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Kreis Viersen
Kartoffeln für Asien und Südamerika

Kreis Viersen: Kartoffeln für Asien und Südamerika
Landwirte, die auf Kartoffeln setzten, können auch weiterhin mit guten Erträgen rechnen. Vor allem der Markt mit Industrieware profitiert von einer weltweiten steigenden Nachfrage der Fertigprodukte. FOTO: Busch
Kreis Viersen. Die heimischen Kartoffeln werden zum Exportschlager — in Fertigprodukten für Fernost und den südamerikanischen Markt. Hier zu Lande sinkt die Nachfrage nach Speisekartoffeln. Jetzt wollen die Erzeuger mit einer Kampagne werben Von Ludger Peters

Milch und Fleisch bringen seit geraumer Zeit schon bei weitem nicht die Erträge, die die Landwirte erwarten und benötigen. Anders sieht es bei den Kartoffeln aus. Speise- und Industriekartoffeln sind seit Herbst gut notiert. Anfang März gab es noch einmal einen Aufschlag für die Speisekartoffeln. Martin Dahmen (Tönisvorst) schaute daher recht entspannt auf das Erntejahr 2015 zurück, als er die Zahlen der Rheinischen Erzeugergemeinschaft Kartoffeln (Reka) unlängst vorstellte. Im vergangenen Jahr sah es danach zunächst überhaupt nicht aus.

Die Landwirte hatten mit Extremen zu rechnen, das Jahr 2015 ging bekanntlich als eines der wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Geschichte ein. Dass Kartoffelanbauer ihre Einschätzung des Marktes besser nach der Ernte anstellen, haben vor allem die Produzenten der Industrieware erfahren müssen. Denn späte Niederschläge ließen die Erträge höher ausfallen als erwartet. Die Fabriken für Pommes frites und andere Massenprodukte liefern längst weltweit aus. Fertigprodukte haben eine wachsende Nachfrage auf den Märkten Asiens und Südamerikas.

"Ungebrochen hoch" ist nach Dahmens Angaben die weltweite Nachfrage nach Tiefkühlprodukten. Die Firmen produzieren "seit Monaten auf Hochtouren und könne bei gutem Marktumfeld kaum Tiefkühlvorräte aufbauen". Das hat zur Folge, dass die Preise seit dem Jahreswechsel kontinuierlich gestiegen sind. Landwirte konnten zuletzt ihre Lagervorräte zu guten Konditionen für den Lieferzeitraum von April bis Juni verkaufen. "Die Ernte 2015 wird fristgerecht vermarktet sein, so dass die frühen Industriekartoffeln auf einen aufnahmefähigen Markt treffen", erklärte Dahmen.

Mit Blick auf die Industrieware wagte der Reka-Vorsitzende eine optimistische Prognose für die Ernte 2016. Die Perspektiven seien "erfreulich gut", zumal die Nachfrage auf den Wachstumsmärkten aus Sicht der "Frittenproduzenten" ungebrochen hoch bleiben wird. Der günstige Euro-Kurs stützt die Exporte noch zusätzlich. Für die nächsten fünf Jahre erwarten die Experten weltzweit einen zusätzlichen Bedarf von 3,5 Millionen Tonnen an Kartoffeln als Rohstoff zur Weiterverarbeitung. Westeuropäische Fabriken, die hauptsächlich in Beglein und den Niederlanden, mit Abstrichen auch in Deutschland angesiedelt sind, erweitern ihre Kapazitäten um etwa 700.000 Tonnen.

Davon werde auch der deutsche Anbau profitieren, vermutet Dahmen. Etwas zurückhaltender, aber nicht pessimistisch, schaut die Reka auf die Vermarktung von Speisekartoffeln. Die Landwirte rechnen mit weiteren Zuschlägen auf die Notierungen. Die Restvermarktung von Altbeständen lasse sich gut an, da die Importware aus Nordafrika von hohen Preisforderungen begleitet sei. Die Voraussetzungen zum Markteinstieg deutscher Frühkartoffeln bewertet Dahmen aus diesem Grund als "sehr gut". Allerdings - der Verzehr geht kontinuierlich zurück, allein in diesem Jahr um gut zwei Prozent. Das "Bündnis der Kartoffelprofis" wirbt gezielt für ein heimisches Produkt, lecker, vielfältig, gesund. Zielgruppe der Kampagne sind jüngere Familien, bei denen noch viel Potenzial gesehen wird.

Quelle: RP
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