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Stadt Kempen
Kempen möchte den Davidstern

Stadt Kempen: Kempen möchte den Davidstern
Der angerostete Davidstern aus der 1938 vernichteten Kempener Synagoge steht nun im jüdischen Gemeindezentrum in Krefeld. FOTO: RPO
Stadt Kempen. Die Stadt hat in einem Schreiben an die jüdische Gemeinde in Krefeld nachgefragt, ob der wiederentdeckte Davidstern der 1938 niedergebrannten Synagoge nach Kempen zurückkehren könnte. Sie möchte ihn ausstellen. Von Gert Udtke

Das 112 Zentimeter große eiserne Sakralstück war von Thomas Pegels in einer Lagerhalle in Kempen an der Hülser Straße wiederentdeckt und schließlich nach Krefeld gebracht worden (die RP berichtete gestern). Die Thomasstadt bittet nun die dortige jüdische Gemeinde um ein Gespräch, um gemeinsam über die am besten geeignete Unterbringung des Fundstücks nachzudenken.

Das sakrale Werk, letzter Überrest der von den Nazis am 10. November 1938 zerstörten und angezündeten Synagoge an der Kempener Umstraße, würde gut in die zukünftiger stadthistorische Ausstellung im Kulturforum Franziskanerkloster passen, sagte gestern Bürgermeister Volker Rübo im RP-Gespräch: "Es wäre schön, wenn der Davidstern nach Kempen zurückkehren würde. Er wäre eine absolute Bereicherung." Die stadtgeschichtliche Ausstellung wird zur Zeit entwickelt und bekommt neu hergerichtete Räume im Kramer-Museum.

Sollte jedoch die jüdische Gemeinde Krefeld als Nachfolgerin der Kempener Gemeinde wünschen, dass der mit starken Gefühlen verbundene Davidstern in ihrem Gemeindezentrum an der Wiedstraße bleiben sollte, dann solle er dort belassen werden: "Darüber wird es keinen Streit geben", betont Rübo. Er findet es aber wichtig, dass Kempen sein Interesse angesichts des hohen historischen Wertes dieses Symbols jüdischen Lebens in der Thomasstadt zeigt.

Auf Nachfrage der RP sagte gestern Alla Trubnjakob, Geschäftsführerin der jüdischen Gemeinde Krefeld, dass dieser der Davidstern als Fundstück geschenkt worden sei. "Er sollte hier bleiben." Aber es sei sicher möglich, ihn als Leihgabe für Ausstellungen nach Kempen zu geben. Sie bestätigte und lobte wie Rübo das gute Verhältnis zwischen der Stadt Kempen und der jüdischen Gemeinde.

Michael Gilad, zweiter Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Krefeld, sieht den Davidstern aus Kempen als wertvolle Bereicherung einer Ausstellung, die im Krefelder Gemeindezentrum das jüdische Leben in der Region zeigt. Hier sollen jetzt auch Urkunden, Texte und Bilder aus dem Kreisarchiv Viersen und anderen Orten ihren Platz finden, die die Geschichte der jüdischen Gemeinde Kempen zeigen.

Die Thomasstadt erinnert mit einer Gedenkstätte an der Umstraße an die zerstörte Synagoge und mit einer Namenstafel am Rathausturm an die Verfolgung und Ermordung der Kempener Juden im Nationalsozialismus. Hier gedenkt die Stadt jedes Jahr am 9. November der Reichpogromnacht 1938 und ihrer Opfer. Der jüdische Friedhof in Kamperlings ist vor wenigen Jahren schön hergerichtet worden. Die teils aus dem 19. Jahrhundert stammenden Grabsteine und -denkmale wurden in Absprache mit der jüdischen Gemeinde gesichert.

Quelle: RP
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