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Stadt Kempen
Handel soll die digitale Welt entdecken

Stadt Kempen. Gestern wurden bei einem Frühstück Einzelheiten erläutert. Kempen bekommt eine eigene App. Von Jürgen Karsten

Ein wichtiger Schritt für die Zukunft wird für die Händler vor Ort die Verknüpfung des stationären Handels mit der digitalen Welt sein, eine echte Herausforderung für den Handel. Diesem Thema widmete der Einzelhandelsverband Krefeld, Kempen, Viersen einen Termin vor Ort im Technologie- und Gründerzentrum Niederrhein in Kempen. Leider war die Resonanz bei diesem so wichtigen Thema durchaus überschaubar, man hätte mit größerer Beteiligung rechnen können, zumal dieses Thema in direktem Zusammenhang zu sehen ist mit der Frage, wie man Innenstädte auch für die Zukunft lebendig halten kann.

Geschäftsführer Markus Ottersbach stellte zu Beginn die Stärken des Handelsverbandes für seine Mitglieder heraus: Die kostenlose Rechtsberatung für die Mitglieder, ein sehr persönlicher Service, Know- How-Transfer, ein Unternehmernetzwerk gehören zu dem Potenzial des Handelsverbandes. Zu 80 Prozent arbeitet der Verband in der regionalen und überregionalen Interessenvertretung. Dies gelingt mit öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen und einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit.

Ottersbach ging auf aktuelle Probleme ein, die für den Handel wichtig sind. Am 1. Juli trat die Plastiktüten-Selbstverpflichtung in Kraft, mit deren Hilfe innerhalb von zwei Jahren 80 Prozent der Plastiktüten nur noch kostenpflichtig abgegeben werden. Wird dieses Ziel auf freiwilligem Weg nicht erreicht, tritt eine gesetzliche Zahlungspflicht in Kraft. Seit dem 9. Juni müssen Kunden bei Kartenzahlungen am Terminal selbst bestimmen können, mit welcher Zahlungsart sie bezahlen wollen (Electronic Cash, Maestro oder V-Pay). Voraussetzung für die Wahlmöglichkeit ist, dass der Händler selbst diese Zahlarten akzeptiert. Elektronische Registrierkassen müssen spätestens ab dem 1. Januar 2017 in vollem Umfang den steuerlichen Anforderungen entsprechen. Das betrifft vor allem die dauernde und unveränderte Speicherung der Einzeldaten. Ab 2017 akzeptiert die Finanzverwaltung die Aufbewahrung der Kassendaten ausschließlich in Form der Z-Bons nicht mehr.

Ottersbach widmete sich dann anhand von wissenschaftlichen Daten, die Prof.Dr. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein ermittelte, dem Themas Online-Unterstützung des stationären Handels. Deutschland ist bekanntlich noch digitales Entwicklungsland. Nur 30 Prozent der Händler sind online, 50 Prozent sind nicht mobil. Ausländische Online-Anbieter haben mehr als 70 Prozent Anteil am Markt. Von den Top 100 der stationären Einzelhändler sind 73 Prozent online, 87 Prozent davon mobil.

Der Einkauf, auch darauf verwies Markus Ottersbach, gehe heute über das Smartphone. 80 Prozent der Kunden holen sich Produktinformationen auf diesem Weg, zu 70 Prozent auch die Infos über die stationären Geschäfte. 53 Prozent der Kunden holen sich lokale Infos inzwischen über Apps. Zu diesem Thema stellte Sascha Schulz von der Firma City-Guide in Krefeld die von dieser Firma gemeinsam mit den Stadtwerken Krefeld entwickelte App vor, die ein Vorbild auch für eine derartige App für Kempen sein könne. Man arbeitete in der Seidenstadt dabei hervorragend mit der Stadt und einer Reihe von Partnern in der Geschäftswelt zusammen.

Zu dem aktuellen Thema, wie stationärer Handel mit der digitalen Welt verknüpft werden kann, passte auch der Vortrag von Thomas Allegretti von der Sparkasse Krefeld-Kreis Viersen, der regionale Kaufkraftbindung am Beispiel der Sparkassen-Vorteilswelt darstellte. Ein neues Händler-Portal geht bald an den Start, das helfen soll, sich dem geänderten Kundenverhalten anzupassen und zugleich Kaufkraft in der Region zu binden. Die Online-Plattform wird später auch Privatkunden offen stehen. Es ist ein Cash-Back-("Geld zurück-") Verfahren mit Rabatten.

Fazit des Frühstücks beim Handelsverband: Wenn sich der stationäre Handel - auch in Kempen - nicht bald auf den digitalen Weg macht, wird man dauerhaft zu den Verlierern gehör

Quelle: RP
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