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Stadt Kempen
Großer Andrang bei der Notdienstpraxis

Stadt Kempen: Großer Andrang bei der Notdienstpraxis
Etwa 100 Notfallpatienten kamen am Samstag allein in den ersten vier Stunden in die Dülkener Notdienstpraxis, die nach der Schließung der Nettetaler Praxis seit Anfang April auch Patienten aus dem Ostkreis aufnimmt. FOTO: SCHÖFER
Stadt Kempen. Wie funktioniert die ärztliche Notdienstpraxis in Dülken, nachdem die zweite in Nettetal weggefallen ist? Für die Ambulanzen der Krankenhäuser in Kempen und St. Tönis hat es keine bemerkenswerten Veränderungen gegeben. Von Willi Schöfer

"So einen Betrieb habe ich hier noch nie erlebt", sagte vor zwei Tagen Dr. Günter Vosdellen. Der 52-jährige Allgemeinmediziner aus Elmpt ist der ärztliche Leiter der Dülkener Notdienstpraxis, die nach der Schließung der Nettetaler Praxis seit Anfang April auch die Patienten aus dem Ostkreis, so aus Willich, Kempen und Tönisvorst, aufnimmt.

"Etwa hundert Notfallpatienten dürfte es in den ersten vier Stunden gewesen sein", sagte am Samstag die Dame an der Anmeldung. Zum Teil waren darunter auch Hausbesuche. Und Dr. Vosdellen selbst musste vorgestern kurzerhand einspringen, nachdem sich eine Kollegin krank meldete. Mit ihm waren es fünf Ärzte. Darunter unter anderem Dr. Eckhard Benade (Willich) und eine Kinderärztin. Es gibt nämlich dort auch einen kinderärztlichen Notdienst.

Dr. Günter Vosdellen,. der 52-jährige Allgemeinmediziner aus Elmpt ist der ärztliche Leiter der Dülkener Notdienstpraxis und hatte am Samstag Dienst. FOTO: schöfer

Die Notdienstpraxis, die die Gesundheitsnetz Viersen AG (GNV) mit der Kassenärztlichen Vereinigung unter dem Dach des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Viersen betreibt, ist in Dülken an der Hospitalstraße 88 gut ausgeschildert und gut zu finden. Seit 2002 ist sie dort in einem separaten Trakt des Seniorenhauses St. Cornelius mit insgesamt sieben Behandlungszimmern relativ großzügig untergebracht.

Der Ostkreis steht auf dem Schild draußen noch gar nicht drauf. Die Praxis wird auch nicht lange dort sein. Werner Peters, kaufmännischer GNV-Geschäftsführer: "Wahrscheinlich im Sommer geht es rüber zum AKH nach Viersen, da Ende des Jahres das Dülkener Krankenhaus schließt und wir die Durchlässigkeit erhalten wollen."

Es ist Samstag, zwölf Uhr mittags. Beide Warteräume sind voll besetzt. In der einen Ambulanz sitzen und stehen etwa zwölf Patienten, direkt daneben bei den Kindern sind es sieben. Aus dem Ostkreis sind diesmal wenige dabei. So ein 42-Jähriger aus Schiefbahn.

Er wartet seit etwa eineinhalb Stunden, hat nach einer Erkältung eine frische Wunde im Mundraum und sagt: "Ich habe mich im Internet informiert, wusste gar nicht, dass das Willicher Krankenhaus schon lange geschlossen hat." Gerade hat die achtjährige Tochter einer Kempenerin einen Wundverband angelegt bekommen, sie hatte sich an einer Glasscherbe verletzt. Und eine Viersenerin sagte im Hinausgehen: "Hier fühle ich mich immer bestens aufgehoben."

Richtig was los war in der Notdienstpraxis auch an den Osterfeiertagen. Da hatten von freitags bis montags, die Hausbesuche mitgerechnet, 889 Patienten die Praxis der etwa 340 im Kreis Viersen ansässigen Allgemeinmediziner und Kinderärzte in Anspruch genommen, darunter 99 aus Willich, 35 aus Tönisvorst und 31 aus Kempen.

Und es gab natürlich bei dem Andrang so manchen Ärger bei den Hilfesuchenden. So bei einer 75-Jährigen aus Schiefbahn, sie schrieb der RP: "Mein Mann hatte am Ostersonntag starke Schmerzen in beiden Schultern und an der rechten Hand. Wir mussten über zweieinhalb Stunden warten, bis wir dran waren." Und sie kritisiert weiter, dass es in der Nähe keine Apotheke gab, die geöffnet hatte. Natürlich hatten die Ärzte ebenfalls Stress, arbeiteten im Akkord. "Meine Kollegin hatte noch nicht einmal Zeit, ihr Pausenbrot zu essen", sagte Dr. Harald Hüsgen, Obmann der niedergelassenen Ärzte in der Stadt Willich und in Vorst. Er hat selbst am 1. Mai seinen nächsten Dienst in der Dülkener Praxis.

Die Verantwortlichen hatten sich zu dieser kreisweiten Lösung entschieden, da zu befürchten stand, dass die Patienten aus dem Kreis Viersen außerhalb der Sprechstunden der niedergelassenen Ärzte zu Notdienstpraxen in Krefeld oder Mönchengladbach fahren. Weiterhin sind natürlich die Ambulanzen in den örtlichen Krankenhäusern geöffnet. Derzeit wurde in Kempen und St. Tönis keine große Reaktion auf die jetzt nur einzige kassenärztliche Notdienstpraxis festgestellt. Von einem vergleichsweise normalen Oster-Wochenende sprach zum Beispiel für das Kempener Hospital Artemed-Pressesprecherin Natasia Hertrampf. Marita Schneider vom Alexianer-Sekretariat äußerte sich fürs St. Töniser Krankenhaus: "keine signifikanten Veränderungen."

Quelle: RP
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