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Stadt Kempen
Informativer Ausflug in das Mittelalter

Stadt Kempen. Auf Gut Heimendahl wurde am Wochenende das Rad der Zweit zurückgedreht. Mit einem Zischen schließt sich der gewaltige Blasebalg und die Glut im Kohlebecken lodert rot auf. In die glühende Maße führt der Schmied eine lange Zange, mit deren stählernen Armen er eine Schnalle ins Feuer hält. Schweißtropfen laufen ihm in seiner ledernen Schürze, den Beinkleidern und den Händen in den dicken Handschuhen übers Gesicht. Die Nähe zum Feuer lässt die ohnehin schon warme Umgebung um etliche Grade steigen. Von Bianca Treffer

Nicht minder interessiert beobachten Besucher am Nachbarstand, wie Dincea in ihrer altertümlichen Gewandung vor dem Stäbchenwebrahmen sitzt. Geschickt führt sie die Schafswolle in Schlaufen um die 50 Holzstäbe, die in die Luft ragen und den Webrahmen bilden. "Das Stäbchenweben ist eine alte Webart, die heute kaum noch jemand kennt", erklärt sie. Ein leises Quietschen und Kinderlachen schallt vom Handkarussell hinüber. Die Holzstühlchen, die an dicken Seilen an der Karussellkonstruktion hängen, fliegen durch die Luft und die jungen Fahrgäste quietschen vor Vergnügen. Wobei der Spaß der Fliehkraft durch Muskelkraft erzeugt wird. Das große Rad in der Mitte des Karussells muss nämlich per Hand gedreht werden, damit der Schwung entsteht. Auf Kraft kommt es auch bei "Hau den Lukas" an. Trotz hoher Temperaturen greifen Besucher immer mal wieder zum Hammer und holen aus. Wie mittelalterlicher Marktspaß einst aussah, welche Gewerke es früher gab und was das Leben prägte, konnte man auf Gut Heimendahl erleben. Beim fünften mittelalterlichen Ritterlager auf der großen Schlosswiese unter den mächtigen schattenspendenden Bäumen lebte eine ganze Epoche wieder auf. "Es ist immer wieder fantastisch, wie liebevoll die Darsteller alles aufbauen und präsentieren. Es ist eine wirkliche Zeitreise", sagt Hannes van Heimendahl. Großes Staunen herrscht vor der Taverne unter den hellen Zeltbahnen. Dort liegt vom Kettenhemd bis zum Helm alles, was Ritter einst trug. Warum die Streitrosse schwere und stabile Pferde waren, wird spätestens in dem Moment klar, wenn Ausrüstungsgegenstände angehoben werden. "Da haben sich die Kilos ganz schön summiert", meint Steffen Schütte, der mit fasziniertem Blick Stück für Stück betrachtet. Ungläubige Blicke fallen in das offene Zelt einige Meter weiter. In einem riesigen Holzbadezuber sitzen gleich drei Männer und genießen ein Bad. Die Badestube löst nach dem ersten Erstaunen immer wieder laute Lacher aus. Mystisch geht es hingegen bei den Wanderhexen zu. Heilsteine, Runenwurf und heilende Hände versprechen Gesundheit und ein Stück Zukunft. Beim Kramerladen von Andreas Wilkin geben sich Kerzen, Räucherwerk, Leder, Felle, mittelalterliches Schuhwerk, Schatzkästchen und Spirituosen ein buntes Stelldichein. Besonders die bunten Schnabelschuhe begeistern.

Quelle: RP
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