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Kreis Viersen
"Im Badezimmer geht der Piepser nicht"

Kreis Viersen: "Im Badezimmer geht der Piepser nicht"
Im Kreis Viersen gibt es derzeit 22 Standorte für digitale Alarmumsetzer (DAU), die die Signale bei Einsätzen an die Piepser der Feuerwehrleute und an Sirenen weiterleiten. Sicher funktioniert das nur im blauen und gelben Bereich. FOTO: Kreis Viersen
Kreis Viersen. 2012 wurde die analoge Fünfton-Alarmierung im Kreis Viersen auf digitale Alarmierung umgestellt. Doch dieses System funktioniert nicht überall sicher. Für den Aufbau neuer Funk-Standorte werden 750.000 Euro benötigt. Von Birgitta Ronge

Als Manfred Wolfers umzog, stellte er fest, dass sein Piepser nicht überall im neuen Haus schrillte, wenn der Feuerwehrmann zum Einsatz gerufen wird. "Im Badezimmer funktioniert der Funkmeldeempfänger nicht, im Rest des Hauses schon", berichtete Wolfers im Ausschuss für Verbraucherschutz, Ordnung und Rettungswesen des Kreises Viersen. Wolfers gehört der CDU-Kreistagsfraktion an und ist ehrenamtlich als Unterbrandmeister bei der Freiwilligen Feuerwehr in Grefrath, Löschgruppe Mülhausen, tätig. In dem kleinen Grefrather Ortsteil Mülhausen wohnt er auch. Und eben dort, berichtete der Christdemokrat den Ausschussmitgliedern, gebe es Probleme bei der Alarmierung der Einsatzkräfte - wie in vielen weiteren Teilen des Kreises Viersen auch.

Im Jahr 2012 wurde die bisherige analoge Fünfton-Alarmierung der Einsatzkräfte im Kreis Viersen durch eine digitale Alarmierung abgelöst. Nach und nach wurde das neue Netz in Betrieb genommen. An mehreren Standorten im Kreisgebiet wurden digitale Alarmumsetzer (DAU) aufgebaut.

Mit Funk- und Antennentechnik wird im Alarmfall von dort die Meldung an die Funkmeldeempfänger der Wehrleute weitergeleitet. Daneben verfügen diese Standorte auch über Akkus, damit die Alarmierung auch bei einem Stromausfall funktioniert. Danach wurden mit einem Messfahrzeug des Landesamts für zentrale polizeiliche Dienste Messungen durchgeführt, um sicherzustellen, dass jeder Standort funktechnisch die Umgebung abdeckt. Die Firma, die die Funkstandorte aufgebaut hatte, führte ebenfalls Messungen durch. Fazit damals: Die Technik reicht aus, der Kreis ist versorgt.

Dann wurde das neue Netz in Betrieb genommen, und man stellte fest, dass die Funktechnik doch nicht überall funktioniert. Insbesondere bei Rettungswachen und Krankenhäusern bemerkte man, dass neue Gebäude oder Störungen von vielen elektronischen Geräten, etwa auf einer Intensivstation, dazu führten, dass der Alarm nicht überall sicher ankam. Deshalb wurden in den Jahren 2013 und 2014 drei neue DAU-Standorte eingerichtet, und zwar an den Rettungswachen in Kempen, Nettetal-Lobberich und Niederkrüchten-Heyen.

Aktuell gibt es 22 DAU-Standorte im Kreis Viersen - und das sind deutlich zu wenig. Denn in den vergangenen Jahren berichteten Einsatzkräfte immer wieder, dass der Funkmeldeempfänger nicht funktionierte, der Alarm bei ihnen nicht ankam. Ob ein Feuerwehrmann im Ernstfall überhaupt vom Einsatz erfährt, hängt davon ab, wo er sich gerade befindet. Im Fall von Wolfers: besser nicht im heimischen Badezimmer.

Die Wehren wissen sich zu helfen, informieren einander inzwischen per Kurznachricht aufs Handy oder unterhalten Whatsapp-Gruppen auf ihren Smartphones. Doch "gerade mit Blick auf die Tagesverfügbarkeit ist es wichtig, dass alle, die einen Piepser haben, auch zum Gerätehaus kommen", warnte Wolfers.

Nach den zunehmenden Klagen von Feuerwehren und Rettungsdiensten wurde eine neue Messung durchgeführt. Das Ergebnis stellte Michael Fothen, stellvertretender Leiter und Systemadministrator der Kreisleitstelle, im Ausschuss vor. Die Messung bestätigt, dass nicht überall eine sichere Alarmierung gewährleistet werden kann. Fothen verdeutlichte das anhand einer Karte: In den Ortskernen, auf der Karte in Blaugrün und Gelb markiert, funktioniert die Alarmierung. Ein großer Teil des Kreisgebiets allerdings ist auf der Karte in Rot unterlegt. Dort funktioniert der Piepser vielleicht. Vielleicht auch nicht.

27 neue DAU-Standorte sollen nun sicherstellen, dass die Funkmeldeempfänger überall funktionieren. Zwei Standorte sollen umgesetzt werden. Der Aufbau der neuen Standorte kostet nach Angaben der Kreisverwaltung 750.000 Euro. Eine Ausschreibung, erläuterte Kreis-Kämmerer Thomas Heil im Ausschuss, sei dabei nicht möglich, denn nur die Firma, die das Netz aufgebaut habe, könne auch an das bestehende System anknüpfen. Als investive Auszahlung würde die Summe auf 15 Jahre verteilt, so Heil. Der Ausschuss nahm die Ausführungen zur Kenntnis. Die Fraktionen werden sich mit dem Vorhaben im Rahmen der Haushaltsberatungen für 2018 auseinandersetzen.

Quelle: RP
 
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