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Stadt Kempen
Junger Nigerianer im Kempener Kirchenasyl

Stadt Kempen: Junger Nigerianer im Kempener Kirchenasyl
In den Räumen der Thomaskirche an der Kerkener Straße in Kempen lebte der 18-jährige Ibrahim B. zwei Monate im Kirchenasyl. Das Ausländeramt des Kreises wollte ihn nach Italien abschieben. FOTO: Kaiser
Stadt Kempen. Ein 18-Jähriger lebte - fast unbemerkt von der Öffentlichkeit - zwei Monate in der Thomaskirche. Von Andreas Reiners

Inzwischen kann sich Ibrahim B. in Kempen wieder frei bewegen. Dem 18-Jährigen hat das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kurz vor Weihnachten eine Aufenthaltserlaubnis ausgestellt. Zuvor hatten zahlreiche Kempener mit dem jungen Nigerianer, der mittellos und ohne Angehörige als Flüchtlinge vor Wochen in Kempen gestrandet war, gefiebert. Denn das Ausländeramt des Kreises Viersen hatte Ende Oktober vorigen Jahres seine Abschiebung nach Italien verfügt. Dort war der Afrikaner bereits als 16-Jähriger für eineinhalb Jahre in einem Flüchtlingslager auf Sizilien interniert. Von dort hatte er sich nach Deutschland durchgeschlagen und war der Stadt Kempen dann 2015 zur Unterbringung zugewiesen worden. Die Stadt brachte ihn mit anderen Flüchtlingen in einer Wohnung in der Innenstadt unter, Ibrahim besuchte fortan das Rhein-Maas-Berufskolleg.

Die Prüfung seiner Unterlagen ergab dann aber aus Sicht des Kreises Viersen - rechtlich korrekt begründet - die Abschiebung zurück nach Italien. Das wollten in Kempen einige Bürger aber nicht akzeptieren. Ibrahim wurde nach einstimmigem Beschluss des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Asyl in den Räumen der Thomaskirche an der Kerkener Straße gewährt. "Das Kirchenasyl konnte Ende Dezember erfolgreich beendet werden", berichtete jetzt Dr. Michael Stoffels vom Arbeitskreis Asyl und Menschenrechte. Stoffels selbst, aber auch Berufsschulpfarrer Roland Kühne und andere setzten sich für den jungen Nigerianer ein. "Wir erreichten schließlich, dass Ibrahim vom Bundesamt eine Aufenthaltserlaubnis nach der EU-Menschenrechtskonvention erhalten hat", sagte Stoffels gestern im RP-Gespräch. Der 18-jährige, der inzwischen bei Stoffels wohnt und wieder zur Schule geht, darf zunächst für ein Jahr in Deutschland bleiben. Nun will er seinen Asylantrag vorantreiben und hofft auf ein dauerhaftes Bleiberecht. Während seines zweimonatigen Kirchenasyls wurde Ibrahim B. von vielen Kempenern hilfreich begleitet. Lehrer brachten dem beliebten Schüler Unterrichtsmaterial in die Thomaskirche, das Kempener Krankenhaus übernahm die Kosten für zwei Operationen und den stationären Aufenthalt.

Nicht gut zu sprechen ist Michael Stoffels indes auf den Kreis Viersen und speziell auf Landrat Dr. Andreas Coenen. Der lehnte ein Gespräch mit Stoffels und Pfarrer Kühne in der Sache ab und verwies auf die "eindeutige Rechtslage".

Quelle: RP
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