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Stadt Kempen
Inklusion: Themenarbeit ist gefragt

Stadt Kempen: Inklusion: Themenarbeit ist gefragt
Mit Unterstützung von Annette Steinhoff (2.v.r.) und Susanne Erbrot bauen die Schüler ein neues Regal für die Bunsenbrenner. Die Fachschaft Chemie freut sich darüber. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Fünf Schüler mit Unterstützungsbedarf des Luise-von-Duesberg-Gymnasiums haben ein Regal für Bunsenbrenner konstruiert und gebaut. Mit Aktionen wie diesen werden sie gezielt auf das Berufsleben vorbereitet. Von Heiner Deckers

Zehn Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf, so heißen sie offiziell, besuchen zurzeit das Luise-von-Duesberg-Gymnasium, je fünf die Jahrgangsstufen 6 und 7. In den ersten beiden Jahren nahmen sie zu größtmöglichen Teilen am normalen gymnasialen Unterricht teil, immer begleitet von Sonderpädagogin Annette Steinhoff. "Danach geht die Schere aber immer weiter auseinander, das gemeinsame Lernen wird problematischer."

Zu Beginn des 7. Schuljahres kommt auf die Schüler nach Englisch mit Französisch oder Latein eine zweite Fremdsprache zu, eine zu hohe Herausforderung für die Inklusionsschüler. "Stattdessen setzen wir auf Werkunterricht als ganz konkrete Vorbereitung auf das Berufsleben", sagt Annette Steinhoff. Das Quintett hat zwar keine Firma, bekam aber trotzdem einen Auftrag. Die Fachschaft Chemie brauchte nämlich dringend ein Regal für ihre Bunsenbrenner und fragte bei Steinhoff nach, ob die Siebtklässler nicht eines bauen könnten. Die nahmen den Auftrag gern an, überlegten sich erste Schritte und fertigten mithilfe von Physiklehrer Christian Reiners eine einfache technische Zeichnung an. Die Schüler haben sogar eine Schreinerei besucht, um sich authentische Einblicke zu verschaffen. Als das Material besorgt war, ging es sofort los.

Die Schüler sind mit Engagement bei der Sache: Maurice ist mit Hammer und Nägeln zugange, Amanda hat den Part der Anstreicherin übernommen. "Macht Spaß", sagt sie und konzentriert sich sofort wieder auf ihre Arbeit. Das Werkzeug und die Geräte stammen aus der aufgelösten Förderschule in St. Hubert, an der Steinhoff bis zu deren Ende unterrichtet hat. In diesen Tagen hängen die Schüler das Regal mit Unterstützung des Hausmeisters auf - die Bunsenbrenner haben eine neue Planstelle. "Damit haben die Schüler einen Beitrag für die ganze Schule geleistet", betont Annette Steinhoff.

Generell sei es so, dass praktische und berufsbezogene Aspekte bei den Schülern mit Förderbedarf eine große Rolle im Unterricht spielen. Sie können zum Beispiel stundenweise die Küche in der benachbarten Hauptschule benutzen und sich selber ihr Essen kochen. "Themenarbeit ist wichtig für sie", sagt Annette Steinhoff. Wenn es der schulische Alltag zulässt (etwa kurz vor den Ferien), nehmen auch die Klassenkameraden an diesen Aktivitäten teil, um den Zusammenhalt unter Beweise zu stellen.

Das nächste Projekt ist der Umbau einer Holzkiste in ein Hochbeet, um auf diese Weise dem Schulgarten wieder Leben einzuhauchen. "Das geht beruflich gesehen in Richtung Landschaftsgärtner", sagt die Sonderpädagogin. Unterstützt wird sie bei ihrer Arbeit neben den Fachlehrern von Praktikantin Aniek Lehnen und Integrationshelferin Susanne Erbrot. Sie ist vom Jugendamt eingesetzt, um einen der Schüler zu betreuen, der einen besonders hohen Förderbedarf hat.

Steinhoff bestätigt, dass die Schüler mit Unterstützungsbedarf unterschiedliche Voraussetzungen haben und somit später auch mit unterschiedlichen Schulabschlüssen ins berufliche Leben starten werden. Sie lobt den guten Zusammenhalt am LvD. Wenn sie die Schüler mit Förderbedarf aus dem normalen Unterricht herausnehme, bekomme sie oft Hilfe von Oberstufenschülern, die mit den Jugendlichen Lesen oder Schreiben üben. Generell hat die Sonderpädagogin erfahren, dass die Schüler mit Förderbedarf vom Gedanken der Inklusion profitieren: "Ihr Niveau steigt durch den Kontakt mit den Gymnasialschülern. Sie verabreden sich sogar oft für den Nachmittag."

Quelle: RP
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