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Stadt Kempen
"Gleis 3": Freie Bahn für Jugendliche

Stadt Kempen: "Gleis 3": Freie Bahn für Jugendliche
Es ist vollbracht: Gestern Morgen stand die Straßenbahn an ihrer neuen Planstelle. Sie heißt jetzt "Gleis 3" und fungiert künftig als Treff für Jugendliche. Die offizielle Eröffnung ist für Ende Oktober vorgesehen. FOTO: André Fitzner, stadt Kempen
Stadt Kempen. In einer spektakulären Aktion wurde die Straßenbahn in der Nacht zum Mittwoch von Krefeld nach Kempen gebracht. Der Fahrer des Schwertransporters hatte die Ruhe weg. Von Willi Schöfer

Kempen hat endlich sein drittes Gleis, das weniger für den Güter- als vielmehr für den Personenverkehr gedacht ist und vor allem junge Leute mitnehmen möchte. Gestern überreichte nämlich Siegfried Ferling, Geschäftsführer der Stadtwerke Kempen, den Starter-Schlüssel an Jugendamtsleiterin Heike Badberg. Start frei für einen besonderen Jugendtreff: eine ausrangierte Straßenbahn, die zukünftig den Namen "Gleis 3" tragen wird.

Spektakulär war der Transport der Bahn von Krefeld nach Kempen. Fahrer Ingo Köhler behielt allerdings die Ruhe. FOTO: samla

In einer spektakulären Aktion war, eskortiert von der Polizei, die 26 Meter lange Straßenbahn in der Nacht zum Mittwoch von den Krefelder Stadtwerken ins Freizeitzentrum an der Berliner Allee gekommen. Dabei hatte Ingo Köhler, der die Zugmaschine mit dem etwa 28 Meter langen Aufleger und der Last von 34,5 Tonnen fuhr, die Ruhe weg. Er fuhr seinen Schwertransport, als er die Berliner Allee erreichte, rückwärts zu dem etwa 500 Meter entfernten Standort direkt neben die Skateranlage, nur wenige Zentimeter an den Ampeln und anderen Verkehrsanlagen vorbei. Eine "Super Leistung" konstatierte Ferlings, der sich dieses Husarenstück kurz vor Mitternacht selbst ansah.

Das 30 Meter lange Gleisstück war vorbereitet. Damit überhaupt das Gewicht auf dem sandigen Boden im Freizeitgelände gehalten werden konnte, waren auf dem Zuweg 84 Stahlplatten ausgelegt. Jede der Platten, etwa acht mal zwei Meter groß, ist 1,2 Tonnen schwer. Nachdem die Experten vom Transportunternehmen Baumann mit Stefan Oerter, Markus Fröhr und Ingo Köhler, nachdem sie Kempen erreicht hatten, einige Stunden in der Kabine des Transporters geschlafen hatten, ging es frühmorgens weiter. Die Bahn wurde mithilfe einer Winde vom Aufleger in das Gleisbett gezogen. Auch das funktionierte einwandfrei. Gestern gegen 8 Uhr waren die Mitarbeiter der Spedition damit fertig. Einige Fachkräfte von SWK Mobil brachten noch die Schürze an und schweißten die Bahn an den Schienen im Gleisbett fest.

Die Gäste konnten kommen. Darunter waren unter anderem Kommunalpolitiker, Verwaltungsleute, Architekt Michael Dieris, der Leiter von SWK Mobil, Burkhard Pufahl, oder Marc Schneider der Leiter der Kempener Jugendeinrichtung "Campus". Schneider brachte den 24-jährigen Fredric Schmitz mit. Der junge Mann hatte sich im Vorfeld mit an der Planung und ersten Ausgestaltung von "Gleis 3" beteiligt. So hatten Jugendliche und junge Erwachsene eine Seite der Straßenbahn unter professioneller Anleitung graffitimäßig besprayt. Die zweite Seite soll in den nächsten Wochen an Ort und Stelle folgen. In seiner Begrüßung erinnerte Ferling an die Anfänge, als er bei einem anderen gemeinsamen Projekt mit dem Jugendamt im vergangenen Jahr Heike Badberg gefragt hatte, ob sie noch einen weiteren Wunsch habe. "Mehr aus Spaß heraus habe ich gesagt, ein Doppeldeckerbus oder eine Straßenbahn wäre als Treff für die Jugendlichen nicht schlecht", erinnerte sie sich. Ferling griff das auf, zumal er den Leiter des Michael-Ende-Gymnasium, Paul Birnbrich, kannte. Dort steht seit Jahren ebenfalls als Treff eine Straßenbahn. Ferling schaute sich das an und unterstützte das Projekt. Zu einem Schrottpreis von 3000 Euro wurde von den Krefelder Kollegen die ausrangierte Bahn vom Typ "Duewag M8C" erworben; rund 27.000 Euro brachten die Stadtwerke Kempen zusätzlich auf, um nicht zuletzt das Gleisbett und den Transport zu finanzieren. "Eine wunderbare Location, ein wunderbares Projekt", sagte gestern Kempens Bürgermeister Volker Rübo. "Total glücklich" war die Jugendamtsleiterin. Rübo dankte in erster Linie Ferling dafür und meinte weiter: "Lieber Siggi, du hast immer mit viel Enthusiasmus hinter dem Projekt gestanden." Ferling gab den Dank an die Unterstützer weiter, ohne deren Arbeit es nicht so weit gekommen wäre: Architekt, Elektro Kranen, Firma Hamelmann, Gebrüder Kickartz für den Gleisbau, die Vermessungsingenieuren Rox & Mertens, SWK Mobil, dem Jugend-, Bau- und Grünflächenamt der Stadt Kempen und natürlich seinen eigenen Leuten und der Transport-Firma Baumann.

Quelle: RP
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