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Stadt Kempen
Homeless - es beginnt mit einem Karton

Stadt Kempen. Ausstellung zum Kunstprojekt mit Schülern der ehemaligen Johannes-Hubertus-Schule greift aktuelle Situation auf. Von Silvia Ruf-Stanley

Als der Kempener Künstler Jürgen Hemkemeyer sich für sein neuestes Kunstprojekt mit Schülern der Johannes-Hubertus-Schule diesen Titel überlegt hatte, wusste er noch nicht, dass der Titel im Laufe der Zeit doppelte Bedeutung haben würde. Denn mittlerweile sind die St. Huberter Schüler ja insofern heimatlos, als dass es ihre Schule nicht mehr gibt und in ihre Gebäude heimatlose Menschen, nämlich Flüchtlinge, einziehen.

Angefangen hat alles mit einem Umzugskarton, den jeder Schüler bekam. Damit sollte er seine Heimat erschaffen, ein Ort zum Ich-sein. Und dafür die ganze eigene Kreativität ausleben. Da Kevin, Dennis, Gina, Melina, Kai, Michelle, Jana, Jenny Samantha, Roni, Jan und Dominik, alle zwischen 13 und 16 Jahren alt, schon das sechste Mal mit Hemkemeyer künstlerisch arbeiteten, dauerte es nicht lange, bis bei ihnen die Ideen sprudelten. Die erste Ahnungslosigkeit sei schnell überwunden gewesen, erzählt Hemkemeyer.

Seit Montag sind ganz besondere Ausdrücke von Heimat im Kempener Rathaus zu sehen. Lobende Worte gab es von Bürgermeister Volker Rübo bei der Eröffnung. Er könne sich die Ratlosigkeit angesichts der Aufgabe, mit einem Karton eine Heimat zu bauen, gut vorstellen, sagte er. Was sei denn der Ort, wo man ich sein kann? Und wie das umsetzen? Er war voller Bewunderung für die einzelnen Kunstwerke und ließ sie sich von den Schülern erklären. Er hofft und wünscht ihnen, dass sie an diese Aktion immer gerne zurück denken würden. Vor allem, dass sie - wenn es in ihrem Leben einmal schwierig wird -daraus Kraft schöpfen könnten.

Auch Jürgen Hemkemeyer betonte, dass die entstandenen Orte von Heimat etwas Besonderes für die Schüler bleiben sollten. Dass sie aus dem Nichts, eben einem bloßen Karton, etwas schufen, was ihre Persönlichkeit ausdrückt. Das wäre das Eigentliche, was Kunst ausmache, gab er Schülern wie den leider nur wenigen Besuchern der Eröffnung mit. Unter den Besuchern war auch der pensionierte Konrektor der Schule, Wolfgang Schwiderski. Es lohnt sich, durch die Ausstellung zu gehen. Größtenteils sind es ihre Traumhäuser, die sich die Schüler gebaut haben. Das geht vom schlichten Backstein-Bungalow über ein elegantes Gebäude mit Säulen zum liebevoll dekorierten Haus, dass den Besucher freundlich willkommen heißt. Aber Heimat kann auch der Fußballplatz sein oder ein riesiges rotes Sofa. Man sieht, dass hier viele Gedanken der jungen Leute eingeflossen sind. Heimat kann man wirklich ganz unterschiedlich empfinden.

Das Kunstprojekt wurde im Rahmen des NRW-Landesprogramms Kultur und Schule vom Ministerium für Familien, Kinder, Jugend, Kultur und Sport gefördert. Die Ausstellung in Kempen ist während der Öffnungszeiten des Rathauses noch bis 28. August zu sehen.

Quelle: RP
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