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Stadt Kempen
Großes Interesse bei der offenen Tür im Kreisarchiv

Stadt Kempen. Es mag an der derzeitigen Diskussion über einen möglichen neuen Standort des Kreisarchivs gelegen haben, auf jeden Fall fanden viele Besucher am Samstag zum "Tag der Offenen Tür" ihren Weg in die Kempener Burg. Von Silvia Ruf-Stanley

Das überraschte auch die Mitarbeiter des Archivs. Jürgen Grams berichtete, dass schon zu Beginn der Öffnung um 11 Uhr viele Besucher kamen. Und selbst in der Mittagszeit herrschte in allen Räumen reger Betrieb. Und immer wieder war bei Besuchern zu hören, dass sie sich noch einmal das Archiv ansehen wollten, bevor es vielleicht Kempen verlässt. Ziemlich häufig kam dies mit einem Ausdruck des Bedauerns.

Ahnenforschung, Ortsgeschichte und das Fotoarchiv interessierten die meisten Besucher, so Archiv-Mitarbeiterin Martina Hirop. Mit Ortsgeschichte war auch Rudolf Hansen aus St. Hubert gerade beschäftigt. Er hat als kleines Kind in Amern gelebt, erzählte er. Sein Vater war Müller und hatte dort den Mühlenturm gepachtet. Und nun möchte er die Geschichte der Mühle und seiner Familie erforschen. Gehörte sie zum großen Prinzenhof, einem Gutsanwesen, wollte er wissen. Experte Grams hatte ihm schon Hinweise gegeben. Zwar lagen auf dem Tisch noch Findbücher, die es leichter machen, Archivalien aufzuspüren. Aber inzwischen gibt es auch ein modernes System, wo sich per Computer die im Archiv vorhandenen Dokumente finden lassen. Immer mehr Nutzer bestellen auf diesem Weg Akten, so Grams. Das macht es für die Mitarbeiter des Archivs wesentlich leichter, das Gewünschte aus den Magazinen zu holen und für den Nachfrager bereit zu legen. Hansen, der inzwischen fündig geworden war, wird in der nächsten Zeit sicher noch mal ins Archiv kommen.

Eines der Findbücher hatte es Günter Nasner und seiner Frau Rosi angetan. Da stießen sie auf Gefängnisprotokolle oder auch Aufsätze über die Gehälter der Bediensteten in Gefängnissen. Und wenn man dann weiter schaute, gab immer wieder überraschende Funde. Das Ehepaar war noch nie im Archiv und wollte die Möglichkeit nutzen. Nasner ist schon der Meinung, dass das Archiv in einen zweckmäßigeren Bau umziehen sollte. Schließlich sei die Burg verwinkelt, auch wenn die Atmosphäre natürlich ihren besonderen Charme habe. Wie er ist auch Grams für den Verbleib des Archivs in Kempen - aus ganz praktischen Gründen, denn gerade ist eine gute Zusammenarbeit mit den beiden Kempener Gymnasien aufgebaut worden. Da sei der Weg zum Schulzentrum einfach kurz.

Wenig Chancen, dass das Archiv in Kempen bleibt, sieht dagegen Kurt Heinz. Er vermutet, dass die Entscheidung schon längst für die Dorenburg gefallen ist. Aber er, der das erste Mal hier war, fände es schade. Aus St. Tönis war Dimitra Ninschyk gekommen. Sie und ihr Mann waren begeistert von den vielen Ausstellungsstücken zum Thema Mobilität, die präsentiert wurden. Auch die Führung durch das Magazin und die Vorführung, wie man den Papier restauriert, waren für sie es allemal wert, nach dem Nachtdienst früh aufzustehen.

In der Zwischenzeit gab es vor einer Ausstellungstafel einen wahren Lachanfall. Denn schon Anfang des vorigen Jahrhunderts bemängelte da in einem Brief die Eisenbahnkommission die schlechte Luft im Wartesaal des Kempener Bahnhofs. Alle Umstehenden waren sich einig, dass sich manche Dinge eben nicht ändern.

Quelle: RP
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