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Stadt Kempen
Kempener Arzt hilft in Tadschikistan

Stadt Kempen: Kempener Arzt hilft in Tadschikistan
Das österreichisch-deutsche Ärzteteam operierte und versorgte innerhalb von einer Woche mehr als 30 Kinder mit Fehlbildungen in den Gesichtern. Zum Team gehörte auch der Kempener HNO-Arzt Dr. Martin Kamp. FOTO: kn
Stadt Kempen. Vor sechs Jahren begann das Projekt "Tajik Aid" von Dr. Martin Kamp. Heute sind einheimische Ärzte in der Lage, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten eigenständig zu operieren. Ihnen steht eine moderne Klinik zur Verfügung. Von Heiner Deckers

2009 startete der Kempener HNO-Arzt Dr. Martin Kamp sein Projekt "Tajik Aid". Im zentralasiatischen Land Tadschikistan wollte er Kinder operieren, die mit Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten geboren werden und ein Leben unter unfassbaren Qualen führen mussten. Ärzte gab es kaum im Land, Spezialisten erst recht nicht. Hinzu kam, dass die materielle Ausstattung mehr als dürftig war. Kamp nannte vor sechs Jahren das Ziel, ein selbstständig funktionierendes "Clef Competence Center" in der Hauptstadt Duschnabe zu etablieren. Heute kann er sagen: Mission erfüllt.

Die Künstlerin Julia Reich hat die Wände im Krankenhaus mit bunten Motiven aus Tadschikistan bemalt. FOTO: kn

Jahrelang hat der Kempener mit seinen Mitstreitern die Klinik aufgebaut und Ärzte ausgebildet. Anfangs waren die Räumlichkeiten in marodem Zustand: "Wir haben den Altbau komplett auseinander genommen", sagt Kamp. Heute findet man auf 600 Quadratmetern moderne Technik mit einem bestens ausgestatteten Operationssaal. Die Ausstattung stammt aus zwei Containern, die ihren Weg vom Niederrhein nach Tadschikistan fanden. Vielfach handelt es sich um Spenden von Krankenhäusern. Auch Organisationen wie der Lions-Club Kempen trugen ihr Scherflein dazu bei, das medizinische Niveau in Tadschikistan auf ein Niveau zu heben, von dem man vor paar Jahren noch nicht einmal träumen konnte.

Heute ist Kamp bei der Nachhaltigkeit angekommen, die er sich erwünscht hat: "Die einheimischen Ärzte können inzwischen alles machen und arbeiten auf westlichem Niveau." Rund 800 Neuerkrankungen gibt es jährlich. Hinzu kommen alte Patienten, so dass pro Jahr ungefähr 1500 Operationen notwendig sind. Die Verantwortlichen des Projekts sind auf Spenden angewiesen, öffentliche Mittel fließen für sie nicht. Ziel ist es zunächst einmal, die Mittel zu haben, um ein Jahr lang die Operationen kostenlos anbieten zu können. Eine Operation kostet etwa 200 Euro. "Im Grundgesetz von Tadschikistan steht, dass der Staat für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung zuständig ist. Die Realität ist leider anders", sagt Kamp.

Dr. Martin Kamp hat in Tadischkistan Ärzte ausgebildet. FOTO: schulz

Momentan trachtet man danach, die neue Klinik bis in den letzten Winkel des zerklüfteten Landes bekannt zu machen. Alle Geburtskliniken sind bereits informiert, Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte zu melden. "Wir betreuen sie dann bis zum ersten Lebensjahr. Dann können wir operieren, manchmal sind auch mehrere Operationen notwendig", erklärt Kamp. Weiterhin werden er selber oder Kollegen in regelmäßigen Abständen vor Ort in Zentralasien sein, aber nicht mehr als Lehrer, sondern in Sachen Qualitätsmanagement: "Wir überprüfen, ob die Standards auch wirklich eingehalten werden."

Das Projekt "Tajik Aid" bedeutet einen Quantensprung für das Land, dass nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 in ein tiefes Loch fiel. Besonders die medizinische Versorgung verschlechterte sich immens: Die meisten Ärzte verließen das Land, weil sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen konnten. Besonders in ländlichen Gebieten war die Unterversorgung dramatisch.

Kinder, die mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte zur Welt kamen, wurden aus Scham vielfach vor der Öffentlichkeit versteckt und mussten in einem dunklen Hinterzimmer vor sich hin vegetieren. Diese Zeiten sind vorbei - heute winkt den Betroffenen ein ganz normales Leben ohne seelische Qualen.

Quelle: RP
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