Strukturen überstülpen, etwa bei Seniorengruppen." Er räumt auch auf mit der "Illusion", dass sich für alle drei Gemeinden in Zukunft gar nichts ändern würde, alles beim Gewohnten verbleiben kann. "Doch wenn die Zusammenarbeit jetzt verweigert wird, dann kann dies im Ergebnis unter Umständen viel heftiger werden, etwa wenn Pfarrstellen gar nicht mehr besetzt werden." Jeder werde "Federn lassen müssen".

Aktuell gibt es in den drei evangelischen Gemeinden Kempens rund 7500 Gemeindeglieder mit sinkender Tendenz. Die Thomas-Gemeinde weist mit 5000 Christen die höchste Mitgliederzahl auf. 1700 Mitglieder hat die Gemeinde in St. Hubert. Die kleinste Gemeinde ist Tönisberg mit rund 800 Mitgliedern. St. Hubert und Tönisberg arbeiten bereits in vielen Bereichen zusammen, teilen sich etwa die Pfarrstelle und das Pfarrhaus. Alle Gemeinden zusammen verfügen derzeit über drei Kirchen, drei Gemeindezentren, drei Pfarrhäuser, zwei Kindertagesstätten und zwei Gemeindebüros.

Der Kempener Pfarrer Michael Gallach betont: "Unser großes Plus ist, dass wir keinen Zeitdruck haben und die Situation in Ruhe ausloten können."

Quelle: RP
 
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