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Stadt Kempen
Haus der Geschichte in Kempen

Stadt Kempen: Haus der Geschichte in Kempen
Der Leiter des Kreisarchivs, Dr. Gerhard Rehm (links), und Archivarin Daniela Gillner unterstützen den Heimatforscher Heinrich Lennackers aus Mülhausen bei der Aktenarbeit. FOTO: Martina Hirop
Stadt Kempen. Vom Ein-Mann-Betrieb im Aktenkeller zur hochprofessionellen Dienstleistungsbehörde: In den 68 Jahren seines Bestehens hat das Kreisarchiv eine beachtliche Entwicklung zurückgelegt. Ein Porträt. Von Hans Kaiser

Hinter ihren dicken Mauern birgt Kempens Landesburg eine Fundgrube: das "Gedächtnis des Kreises Viersen", das Kreisarchiv. 1947 auf Initiative von Kreisdirektor Walter Böttges gegründet, sollte es die zentrale Sammelstelle für die abgelegten und historisch wertvollen Akten des Landkreises Kempen-Krefeld werden. Das war die eine Absicht. Die andere: Die Gemeinden des Kreises sollten eine Gelegenheit bekommen, ihre Archive fachmännisch ordnen und aufbereiten zu lassen - damit jedermann in ihnen nachschlagen konnte. Seither sind einige Aufgaben dazugekommen.

Seinen ersten fachlich ausgebildeten Archivar bekam das Archiv 1956 in Dr. Walther Föhl. Er war der erste hauptberufliche Kreisarchivar in Nordrhein-Westfalen überhaupt, und dem Kempener Vorbild folgend, zogen zahlreiche Kreise mit der Einrichtung von Kreisarchiven nach. Föhl trug wesentlich bei zum Aufbau des Niederrheinischen Freilichtmuseums, der Dorenburg in Grefrath. Er profilierte das seit 1950 erscheinende Heimatbuch und die Schriftenreihe des Kreises (publiziert seit 1951) zu überregional bedeutsamen, wissenschaftlichen Organen. Das Archiv erhielt nun einen ersten Mitarbeiterstab und ein eigenes Dienstgebäude: Vom Keller der Kreisberufsschule Saarwerdenstraße, wo Föhl mit einem Kugelschreiber die ersten Akten verzeichnete, zog die junge Behörde in das Haus Fervers Saarwerdenstraße/Ecke Burgring und, als das zu klein wurde, in das Gebäude der Thomasdruckerei an der Burgstraße. 1985 wurde die Landesburg mit erheblichem Aufwand als Archivgebäude hergerichtet.

Eines von vielen Anbauprojekten stammt aus dem Jahre 1953: Ein dritter Flügel, wie es ihn bis zum Brand der Burg im Jahre 1851 gab, der den Hof umschließt. FOTO: Nachlass Walter Schenk

"Mittlerweile ist das Kreisarchiv das Haus der Geschichte im Kreis Viersen", sagt Dr. Gerhard Rehm. Der Historiker mit Schwerpunkt mittelalterliche Geschichte ist seit 1988 Kreisarchivar und Leiter eines zehnköpfigen Expertenteams, in dem jeder ein anderes Gebiet verwaltet: Seine Stellvertreterin Vera Meyer-Rogmann versieht die klassischen Archivaufgaben, das heißt, sie ordnet Akten und verzeichnet sie zum Nachschlagen in Findbüchern. Der Archivpädagoge Jürgen Grams berät private Besucher, Lehrer und Schüler. Die Archivarin Daniela Gillner betreut die Gemeindeakten ab 1970. Die Restauratorin Nicola Gedanitz sichert mit modernsten Methoden altes Papier vor dem Zerfall und macht es wieder gut benutzbar.

Dass im Magazin alles übersichtlich geordnet und jederzeit greifbar ist, besorgen Georg Beckmann und Ralf Hendrix. Katharina Marthin und Martina Hirop pflegen fern- und direkt mündlich den Kontakt mit den Besuchern, weisen ihnen in den Findbüchern die gewünschten Akten und erledigen als Allround-Job, was büromäßig so anfällt. Wobei Martina Hirop sich speziell dem Fotografieren, Scannen und Digitalisieren widmet. Da ist last but not least Mallika Wessendorf, die bei ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Archiv, Erfahrungen bei allen Mitarbeitern sammelt. Kurz: In den 68 Jahren seines Bestehens hat das Archiv des Kreises Viersen sein Aufgabenspektrum professionalisiert und erweitert. Aus der Ablagestelle für vergilbtes Papier ist ein hohen Ansprüchen genügender Dienstleistungsbetrieb geworden, der alles tut, um auch Uneingeweihten die Arbeit mit historischen Dokumenten zu ermöglichen und Anfragen gerne entgegennimmt (Ruf: 02152 149922; E-Mail an: archiv@kreis-viersen.de).

Die Burg in Kempen befindet sich im Besitz des Kreises Viersen. Hier ist das Kreis- und Stadtarchiv untergebracht. FOTO: Wolfgang Kaiser

Die meisten Benutzer interessieren sich für die Geschichte ihrer Familie. Da treffen sie auf eine Fundgrube - in Form der Kirchenbücher, die bis etwa 1600 zurückreichen, und der Standesamtsregister, die 1798 einsetzen. Beide Quellen verzeichnen jede Geburt, jeden Todesfall. Aber auch, wer sich für die Geschichte seiner Gemeinde interessiert, wer wissen möchte, wie seine Straße vor 100 Jahren aussah - der ist hier an der richtigen Stelle. 26 kommunale Archive bieten ihm Gelegenheit zum Stöbern, ebenso die Bildersammlung des Hauses mit 30.000 Aufnahmen. Rückvergrößerungen historischer Zeitungen und Repros von Fotos werden gegen Gebühr gerne gefertigt - auch digital.

Quelle: RP
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