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Gemeinde Grefrath
Grefraths Image unter Wert
Gemeinde Grefrath: Grefraths Image unter Wert
Das Eissportzentrum (l.) und das Freilichtmuseum Dorenburg (r.) sind in der Region einzigartig. Aus beiden macht die Gemeinde bislang aber zu wenig, um für ein besseres Image zu sorgen. FOTO: Wolfgang Kaiser
Gemeinde Grefrath. Entwicklungs- und Marketingberater haben Grefraths Potenziale und strukturelle Defizite untersucht. Die Ergebnisse stellten sie nun dem Rat vor. Ein Fazit: Gemeinde und Wirtschaft müssen sich besser abstimmen. Von Michael Busch

Es solle nur ein "erster Aufschlag" geboten werden, betonte Projektleiter Michael Karutz bei der Vorstellung des von seiner Firma Cima erarbeiteten Entwicklungskonzepts für Grefrath in der Ratssitzung. Mit seiner Kollegin Carina Ulrich stellte er dem Rat und zahlreichen Besuchern Perspektiven für die Sport- und Freizeitgemeinde vor. Zusammenfassend ließ sich aus Karutz Ausführungen schlussfolgern: Grefrath ist charmant, reizvoll, liebenswert, sportlich dynamisch, niederrheinisch gut – aber unkoordiniert.

Die Gemeinde verkaufe sich "50 Prozent unter Wert", erklärte Karutz. Das Kölner Unternehmen Cima berät in Sachen Stadt- und Regionalentwicklung sowie Marketing im öffentlichen Sektor und kann auf zahlreiche Vergleichswerte zu anderen Kommunen zurückgreifen. Im Auftrag der Gemeinde hatten die Berater Grefrath unter die Lupe genommen. Ihre Ausführungen waren aufschlussreich und regten zur Diskussion an.

Der Ort müsse sich stärker als "Wohlfühlgemeinde links und rechts der Niers" vermarkten, raten die Experten. Auf eine aktive Naherholung solle sich die Gemeinde konzentrieren, die Kulturhistorie pflegen, das Gemeindeprofil konkretisieren, aber auch miteinander und nicht übereinander reden. Die strukturellen Defizite seien nämlich langfristig problematisch. Allen voran die die Bevölkerungsentwicklung: 21,6 Prozent der Bürger sind über 65 Jahre alt.

In 30 Jahren verlor Grefrath rund 3000 Arbeitsplätze. Die Pendlerbilanz ist negativ. Der demografische Wandel gefährdet mittelfristig Schulen und Kindertagesstätten. Die Arbeitsplatzverluste gefährdeten die strukturelle Vielfalt. Unzureichend sei die Vernetzung mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Im Vergleich mit den Nachbarkommunen Kempen, Nettetal und Wachtendonk sei man jedoch "gut im Wettbewerb".

Der Ort müsse sich als Wohngemeinde profilieren, denn differenzierte Wohnformen seien vorhanden, erklärte Karrutz.

Bürgermeister Manfred Lommetz erinnerte in der Ratssitzung daran, dass es auch der Wunsch von Unternehmerschaft und Einzelhandel sei, das Marketing zu verbessern. Lommetz regte an, "Schulter an Schulter" zusammen zu stehen. Es sei jedoch noch nicht geklärt, ob, wie überlegt, eine Niersagentur gegründet werden solle, oder ob die Arbeit zukünftig im Rathaus oder im Eissportzentrum ansiedelt werde. Im Gemeindeentwicklungskonzept sollen nun Maßnahmen definiert und dabei die Bürger in Workshops einbezogen werden.

Quelle: RP/rl
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