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Gemeinde Grefrath
Gewässer wird aus seinem Bett geholt

Gemeinde Grefrath. Der Wasser- und Bodenverband der Mittleren Niers erläuterte jetzt den Stand der Renaturierung des Flusses bei Oedt. Hier mündet ein Zweigkanal in die Niers. Ende kommenden Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Von Manfred Baum

Der Zweigkanal ist ein künstliches, permanent Wasser führendes Fließgewässer von mehr als zehn Kilometer Länge. Er hat seinen Ursprung am Mutschenweg in Neersen und verläuft in nordwestlicher Richtung bis zur Mündung in die Niers nahe dem Altarm an der Burg Uda in Oedt. Der Bereich der Mündung wird derzeit renaturiert. Darüber informierte der Wasser-und Bodenverband Mittlere Niers, der seit einigen Jahren seinen Sitz in Grefrath hat, jetzt interessierte Besucher bei einer Führung.

Mit der Umgestaltung soll der Gewässerabschnitt neu belebt werden. Dazu wird ein Nebengerinne zum Hauptgewässerverlauf angelegt, das an vier Stellen mit dem Hauptfluss in Verbindung steht. Dadurch entstehen mehrere Inseln, die bei Hochwasser überflutet werden. Die Inseln und Uferböschungen werden umgeben von Röhrichten und mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt. Totholz-Elemente sollen mehr Lebensraum für Tiere und Pflanzen schaffen. Als positiver Nebeneffekt der Umgestaltung wird ein Rückhalteraum für ein kleinen Wasserfall geschaffen.

Viele Gewässer, so auch der Zweigkanal, wurden in der Vergangenheit begradigt. Diese Kanäle, so Dr. Dagmar Spona vom Wasser-und Bodenverband Mittlere Niers, wurde zur Trockenlegung von landwirtschaftlichen Flächen oder als Abwasserkanäle genutzt. Das hatte zur Folge, dass damit die natürliche Funktion als Lebensraum für Tiere und Pflanzen im Wesentlichen verloren ging.

In den vergangenen Jahren wurde ein Konzept entwickelt, um die Gewässer wieder in ihren natürlichen Urzustand zurück zu entwickeln. Natürliche Gewässer weisen unterschiedliche Gewässertiefen auf. Darin gibt es unterschiedliche Wassertemperaturen. In den mit Pflanzen durchsetzten Flachwasserzonen ist die Fließgeschwindigkeit geringer und das Wasser erwärmt sich bei Sonneneinstrahlung schneller. Neben Fischen ist das Kieslückensystem auch zur "Kinderstube" vieler Insekten geworden.

Bei dem Pilotprojekt am Zweigkanal wurden Ufer abgeflacht, das Gewässerbett aufgeweitet, ein Nebengerinne und ein Stillgewässerbereich angelegt. Diese Arbeiten wurden auf einem 160 Meter langen und nur zehn Meter breiten Streifen vorgenommen. Dabei wurde nicht die gesamte Breite für die Umgestaltung genutzt. Es blieb ein etwa fünf Meter breiter Uferrandstreifen, der der natürlichen Entwicklung überlassen wurde.

Die Umgestaltung des Gewässers erhöht das Speichervolumen und schützt somit angrenzende landwirtschaftliche Flächen vor Überflutung. Dies kommt vor allem im Sommer, beim Rückstau der Niers, zum Tragen. Seit dem Jahr 2009 wurde der renaturierte Abschnitt des Zweigkanals ohne weitere Unterhaltungsarbeiten seiner natürlichen Entwicklung überlassen. Ende 2016 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Quelle: RP
 
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