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Kempen
Jetzt kommen die Wespenjäger

Kempen. Die Stadt Nettetal hat einen Weg am westlichen Ufer des Nettebruchs gesperrt. Dort befindet sich ein Hornissennest. Der Biologe Peter Kolshorn klärt über die Insekten auf, um die sich viele, meist falsche, Legenden ranken. Von Ludger Peters

Sieben Stiche von Hornissen töten ein Pferd, drei Stiche reichen aus, um einen Menschen zu töten. Peter Kolshorn lacht. "Das alles ist Unsinn. Ein Pferd kann eine Hornisse töten. Es gibt nachweislich Fälle, dass an die 50 Hornissen ein Kind gestochen haben. Es hat überlebt."

Hornissen seien im Vergleich zu Wespen oder selbst Honigbienen weitaus harmloser für den Menschen, sagt der Biologe. "Die Insekten sind ausgesprochen friedfertig. Ich traue mich bis zu zehn Zentimeter an ihr Nest heran, um sie zu beobachten. Bestünde die Chance auch nur zu zehn Prozent gestochen zu werden, wäre ich wesentlich vorsichtiger."

Hornissen sind streng geschützt. Ihr Nest darf keinesfalls zerstört werden. Im äußersten Fall kann man es verlagern, was allerdings extrem aufwendig ist. Dass die Stadt den Weg wegen des Nestes am Rand gesperrt habe, sei die richtige Entscheidung gewesen. Dass die Hornissen nicht mehr auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen, sei kein Hinweis darauf, dass sich ihr Bestand erholt habe. Die Systematik der Eintragung in die Rote Liste habe sich geändert. Es müssten bestimmte statistische Daten vorliegen. Vermutlich fehlten sie für die Hornisse.

Kolshorn sieht die Hornisse immer noch als stark gefährdet an. "Die Bestände nehmen nach meinen persönlichen Beobachtungen weiter ab, das gilt aber auch für Bienen und andere Insekten." Gifte in der Umwelt und schwierigere Lebensbedingungen sowie klimatische Veränderungen üben erheblich Einfluss auf die Lebensgrundlagen der Insekten aus.

Klimatisch könnten Hornissen zurzeit profitieren, meint Kolshorn. Sie bauen ihr Nest ab Mai - wenn die Königin im Frühjahr genügend Arbeiterinnen hat produzieren können. Ist es zu kalt und regnerisch, stagniert der Nestbau, das Volk stirbt ab. Hornissen ernähren sich selbst von Pflanzensäften. Man sieht sie oft an Bäumen, deren Rinde eingerissen ist, beispielsweise an Eichen. Ihren Nachwuchs füttern sie mit eiweißhaltiger Jagdbeute. Auf dem Speisenplan von Hornissen stehen daher bevorzugt Wespen und andere Fluginsekten - je nach Umfang des aktuellen Nahrungsangebots. Pendeln sie über Blütenpflanzen, sind die auf der Jagd, um Wespen "abzusammeln". Ein ausgewachsenes Hornissenvolk vertilgt täglich (!) ein halbes Kilogramm Insekten. Wie "nützlich" die Hornisse auch für den Menschen sei, sei nur wenig bekannt, sagt Kolshorn.

Von einer Wespenplage mag er nicht sprechen, aber es gebe tatsächlich in diesem Sommer ein gehäuftes Vorkommen. Jetzt, im August, endet ihre Fürsorge für das Nest und den Nachwuchs, die Wespen schwärmen vermehrt aus. Kolshorn warnt davor, wild um sich zu schlagen. "Auch Wespen suchen nur Nahrung. Die finden sie natürlich auf dem Kaffeetisch. Man sollte Getränke und den Pflaumenkuchen gut abdecken. Wespen setzen Menschen keinesfalls nach, um sie anzugreifen. Es reicht normalerweise, ruhig zu bleiben und sich zu entfernen, wenn sie besonders lästig sind", sagt er.

Nicht nur süße Getränke und Torten, sondern auch andere Anziehungspunkte liefert der Mensch den Wespen (und auch Bienen): "Manche Insekten werden von einem bestimmten Parfüm oder auch von Körperschweiß angezogen. Auch Erschütterungen, die ihr Nest gefährden könnten, rufen sie auf den Plan. Dann können sie tatsächlich einmal angreifen, weil sie ihren Nachwuchs bedroht sehen. Wie gesagt, die Hornisse ist groß, aber wirklich das harmloseste Insekt in diesem Reigen", sagt Kolshorn.

Quelle: RP
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