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Stadt Kempen
Kempen unter Dampf

Stadt Kempen: Kempen unter Dampf
Der Kempener Staatsbahnhof um 1870. FOTO: Kreisarchiv
Stadt Kempen. Einst war Kempen ein wichtiger Knotenpunkt der Eisenbahn in der Region. 1907 führten 40 Gleise in sechs Himmelsrichtungen. Von Hans Kaiser

1863 bekam Kempen einen ersten Bahnanschluss und einen Bahnhof. Zur ersten Strecke von Köln über Krefeld nach Geldern und Kleve kam 1868 der Anschluss an die Niederlande durch die neue Staatsbahnlinie über Mülhausen-Grefrath-Lobberich-Kaldenkirchen nach Venlo. Mit diesen zwei wichtigen Linien wurde die Stadt Verkehrsknotenpunkt. Der Bahnhof, der heute noch steht, erwies sich als zu klein und bekam Anbauten nach Süden (1880) und nach Norden (1890). Die Verbindung zur Stadt stellte die neue "Bahnhofstraße" her. 1871, als sich der Todestag des größten Sohnes der Stadt Kempen zum 400. Mal jährte, erhielt sie den Namen Thomasstraße. So heißt sie noch heute.

1907 führten 40 Gleise in sechs Himmelsrichtungen: zwei Richtung Krefeld, zwei Richtung Aldekerk, eins Richtung Hüls, eins Richtung Oedt, eins Richtung Straelen, eins Richtung Grefrath. Dazu kamen ein Bahnbetriebswerk mit Drehscheibe und eine Signalwerkstatt. Übrig sind heute nur noch zwei Gleise und das Industrie-Anschlussgleis zur ehemaligen Elektrochemischen Fabrik.

Der Sommerfahrplan 1982 beendete den Personenverkehr von Kempen nach Kaldenkirchen. Am 21. Mai 1982 fuhr der rote Schienenbus zum letzten Mal. Heute dient seine Bahntrasse als Fahrradweg. Im Rahmen des Brahms-Festivals zum 100. Todestag des Komponisten wurde am 18. Mai 1997 ein Teilstück - St. Huberter Straße bis Oedter Straße - in "Brahmsweg" benannt. Das Sterben dieser Strecke ging scheibchenweise vor sich: Nur auf dem Abschnitt Kempen-Grefrath wurden die Gleise gleich abgebaut. Von Kaldenkirchen nach Grefrath gab es noch lange Zeit Übergabeverkehr für Industriekunden der Deutschen Bundesbahn, beispielsweise für Draftex, den Grefrather Hersteller für Dichtungssysteme in Fahrzeugen.

Im Mai 2006 dann großer Bahnhof in Kempen. Bereits Anfang der 1990er-Jahre hatten Planungen zu einer Neugestaltung eingesetzt. Bahnsteig 2 war großzügig neu gebaut und durch eine für Kempener Verhältnisse monumentale Unterführung mit dem Vorplatz verbunden worden. Sieben Millionen kostete der Umbau. Zunächst wird die Strecke von der Deutschen Bahn AG betrieben, heute befährt die Nordwestbahn die Strecke des Regionalexpress 10 ("Niersexpress") zwischen Kleve und Düsseldorf. Was bei der Eröffnung des modernisierten Kempener Bahnhofs 2006 niemand wissen konnte: Fünf Jahre später musste der sanierungsbedürftigen Plattenbelag unter der Unterführung, an Treppen und Rondell komplett erneuert werden.

Quelle: RP
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