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Stadt Kempen
Kempen bekommt wieder Flüchtlinge

Stadt Kempen: Kempen bekommt wieder Flüchtlinge
Das ehemalige Bankgebäude an der Peter-Jakob-Busch-Straße im Kempener Gewerbegebiet ist für die Unterbringung von Flüchtlingen bereits vorbereitet. Es steht derzeit noch leer. Anfang Juli werden die 150 Plätze belegt. FOTO: Hüskes
Stadt Kempen. Seit Wochen sind der Stadt kaum noch Asyl suchende Menschen zugewiesen worden. Das wird jetzt anders. Bis zum Jahresende könnten rund 550 Flüchtlinge kommen. Die Stadt muss dafür zusätzliche Unterkünfte schaffen. Von Silvia Ruf-Stanley und Andreas Reiners

In den vergangenen Monaten waren der Stadt Kempen kaum noch Flüchtlinge zugewiesen worden. Die bereits hergerichtete Unterkunft im ehemaligen Bankgebäude an der Peter-Jakob-Busch-Straße im Gewerbegebiet blieb daher bis jetzt leer. Das wird sich in den kommenden Wochen ändern. Wie Bürgermeister Volker Rübo und Sozialdezernent Michael Klee gestern bei einem Pressegespräch mitteilten, hat die für die Flüchtlingsunterbringung in Nordrhein-Westfalen federführend zuständige Bezirksregierung in Arnsberg der Stadt nun mitgeteilt, dass Kempen bis zum Jahresende bis zu 550 neue Flüchtlinge aufnehmen muss. Derzeit leben 330 Asylbewerber in der Thomasstadt.

Die Stadt wird angesichts der neuen Lage weitere Asylbewerberunterkünfte errichten müssen. Zwar gibt es noch einige freie Plätze in den bestehenden Häusern in Kempen, St. Hubert und Tönisberg. Aber diese Plätze reichen bei weitem nicht aus. Die frühere Johannes-Hubertus-Schule in St. Hubert wird wohl noch auf lange Zeit als Flüchtlingsunterkunft genutzt bleiben. Das gerade entstandene Begegnungszentrum in der alten Schule mit Möglichkeiten für Unterrichtskurse und Beratung soll weiter ausgebaut werden.

In die noch leer stehende Unterkunft im ehemaligen Bankgebäude an der Peter-Jakob-Busch- Straße werden Anfang Juli rund 150 Flüchtlinge einziehen. Weitere 50 bis 60 Asylbewerber sollen bis zu den Sommerferien auf die bestehenden Unterkünfte verteilt werden.

Da aber nach den Ferien bis zum Jahresende möglicherweise weitere 300 Menschen aus Syrien, dem Iran und dem Irak oder aus Eritrea nach Kempen kommen sollen, muss die Stadt neue Unterkünfte errichten. Geplant ist, sowohl den Parkplatz zwischen Sporthotel und Reithalle am Schmeddersweg und eine Fläche im neuen Gewerbegebiet am Krefelder Weg dafür zu nutzen. Beide Grundstücke befinden sich in städtischem Eigentum. Die Stadt will an beiden Standorten Wohnheime - ähnlich denen am Hütterweg - mit jeweils 200 bis 250 Plätze errichten. Nach Einschätzung der Stadt hat vor allem der Standort Schmeddersweg den Vorteil der zentralen Lage: In unmittelbarer Nähe befinden sich das Bade- und das Sportzentrum an der Berliner Allee sowie die weiterführenden Schulen. Bürgermeister Rübo und Dezernent Klee erklärten, dass - sollte der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstag, 28. Juni, dem Vorhaben zustimmen - die Bürger bei einer öffentlichen Versammlung über die geplanten neuen Flüchtlingsheime informiert würden.

Die große Zuweisung, wie sie Kempen jetzt erlebt, kam nicht ganz unerwartet, sagte der Bürgermeister gestern. Denn bislang steht Kempen mit gerade einmal 44 Prozent der Aufnahmequote am unteren Ende im Land NRW. Der Grund: Bis Februar wurden der Stadt die rund 300 Plätze in der Sporthalle des Berufskollegs des Kreises, die über Monate als Erstaufnahmestelle genutzt wurde, angerechnet. Mit der jetzigen Zuweisung wird Kempen die geforderte Quote von 90 Prozent erreichen. Die nun erwarteten Flüchtlinge haben alle eine Aussicht auf Bleiberecht. Da eine gesetzliche Residenzpflicht für Asylbewerber eingeführt werden soll, geht die Stadtverwaltung davon aus, dass die Menschen nach Abschluss ihrer Asylverfahren in Kempen bleiben.

Dezernent Klee machte deutlich, dass in einer Situation, wo man jeden freien Platz nutzen muss, Probleme bei der Unterbringung nicht auszuschließen sind. Daher setzt die Verwaltung auch auf die Hilfe eines externen Wachdienstes, der gemeinsam mit Mitarbeitern des städtischen Ordnungsamtes die Unterkünfte regelmäßig besuchen soll.

Bei der Stadt hoffen die Verantwortlichen auch weiterhin auf das ehrenamtliche Engagement der Bürger und Vereine. Gerade bei den Vereinen freut sich die Verwaltung auf verstärkte Angebote wie Teilnahme an Sport oder Musik. Informieren kann man sich hier am besten auf der eigens eingerichteten Internetseite www.kempenhilft.de. Abwechslung im oft langweiligen Alltag in der Unterkunft ist wichtig, so Klee. Eindringlich ist der Appell von Bürgermeister Rübo, dass sich die Kempener auf die Neubürger einlassen mögen. Er versprach, dass die Verwaltung jederzeit bei möglichen Konflikten, die es aber bislang in Kempen noch nicht gegeben habe, zur Verfügung stehe. Wichtig sei weiterhin eine positive Willkommenskultur, bei der sich die Asylbewerber angenommen fühlen.

Quelle: RP
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