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Analyse
Kein Geld: In Grefrath ist Bescheidenheit angesagt

Gemeinde Grefrath. Die Niersgemeinde hat keine finanziellen Spielräume mehr. Eines der wichtigsten Themen in 2014 ist das neue Rathaus Von Heiner Deckers

Die Frage, was im gerade begonnenen Jahr im Vordergrund steht, ist einfach zu beantworten: Sparen. Finanziell hat die Gemeinde keine Spielräume mehr, alles ist ausgereizt. Das Haushaltssicherungskonzept hat zur Folge, dass alle freiwilligen Leistungen aus dem Gemeindesäckel gestrichen werden müssen. Auf Zuschüsse braucht sich in baldiger Zukunft kein Verein und keine Organisation mehr einzustellen.

Eines der wichtigsten Themen 2014 ist sicherlich das neue Rathaus, um das es im vergangenen Jahr heftige Debatten in der Politik gegeben hat. SPD, Grüne und FDP sprachen sich vehement für den Plan aus, das Gebäude von Johnson Controls am Bronkhorster Weg zu kaufen und zu neuen Verwaltungsstätte umzubauen. Die CDU hingegen wollte das Rathaus an seiner jetzigen Stelle belassen. Monatelang wurden Argumente ausgetauscht, im wesentlichen immer wieder dieselben. Interessant indes ist, welche Koalitionen sich da in der Niersgemeinde auftaten. Die "Ampel" und Bürgermeister Manfred Lommetz auf der einen, die CDU auf der anderen Seite.

Der CDU wurde schmerzlich bewusst, dass die Zeiten einer absoluten Mehrheit vorbei sind, als mit Herbert Kättner auch noch der Bürgermeister aus ihren eigenen Reihen kam. Sein Nachfolger Lommetz ist parteilos, braucht in dieser Hinsicht keine Rücksicht zu nehmen. Er arbeitet an der Sache orientiert, ohne parteipolitische Ränkespiele. SPD und Grüne leben auf in der Niersgemeinde, können sie doch wieder etwas bewegen. Wenn auch nur mit Hilfe der FDP. Die Liberalen fristeten in Grefrath jahrelang ein Schattendasein. Ein Thema waren sie eigentlich nur, wenn der inzwischen verstorbene Fraktionsvorsitzende Toni Derwahl eine seiner berühmten Haushaltsreden hielt, die nur in begründeten Ausnahmefällen länger als zwei Minuten dauerten. Nach einer Phase stetiger Führungswechsel ist die FDP heute aufgeblüht und deutlich mehr präsent als früher.

Insgesamt gesehen ist die Kommunalpolitik ein trauriges Geschäft geworden. Es fehlt an Geld, der Gestaltungsspielraum ist damit gleich null. Es spricht für sich, das regelmäßig Ausschusssitzungen abgesagt werden, weil es keine Beratungspunkte gibt.

Grefrath hat indes zwei große Pfunde, mit denen es wuchern kann: Da ist zum einen das Eissportzentrum, das unter neuer Leitung aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist. Da ist zum anderen die Schullandschaft, die seit Einführung der Sekundarschule im vergangenen Sommer abgerundet ist. Erfreulich, dass alle Entscheidungen im Sinne der Kinder und Jugendlichen gefallen sind, ohne in parteipolitisches Gezänk zu geraten. Der Start der Sekundarschule wäre sicher nicht so gut geraten, wenn man die neue Schulform im Vorfeld in den Gremien zerrupft hätte und sie schon angeschossen an den Start gegangen wäre.

Sollten aus irgendwelchen Gründen wieder Mittel zur Verfügung stehen, wäre die Gemeinde gut beraten, sie in die Bildung zu investieren und nicht irgendwelchen dann sicherlich laut vorgetragen Begehrlichkeiten nachzukommen. Aber Geld ist leider nicht in Sicht. Also wahrscheinlich doch sparen, sparen, sparen.

Quelle: RP
 
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