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Stadt Kempen
Kein Fußball ohne einen Vormund

Stadt Kempen: Kein Fußball ohne einen Vormund
Auf dem Foto sind zahlreiche Flüchtlingskinder zu sehen, die beim FC St. Hubert Fußball spielen. In der hinteren Reihe, in der Mitte und rechts, die beiden syrischen Jugendlichen Soliman (16) und Hafed (17). FOTO: FC St. Hubert
Stadt Kempen. Hafed und Soliman möchten beim FC St. Hubert Fußball spielen. Dürfen sie aber nicht, weil es ohne Vormund keinen Spielerpass gibt. Von Willi Schöfer

Hafed und Soliman, 17 und 16 Jahre alt, haben alleine die Flucht aus Syrien geschafft. Ihr sehnlichster Wunsch: in Deutschland weiter zur Schule zu gehen und in der Freizeit in einer Mannschaft Fußball zu spielen. Seit August leben sie in Kempener Unterkünften, derzeit in der Johannes-Hubertus-Schule in St. Hubert. Die Brüder trainieren bei den A-Jugendlichen des FC St. Hubert mit. Offiziell an den Meisterschaftsrunden mitspielen dürfen sie aber nicht. Denn die beiden brauchen dazu einen offiziellen Spielerpass.

"Unser deutsche Gründlichkeit und die Bürokratie können die Integration der jungen Menschen erheblich in die Länge ziehen", sagt Karl-Heinz Josten, der mit seinen Unicef-Kicker des St. Huberter Fußballvereins schon einiges in Bewegung gesetzt hat. Josten weiß sehr gut, dass die Behörden aufgrund des Flüchtlingsstroms derzeit total überbelastet und unterbesetzt sind, ist derzeit selbst rat- und machtlos. Denn um die Spielerpässe für die zwei jungen Syrier zu bekommen, fehlt es an einem Vormund und einer entsprechenden Unterschrift unter den Antrag. Und dieses Verfahren befindet sich derzeit beim Jugendamt in der Schwebe.

Etwa ein Dutzend Spielerpässe hat der Verein gerade beim Westdeutschen Fußballverband für die Flüchtlinge beantragt, die derzeit in den Kempener Unterkünften Johannes-Hubertus-Schule, Hohenzollernplatz oder an der Tönisberger Straße leben und die schon seit Wochen in den verschiedensten Jugendmannschaften mit trainieren. Bei den Kindern, die mit ihren Eltern eingereist sind, ist die Beantragung eines Passes kein großes Problem. Bei den minderjährigen Jugendlichen, die alleine eingereist sind, aber sehr wohl. Derzeit wird erst noch vom Kempener Jugendamt geprüft, ob Soliman und Hafed einen Amtsvormund bekommen.

Kein Problem ist es für die jungen ausländischen Fußballer, beim FC Trikots, Fußballschuhe oder Fußbälle zu bekommen. Aber die ehrenamtlichen Trainer können sich nicht um alles kümmern. "Von daher ist es eine große Hilfe, dass uns bei den Behördengängen zwei junge Damen tatkräftig unterstützen"; sagt Josten.

Er meint damit die 21-jährige Tamara Hasan, die mit ihrer jüngeren Schwester Sara hilft, wo sie kann, auch dolmetscht. Die syrische Familie von Tamara und Sara sind schon vor vielen Jahren aus dem damaligen Palästina nach Kempen gekommen, wurden auch in Kempen geboren. Und auch der 17-jährige Mohammad, ein syrischer Flüchtling, hilft, wo er kann. Josten über ihn: "Mohammad ist ein Alleskönner, spricht fließend Englisch und hilft uns ebenso."

Gäbe es diese Helfer nicht, seien, so der Funktionär, die Asylbewerber im Behördendschungel restlos überfordert. Als nur zwei Beispiele von Missverständnissen, teilweise unnötigen Ermittlungen und Wartezeiten nennt Josten: "In den amtlichen Dokumenten ist bei einem jungen Flüchtling Aleppo als Geburtsort beurkundet." Bei der Servicestelle im Kempener Rathaus stehe aber bei ihm "Geburtsort unbekannt". Im Antrag auf Erteilung einer Spielberechtigung muss aber der genaue Geburtsort eingetragen werden. Also wieder weitere Ermittlungen. In einem anderen Fall ist für den Fußballverband der genaue frühere Wohnort in Syrien wichtig, obwohl der Jugendliche sich dort nicht mehr aufhält.

Dennoch macht der FC St. Hubert mit seiner Integrationsarbeit weiter. Josten freut sich schon darauf, wenn in einigen Wochen die ersten offiziellen Spielerpässe von jungen Asylbewerbern bei seinem Verein eingehen.

Quelle: RP
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