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Stadt Kempen
Hubert Kalla - der Mann hat viel bewegt

Stadt Kempen: Hubert Kalla - der Mann hat viel bewegt
Hubert Kalla war seit 2007 Rektor der Kempener Martin-Schule. Heute wird der engagierte Pädagoge und beliebte Hauptschullehrer in den Ruhestand verabschiedet. FOTO: Achim Hüskes
Stadt Kempen. Der Leiter der Martin-Schule wird heute in den Ruhestand verabschiedet. Im Gespräch mit der Rheinischen Post zieht der Pädagoge Bilanz seiner gut achtjährigen Amtszeit an der Kempener Hauptschule. Von Silvia Ruf-Stanley

Nach acht Jahren in Kempen verlässt Hubert Kalla, Schulleiter der Martin-Schule, den Schuldienst. Er geht in den Ruhestand. Ein Jahr früher als eigentlich geplant, aber dadurch, dass er im April 2007 in Kempen angefangen hat, müsste er im nächsten Jahr inmitten des zweiten Halbjahres gehen. Dann lieber jetzt zum Schuljahresende, hat er sich überlegt und freut sich schon auf die viele Zeit, die er dann erst einmal hat.

Hubert Kalla kam 2007 aus Mönchengladbach nach Kempen. Die Stelle hatte ihn, der schon mehrfach an Schulen Konrektor und Rektor gewesen war, gereizt. "Kempen ist ein attraktiver Schulort", sagt er im RP-Gespräch. Lehrer war sein Traumberuf. Schon früh. Nicht dass er in der Schule besondere Lehrer gehabt hätte, durch die der Berufswunsch geweckt wurde. Vielmehr war es die Erfahrung aus dem Elternhaus. Obwohl aus einfachen Verhältnissen kommend, haben seine Eltern es geschafft, allen drei Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Das wollte er auch anderen Kindern bieten, den bestmöglichen Abschluss, die bestmöglichen Startchancen. So wie er es hatte. Deshalb habe er sich auch ganz bewusst für die Hauptschule entschieden.

Kalla ist sich aus seiner langjährigen Erfahrung sicher, dass gerade Hauptschüler oft ein "unheimliches Entwicklungspotenzial" haben. Er sei fasziniert davon, was sie können. Schade wäre nur, dass dies manchmal verborgen bliebe. Oft sei er erstaunt, welche Talente Schüler bei der Gestaltung zum Beispiel der Entlassfeier zeigen würden. Leider sei es im Schulalltag nicht möglich, all diese Talente zu entdecken und zu fördern. Dies sei eigentlich eine Aufgabe, die dem Elternhaus zufiele, so der Schulleiter, aber dies würde heute oft kaum noch geschehen.

Das bedauert er. Zumal ihm diese Erfahrung in vielen Bereichen entgegen kommt. Bei der Einführung der Mensa stellte sich heraus, dass viele Schüler kein gemeinsames Mittagessen, keine gesunde Kost oder auch nur einfachste Regeln des guten Benehmens am Esstisch kennen. Kalla ist da - wie in vielen anderen Bereichen - ganz pragmatisch heran gegangen. Das fängt dann schon damit an, dass bei ihm, der stets eine offene Tür für alle hat, es Bedingungen gibt. Die Schüler müssen beim Eintritt ins Sekretariat grüßen, es gelten für alle Bitten und Anfragen die "Zauberworte", nämlich Bitte und Danke.

Kalla hat sich nie als Verwaltungsmensch begriffen. Auch wenn im Schulbereich zunehmend mehr Organisation verlangt wird . Er bedauert, dass sich die neuen Erlasse und Verordnungen oft schier überschlagen. Kaum habe man Zeit das Eine umzusetzen, komme schon eine Änderung. Dabei ist er jemand, der Neuerungen gerne forciert, wenn er ihren Sinn einsieht. Kalla hat an der Martin-Schule mit Einführung der Ganztagsschule den Alltag an der Schule umorganisiert. Die Schulstunde hat nun 60 Minuten. Immer noch gehören 45 Minuten dem Unterricht, die restlichen 15 Minuten gelten der Nachbereitung. Manche Hausaufgabe kann hier schon erledigt werden. Der Klassenlehrer kann seinen Aufgaben als Betreuer der Schüler nachgehen. Neu war auch die Einführung von Pausen zwischen den Stunden. Allein schon aus dem Grund, weil die Martin-Schule damals noch die Dependance in der ehemaligen Fröbelschule hatte. Es gab eigentlich keine Zeit für den Wechsel der Lehrer von einem zum nächsten Gebäude. Also ging diese Zeit dem Unterricht verloren. Nicht unbedingt beliebt war das Konzept bei allen im Kollegium, erinnert er sich. Aber im Laufe der Zeit wurde der Stundenplan so organisiert, dass kein Kollege mehr als zweimal in der Woche einen ganzen Tag bis 16 Uhr unterrichten muss. Außerdem bestand Kalla auf einer Pausenzeit zu Mittag zur Erholung. Die Anzahl der Springstunden wurde verringert, dafür fangen Lehrer auch schon mal erst zur zweiten oder dritten Stunde an. Zurück möchte heute keiner mehr.

Er habe nie erwartet, dass Dinge leicht durchzusetzen sind. Er habe stets versucht, mit Vorhandenem auszukommen und Neues hinzu zu bekommen. Damit spielt er auf die schlechte Ausstattung der Fachräume in seiner Schule an, die erst jüngst wieder Thema im Schulausschuss ist. Kalla hat Schule oft mit einem Tanker verglichen, erzählt er. Schwer zu bewegen. Gleichzeitig setzte er auf die Devise "Bewährtes bewahren, Neues wagen."

Wichtig ist Kalla, dass seine Schüler in Anschluss an die Schule eine gute Ausbildung finden. Auch hier sieht er eigentlich in erster Linie das Elternhaus in der Pflicht. Aber wie beim sozialen Lernen springt auch hier wie selbstverständlich die Martin-Schule ein. Schon früh werden die Kinder an das Berufsleben herangeführt. Seit langem gibt es die Partnerschaft mit Richter Chemie, nun auch mit den Kempener Stadtwerken. Schüler können an Berufserkundungstagen hautnah den Alltag in Firmen erleben. Einmal im Monat ist bei den älteren Berufsberatung angesagt.

Zurückblickend macht Kalla einen sehr zufriedenen Eindruck. In seiner Schule herrscht gegenseitiger Respekt, erst kürzlich habe er das Kompliment gehört, die Schule sei so friedlich. Und wo es Grenzüberschreitungen gibt, wird sofort eingegriffen. Die Martin-Schule sei angesehen. Insofern bedauert er das Auslaufen zu Gunsten der neuen Gesamtschule.

Auf Fragen seiner Kollegen, wie sie denn mit dem langsamen Auslaufen der Schule umgehen sollten, konnte er auf die Erfahrung in früheren Schulen, wo er dies auch schon erlebt hat, zurückgreifen. Sich nicht verzetteln, sondern Schwerpunktprojekte fächerübergreifend bündeln und damit auch mit geringerer Lehrerzahl die Schüler optimal auf ihren Abschluss vorzubereiten, lautet seine Empfehlung.

Quelle: RP
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