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Kreis Viersen
Großes Potenzial für Sportvereine

Kreis Viersen. Im Rahmen des "Kreis Viersener Modells" hat der Kreissportbund zum zweiten Mal Zweitklässler im ganzen Kreisgebiet sportmotorischen Tests unterzogen. Ein Erkenntnis: Viele von ihnen treiben noch nicht in einem Verein Sport. Von David Beineke

Dass das sogenannte "Kreis Viersener Modell" eine gute Sache ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Denn an dem Projekt, für das die Kreispolitik im Jahr 2015 im Sinne der Leistungssportförderung Geld locker machte, beteiligen sich immer mehr Grundschulen. Waren im vergangenen Jahr noch 24 Schulen bei den sportmotorischen Tests dabei, die einen Überblick über den Leistungsstand der Zweitklässler bringen sollen, so waren es 2017 schon 37 von insgesamt 48 Schulen im Kreisgebiet. Für das kommende Jahr haben schon sechs weitere Schulen eine Teilnahme fest zugesagt, drei weitere haben zumindest Interesse bekundet.

"Diese Entwicklung freut uns natürlich. Das bewegt sich genau in die erhoffte Richtung", sagt Sportwissenschaftler Gregor Krolewski, der das Projekt beim Kreissportbund (KSB) von Beginn an begleitet. Durch den Zuwachs an Schulen nahmen auch deutlich mehr Kinder an den Tests teil, 1640 im Vergleich zu 1111 im Jahr 2016. Dadurch bekommen die Ergebnisse mehr Gewicht. "Vor dem ersten Testdurchlauf war vieles nur Theorie. Jetzt haben die Schulen mitbekommen, dass es funktioniert", erklärt Krolewski. Es habe es einen Sogeffekt gegeben, so Krolewski, als er herumgereist sei, um die Ergebnisse vorzustellen. Nicht ausgeschlossen also, dass demnächst noch mehr Schulen mit von der Partie sind, denn die Auswertung der aktuellen Testreihen liegen jetzt vor. Wieder haben zahlreiche Testhelfer im Frühjahr die beteiligten Schulen abgeklappert, um mit einem ausgeklügelten Testverfahren namens Check die sportmotorischen Fähigkeiten Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination und Kraft bei den Kindern der zweiten Klassen zu ermitteln.

Mit den gewonnenen Daten lassen sich einerseits ganz besondere Talente entdecken, aber auch Kinder mit motorischen Defiziten, um sie dann auf Wunsch individuell fördern zu können. Auch die Schulen können die Ergebnisse nutzen, um den Sportunterricht entsprechend auszurichten, wenn es in einer Klasse zum Beispiel augenfällige Defizite gäbe. Was die Anteile an besonderen Talenten, motorisch normal entwickelten Schülern und Kindern mit Förderbedarf betrifft, so bewegen sich die aktuellen Werte in den Bereichen des Tests von 2016. Waren es im Vorjahr noch 7,6 Prozent Talente, so sind es 2017 6,5. Die Anzahl der förderbedürftigen Kinder ist von 11,2 auf 11,9 Prozent leicht gestiegen. Besonders interessant ist es, diese Werte mit der Frage nach einer Vereinszugehörigkeit zu verbinden. Daraus hat sich ergeben, dass knapp 60 Prozent (112 in absoluten Zahlen) der Kinder mit erhöhtem Förderbedarf aktuell nicht in Sportvereinen aktiv sind. "Das zeigt einmal mehr, wie wichtig der Vereinssport ist", betont Sportwissenschaftler Gregor Krolewski. Zusammen mit den motorisch normal entwickelten Kindern, die keinem Verein angehören (34,05 Prozent/443), ist also ein großes Potenzial für die Sportvereine im Kreis vorhanden. Aber auch bei den Toptalenten gibt es für die Klubs mit leistungsorientierten Angeboten durchaus noch Potenzial. Denn immerhin gut ein Fünftel (22 in absoluten Zahlen) der motorisch besten Zweitklässler gehören keinem Sportverein an, was ihre Begabung noch aufwertet. Im Vergleich der Kommunen des Kreises kommen die meisten Talente anteilig übrigens aus Willich (10,22 Prozent), die meisten Kinder mit Förderungsbedarf gibt es in Kempen (14,01) und in Viersen (13,41). Wobei es durch die unterschiedliche Anzahl an Schulen in den Kommunen natürlich auch starke Abweichungen in der Fallzahlen gibt, die einen Vergleich schwer machen. Alle Familien haben mit der Auswertung eine Liste erhalten, aus der hervorgeht, welche Vereine welche Sportarten anbieten. Doch der KSB will nicht nur Schüler und Vereine zusammenbringen, er bemüht sich um weitere Fördermaßnahmen. Aktuell arbeitet die "Arbeitsgemeinschaft Talentförderung" an einem Konzept für eine Veranstaltung, zu der 2018 in Zusammenarbeit mit den Fachverbänden im KSB gezielt Talente eingeladen werden sollen.

Inwieweit die bisherigen Fördermaßnahmen des KSB eventuell schon gefruchtet haben, das wird das nächste Frühjahr zeigen. Denn in diesem Herbst steht der erste Re-Check auf dem Programm. Dabei werden die Kinder, die im Vorjahr bei der Premiere dabei waren und inzwischen Viertklässler sind, den gleichen Test noch einmal absolvieren. Dann können die Daten verglichen werden.

Quelle: RP
 
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