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Stadt Kempen
Innungsobermeister für mehr E-Autos

Stadt Kempen: Innungsobermeister für mehr E-Autos
Auto-Experte und Innungsobermeister Richard Tendyck hält den Elektroantrieb bei Fahrzeugen für eine zukunftsträchtige und umweltschonende Alternative zu den herkömmlichen Benzin- oder Dieselmotoren. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Stadt Kempen. Aussagen in der RP-Berichterstattung zum Thema E-Mobilität haben in der Autobranche für Kopfschütteln gesorgt. Der Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung kritisiert die Einstellung in den Rathäusern und bei Stadtwerken. Von Willi Schöfer

Richard Tendyck, Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung im Kreis Viersen, ist eigentlich ein geduldiger Mensch, kann gut zuhören und auf die Kunden eingehen. Denn der 58-Jährige führt in Lobberich, Kempen und Dormagen drei Autohäuser. Kürzlich war er auch mit einigen seiner Elektro-Autos beim Umweltmarkt in Kempen vertreten. Und musste sich kopfschüttelnd zahlreiche Vorbehalte der Kunden anhören.

"Die erste Frage, die sofort gestellt wird, ist: Wie weit komme ich mit einer Ladung - und wenn ich dann sage, etwa 250 Kilometer wird sofort abgewunken", erzählt Tendyck. Auf seine Gegenfrage, wie viel Kilometer denn in den Autos jährlich in etwa gefahren werde, würden die meisten etwa 10.000 Kilometer sagen, meistens zum Arbeitsplatz in der Nähe oder zum Einkauf. Lediglich bei Urlaubsreisen oder anderen größeren Strecken müsse man nachladen; allerdings werde das Netz der Ladestationen immer enger geknüpft.

Zuletzt hatten die Rheinische Post auch Stadt- und Gemeindeverwaltungen sowie kommunale Versorgungsunternehmen befragt, ob dort E-Autos zum Einsatz kommen. Waren dies in Willich einige, kommen in den Verwaltungen in Kempen und Grefrath überhaupt keine Elektroautos zu Einsatz. Fehlanzeige auch beim Grefrather Bauhof. "Unsere Mitarbeiter gewöhnen sich jetzt erst einmal daran, mit den neuen angeschafften Heckenscheren mit den Akkus, die sie in den Rucksäcken mitschleppen, zu arbeiten", dies hatte unter anderem die Bauhof-Leiterin Ina Weise mitgeteilt.

Dieses Verhalten kann Richard Tendyck überhaupt nicht nachvollziehen: "Vor allem bei Stadtwerken, die mit dem Strom ihr Geld verdienen und stets für eine umweltbewussten Energieeinsatz werben, ist dies völlig unverständlich." Der Obermeister vergleicht etwas überspitzt: "Wenn es nach den Aussagen der Stadtwerke geht, würden wir alle noch mit Kohle heizen und mit Kerzen die Dunkelheit bekämpfen."

Mitarbeiter von Stadt- und Gemeindeverwaltungen oder Stadtwerken hatten ferner davon gesprochen, dass bei dem probeweisen Einsatz von E-Autos, so für den Ordnungsdienst oder auf den Friedhöfen, die Autos mehr an der Steckdose hängen als im Einsatz unterwegs sein würden. Auch dies lässt Tendyck nicht gelten: "Ich glaube nämlich nicht, dass ein solches Betriebsfahrzeug mehr als 200 Kilometer am Tag zurücklegt. Danach kann man die Akkus bequem wieder laden", sagt er im Gespräch mit der Rheinischen Post. Der Innungsobermeister rät, solche E-Fahrzeuge einmal für einige Tage auszuprobieren. Dies würden die Händler schon ermöglichen.

Sicherlich seien die Anschaffungskosten relativ hoch. So sei ein Mittelklassewagen mit 100 PS als reines E-Fahrzeug ab 25.000 Euro zu haben, koste demnach etwa 10.000 Euro mehr als ein benzinbetriebenes Auto. Allerdings spare man erheblich beim Sprit, bei der Wartung, bei den Reparaturen und Inspektionen. Und leiste einen großen Beitrag zu einer besseren Umwelt.

Tendyck hofft, dass die Vorbehalte der Kunden weiter zurückgehen. Von 100 Fahrzeugen verkaufe er bislang etwa zwei bis drei E-Autos. "Und die Technik dürfte in den nächsten Jahren weiter verbessert werden, so dass bald Reichweiten bis zu 400 Kilometern möglich sein werden", sagt er. Sein Wunsch ist ein regelrechter Boom nach solchen umweltbewussten Autos. Dazu fällt dem Autoexperten Norwegen ein, wo gemessen an der Einwohnerzahl aktuell die meisten Elektroautos in Europa verkauft würden. Derzeit seien es mehr als 70.000 Fahrzeuge. In Norwegen werde bereits diskutiert, sich bis 2025 ganz von Autos mit Benzinmotoren zu verabschieden. So weit ist es aber in Deutschland noch lange nicht, was sich auch in der bisher geringen Zahl der Förderanträge widerspiegelt.

Quelle: RP
 
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