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Gemeinde Grefrath
Johnson Controls: Aus zum Jahresende

Gemeinde Grefrath. Nach 60 Jahren ist am 30. Dezember endgültig Schluss mit Johnson Controls in Grefrath. Der Termin könnte sich auch noch ein paar Tage nach vorn verschieben. Ab Montag wird nur noch im Zwei-Schichten-Betrieb gearbeitet. Von Manfred Baum

Vielleicht noch 14 Arbeitstage, vielleicht auch ein paar Tage weniger. "Das steht noch nicht endgültig fest", so die Betriebsratsvorsitzende von Johnson Controls, Ute Wiegmann, gestern im Gespräch mit der Rheinischen Post. Was vor rund zwei Jahren angekündigt wurde, wird spätestens am 30. Dezember 2015 Wirklichkeit - die Schließung des Werkes Grefrath von Johnson Controls. Nimmt man den Vorläufer mit dazu (Dr. Kurt Müller KG, stellte Fibrit her, eine unter Druck verformte Holzfasersuspension) mit dazu, dann sind am Jahresende genau sechs Jahrzehnte Zulieferer für die Automobilindustrie in Grefrath Geschichte.

Der leere Parkplatz, vor dem Ute Wiegmann steht, verdeutlicht es. Dort wo einst rund 650 Mitarbeiter beschäftigt waren, sind in diesen Tagen keine 200 mehr im Einsatz. Ab Montag wird nur noch im Zwei-Schichten-Betrieb gearbeitet. Die sind noch mit einem Auftrag für Daimler-Benz beschäftigt. Im August waren noch 258 Mitarbeiter im Werk Grefrath tätig, jetzt liegt die Zahl deutlich darunter. "Dabei wurden im Oktober noch schwarze Zahlen geschrieben", sagt Ute Wiegmann.

Das war fast immer der Fall, bis auf zwei Jahre Anfang des neuen Jahrtausends. Die letzte Betriebsversammlung hat am 30. November stattgefunden, bei der Werksleiter Jürgen Bradschetl nochmals allen Mitarbeitern für ihren langjährigen Einsatz gedankt hat. "Wir haben zudem ein ganz tolles Abschiedsbetriebsfest in Hückelsmay gefeiert", berichtet Ute Wiegmann. Inzwischen laufen im Werk die Anträge für die Verlagerung der Maschinen, Anlagen und der Werkzeuge (Formen). Es handelt sich um zehn Maschinen und Anlagen. Sie werden aller Voraussicht nach fortan in Neustadt an der Donau und Lüneburg stehen.

Fakt ist, dass der Mietvertrag für die Nutzung der Räumlichkeiten des ehemaligen Standortes Grefrath mit dem neuen Eigentümer um ein Jahr verlängert wurde. Im Konzern (Johnson Controls gehört nur noch 30 Prozent, die anderen 70 Prozent gehören einem chinesischen Unternehmer) werden noch rund ein Dutzend Ingenieure verbleiben. Ein Teil der ehemaligen Mitarbeiter sind in Altersteilzeit gegangen. Sie mussten 58 Jahre alt sein. Einige Mitarbeiter wollen sich auch selbstständig machen, berichtete Ute Wiegmann. Sie stimmt ein Loblied an auf die Transferagentur an, die bereits seit geraumer Zeit im Werk tätig ist. Am 1. Januar nimmt die Transfergesellschaft offiziell ihre Tätigkeit auf. Die Auftaktveranstaltung dazu findet am 5. Januar ab 10 Uhr in der Albert-Mooren-Halle statt. "Es wird demnach am 1. Januar keiner arbeitslos sein", so Ute Wiegmann, denn die Mitarbeiter gehen alle ein Jahr in diese Transfergesellschaft, so Wiegmann weiter. Sie erläuterte gegenüber der Rheinischen Post die Tätigkeit der Gesellschaft, aber auch die Entlohnung für das eine Jahr. Das Transferkurzarbeitergeld beträgt 60 bis 67 Prozent. Es gibt dazu noch eine 20-prozentige Aufstockung durch Johnson Controls. Es ist erlaubt, bei anderen Firmen zur Probe zu arbeiten. Es gibt auch finanzielle Mittel für Qualifizierungsmaßnahmen. Orientierungsseminare haben die Mitarbeiter bereits allesamt absolviert. Ute Wiegmann blickt noch einmal kurz zurück, bevor sie auf die Unterstützung der Transfergesellschaft zu sprechen kommt. Sie stellt fest: "Alles, was wir uns vorgenommen haben, haben wir erreicht. Wir hatten zwei Jahre Zeit, uns auf alles vorzubereiten. Wir verlassen das Werk erhobenen Hauptes." Die Transfergesellschaft unterstützt die Mitarbeiter unter anderem bei der Bewerbung, bei der möglichen Selbstständigkeit, bei der möglichen Arbeitsaufnahme in den Niederlanden, beim Training für eine Bewerbung und sie klärt auf, wie und wo (neben der Agentur für Arbeit) man noch mit sogenannten Suchmaschinen im Internet auf Stellensuche gehen kann. Eines fällt Ute Wiegmann sofort auf und da wird sie ein wenig nachdenklich beim Gang zum Pförtner: "Es ist hier doch sehr, sehr ruhig geworden."

Quelle: RP
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