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Kreis Viersen
Gülle-Euro soll Fleischverzehr drosseln

Kreis Viersen: Gülle-Euro soll Fleischverzehr drosseln
Willi Steffens aus Bracht hält seine Schweine auf Stroh. Er sagt, jeder Tierhalter sei selbst verantwortlich dafür, dass es seinen Tieren auch gut geht. FOTO: Busch
Kreis Viersen. Die Grünen unterstützen eine Forderung des WWF, den "Gülle-Euro" einzuführen. Landwirte sind skeptisch. Von Constanze Juckenack

60,4 Kilogramm Fleisch isst jeder Deutsche im Jahr - zu viel, finden Umweltschützer. Deshalb fordert der WWF zu Beginn der Fastenzeit den "Gülle-Euro": eine Abgabe, die Landwirte zahlen, wenn ihr Betrieb mehr Stickstoff produziert als er verbraucht. Damit möchte die Naturschutzorganisation dafür sorgen, dass Fleisch mehr kostet. So würden Verbraucher weniger Fleisch kaufen.

"Ich halte jeden Vorstoß in dieser Richtung grundsätzlich für positiv", sagt Martina Maaßen. Die Grünen-Landtagsabgeordnete aus Viersen bezweifelt aber, dass ein Gülle-Euro allein den Umgang mit Fleisch ändert. Sie fürchtet, dass die Abgabe lediglich die Landwirte am Niederrhein belasten könnte. Schließlich konkurrieren sie mit Bauern in und außerhalb Europas. "Der Preis des Fleisches wird am Weltmarkt ermittelt", sagt auch Paul-Christian Küskens.

Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Krefeld-Kreis Viersen glaubt, dass Fleisch einfach von dort importiert würde, wo es billiger ist, wenn es einen Gülle-Euro gäbe.

Will ein Bauer im Kreis Viersen schlachtreife Schweine verkaufen, ruft er einen Schlachtbetrieb an, erklärt Küskens. Der nenne einen Preis. Ist der dem Bauern zu niedrig, kontaktiere er einen anderen Abnehmer. Oft erhalte der Bauer dort auch nicht mehr, so dass er zu einem niedrigen Preis verkaufe. "Schlachtreife Schweine können Sie nicht ewig im Stall stehen lassen", erläutert Küskens das Dilemma.

Im Moment bekommen Landwirte etwa 1,40 Euro pro Kilogramm Schweinefleisch. "Bei solchen Preisen haben Sie nicht viel Spielraum", sagt Küskens. Eine artgerechte Tierhaltung sei seinen Kollegen wichtig. Doch was ist artgerecht? "Die Landwirtschaft hat viel unternommen, um Tiere tiergerecht zu halten", sagt der Landwirt. "Aber wir merken, dass Verbraucher das nicht unbedingt als tiergerecht empfinden."

Immer wieder berichten Medien, dass viele konventionelle Landwirte allenfalls die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Diese wiederum gehen Zuschauern und Lesern oft nicht weit genug. "Viele regen sich auf, wenn Tiere in kleinen Käfigen gehalten werden. Trotzdem kaufen sie Fleisch für zwei oder drei Euro pro Kilogramm", sagt Martina Maaßen. Sie rät, Biolebensmittel zu kaufen, wenn man sie sich leisten kann.

Allerdings kann man auch ohne Biosiegel Schweinen mehr bieten als eine Haltung nach Vorschrift. Das zeigt Willi Steffens vom Pötterhof in Bracht. Seine Schweine haben mindestens 20 Prozent mehr Platz als vorgesehen, er legt die Ställe mit Stroh aus. "Ich trage Verantwortung für die Tiere. Deshalb will ich dafür sorgen, dass es ihnen gut geht." Leisten kann Steffens sich das, weil er die Tiere frühzeitig vermarktet. Sein Fleisch verkauft er an den Theken ausgesuchter Supermärkte. Damit das Personal die Kunden an der Fleischtheke beraten kann, lädt er es auf seinen Hof ein. "Kunden, die unser Fleisch kaufen, wollen auf Fleisch nicht ganz verzichten. Aber ist es ihnen wichtig, dass die Tiere vernünftig aufgewachsen sind", sagt Steffens.

Von einem Gülle-Euro oder weiteren gesetzlichen Bestimmungen zur Nutztierhaltung hält Steffens übrigens wenig. "Dann haben Sie einen Zwang", sagt er. "Wenn sich wirklich etwas ändern soll, müssen die Bauern und die Verbraucher dahinterstehen." Dies werde aber noch eine Generation dauern, glaubt er.

Quelle: RP
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