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Stadt Kempen
Kempen hat die ersten Stolpersteine

Stadt Kempen: Kempen hat die ersten Stolpersteine
Unter großer Anteilnahme von Kempener Bürgern verlegte der Künstler Gunter Demnig gestern die ersten drei Stolpersteine vor dem Haus Engerstraße 38 in der Fußgängerzone. Insgesamt wurden acht Gedenksteine gepflastert. FOTO: Lübke
Stadt Kempen. Gestern Morgen hat der Kölner Künstler Gunter Demnig in Kempen acht so genannte Stolpersteine verlegt. Mit ihnen soll an das Schicksal ehemaliger Bürger der Stadt erinnert werden, die Opfer des Nazi-Terrors geworden sind. Von Andreas Reiners

Es war eine sehr würdevolle Veranstaltung, an der sich rund 200 Kempener Bürger beteiligten: Gestern Morgen gegen 9 Uhr verlegte Gunter Demnig vor dem Eingang zum Haus Engerstraße 38 die ersten drei Stolpersteine. Die Basaltpflastersteine sind mit polierten und gravierten Messingplatten versehen. Auf den hoch glänzenden Schildchen sind neben den Namen der jeweiligen Opfer des Holocausts auch Angaben zu deren Schicksal verzeichnet. Im Haus Engerstraße 38 betrieben die jüdischen Schwestern Berta, Johanna und Caroline Berghoff ein Fleischereifachgeschäft. Zwei der Schwestern kamen 1942 in Theresienstadt und Treblinka um, die dritte starb 1938 im Kempener Krankenhaus an Krebs.

Kempener Schüler hatten sich in den vergangenen Monaten im Unterricht mit dem Schicksal derjenigen Kempener beschäftigt, die Opfer des Nazi-Terrors geworden waren. Auch an die drei Berghoff-Schwestern und deren Schicksal wurde gestern Morgen erinnert. Ebenso an Marian Kurzawa, einen polnischen Zwamngsarbeiter, der wegen so genannter Rassenschande 1941 im Konzentrationslager Sachsenhausen hingerichtet wurde. Er lebte bis zu seiner Deportation im so genannten Nopper-Hof an der Engerstraße 21. Auch dort verlegte Gunter Demnig ein Gedenkstein. Vier weitere Steine erinnern nun vor dem Haus Von-Loe-Straße 14 an die jüdische Familie Andreas, Paula, Kurt und Lieselotte Mendel. Auch über sie gab es entsprechende Erläuterungen von Schülern. Kurt Mendel überlebte als einziger Kempener Jude die Deportation in ein Vernichtungslager. Einige seiner Nachfahren waren gestern bei der Verlegung der Stolpersteine für ihre Angehörigen dabei. Zur anschließenden Gedenkstunde im Rokokosaal des Kulturforums Franziskanerkloster war auch Mirjam Honig aus den Niederlanden angereist. Sie ist bereits über 90 Jahre alt und letzte Kempener Zeitzeugin der Geschehnisse in der Nazi-Zeit. Sie emigrierte als Kind mit ihren Eltern - der Familie Winter - in die Niederlande. Mirjam Honig ist regelmäßig in Kempen zu Gast und berichtet auch in Schulen von der Judenverfolgung. Sie wurde im Rokokosaal von Kempens Kulturreferentin Dr. Elisabeth Friese besonders begrüßt.

Vor dem Haus Von-Loe-Straße 14 erinnerten Schüler an das Schicksal der Familie Mendel, die dort bis Ende 1941 lebte. FOTO: Wolfgang Kaiser

Friese erinnerte in ihrer Rede an die Diskussionen, die es in den vergangenen Jahren um die Verlegung von Stolpersteinen in Kempen gegeben hatte. In einem ersten Anlauf war Philipp Wachowiak mit seiner Initiative an einer Mehrheit im Stadtrat gescheitert. Erst der neuerliche Anlauf einer Gruppe, die vor allem aus den weiterführenden Schulen und der Evangelischen Kirchengemeinde getragen wurde, führte im vergangenen Jahr zu einer breiteren Zustimmung im Stadtrat. Nicht nur Ute Gremmel-Geuchen und Pfarrer Roland Kühne als zwei der Motoren der "Initiative Projekt Stolpersteine" zeigten sich gestern sehr bewegt und zugleich zufrieden - vor allem über die breite positive Resonanz, die ihr Vorstoß in der Kempener Bürgerschaft mittlerweile gefunden hat. Viele Bürger haben sich bereit erklärt, Patenschaften für die Gedenksteine zu übernehmen. Schüler der weiterführenden Schulen der Stadt sollen ihre Pflege mit übernehmen.

Weitere Stolpersteine sollen im November 2016 in Kempen verlegt werden. Insgesamt 35 jüdische Bürger aus dem Gebiet der heutigen Stadt Kempen, Zwangsarbeiter und politische Gegner der Nazis wurden während des so genannten Dritten Reiches ermordet. Auch ihr Schicksal soll von Schulklassen aufgearbeitet werden. Einen eindrucksvollen Überblick über ihr Schicksal gab gestern bei der Gedenkstunde Vibeke Björn, Schülerin des Luise-von-Duesberg-Gymnasiums, mit einem Vortrag. Der basierte unter anderem auf der Arbeit des Kempener Historikers Dr. Hans Kaiser zum Thema.

Quelle: RP
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