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Stadt Kempen
Kempener Kirmes - immer schon beliebt

Stadt Kempen: Kempener Kirmes - immer schon beliebt
Autoscooter liegen bei einer Kirmes seit Jahren im Trend. Vor mehr als 90 Jahren gab es bereits Autokarussells bei der Kempener Sommerkirmes, wie ein privates Brief-Dokument aus dem Jahre 1921 belegt. FOTO: Knudsen
Stadt Kempen. Die Vorbereitungen für die Sommerkirmes laufen. Die Schausteller bieten in diesem Jahr wieder etliche neue Attraktionen bei der Sommerkirmes. Die war auch im Jahre 1921 beliebt, wie ein historischer Brief aus dieser Zeit belegt. Von Silvia Ruf-Stanley

Am Wochenende ist es wieder so weit: Sommerkirmes in Kempen. Von Samstag bis Dienstag drehen sich die Karussells auf dem Buttermarkt und Viehmarkt, dazwischen jede Menge attraktive Buden, auch auf der Judenstraße und Engerstraße. Marktmeister Herbert Mohn vom Ordnungsamt der Stadt hat es wieder geschafft, neben den altbekannten und beliebten Schaustellern auch neue Fahrgeschäfte zur Kirmes zu holen.

Die beiden Kirmessen in Kempen erfreuen sich wachsender Beleibtheit - auch im Umland. Selbst aus Holland kommen Besucher zur Kirmes nach Kempen. Dadurch kommen auch viele Schausteller gerne nach Kempen, die wie die Besucher den eher familiären Charakter der Kempener Kirmes genießen.

In diesem Jahr gibt es die beliebte "Airport Bar" von Rudi Edling. Bei ihm auf dem Viehmarkt finden sich viele kalte und heiße Getränke im Angebot. Edling hat immer wieder ausgefallene neue Cocktails dabei. Und auch kleine Gäste sind hier an der Bar willkommen. Dazu gesellt sich auf dem Viehmarkt ein neuer Autoscooter, der mit vielen Effekten wie Nebel, Licht- und Lasershow über die ganze Fahrbahn und Chaisen der neuesten Generation sicher seine Fans in Kempen findet.

Ebenfalls neu in Kempen ist das Labyrinth "Down Town" des Schaustellers Lutz Hofmann. Im "Down Town" irrt der Besucher zwischen Spiegeln, Glas, beweglichen Böden und vielem mehr durch das Labyrinth und findet hoffentlich am Ende den Ausgang. "Reminders Musikexpress" und die beleibte Krake "Big Monster" sind wieder dabei. Für die Kinder gibt es Kinder-Achterbahn, Kinderkarussells und natürlich den ewigen Hit Entenangeln. Auch ein Schießstand fehlt nicht.

Dass die Kempener ihre Kirmes schon immer gerne feierten, zeigt ein Brief, den Hildegard Demmer, die aus Kempen stammt, aber inzwischen in Krefeld lebt, in der Hinterlassenschaft ihrer Mutter gefunden hat. Freundlicherweise hat sie ihn der Rheinischen Post zur Verfügung gestellt. Darin schrieb ihre Mutter Elvire Lennarz, geboren am 2. März 1905 in Kempen, im Juni 1921 ihrer Freundin Grete Schmitz, die im Pensionat in Ahlen lebte, von ihrem Kirmesbesuch. Elvire Lennarz' Mutter war eine geborene Sassenfeld und verheiratet mit dem Seminarlehrer Gottfried Lennarz am Thomaeum. Die Familie der Sassenfelds besaß seinerzeit an der Kuhstraße ein kleines Hotel mit Hausbrauerei, das später an die Familie Schmitz verkauft wurde. Die Familie Lennarz lebte am Burgring 49. Elvire Lennarz besuchte in Kempen das Lyzeum und arbeitete später in der Verwaltung der Arnold-Fabrik. Wenn Hildegard Demmer von ihrer Mutter erzählt, tut sich ein ganzes Kapitel bekannter Kempener Familiengeschichten auf.

Ihr Mutter schreibt in feinster Sütterlinschrift an ihre Freundin Grete: "Zuerst will ich Dir von der Kirmes erzählen. Es war toll, obwohl weniger Karussells da waren, als im vorigen Jahr. Auf dem Viehmarkt standen Schiffsschaukel und Autokarussell. Auf dem Buttermarkt standen eine Schiffsschaukel und ein Stühlchenkarussell. Letzteres flog bis in die Äste der Bäume. Sonntags war Konzert auf der Burg. Der König Otto I. zog ein paar mal am Tage durch die Stadt. Alle Karussells kosteten eine Mark, dienstags 0,50 Mark. Donnerstag, 9 Uhr abends, wurde das ,Kirmesmänneke' auf der St. Huberter Straße begraben. Unter feierlichem Trauermarsch. Es ging bei gedämpftem Trommelklang - zog halb Kempen mit. Der König und sein Gefolge war untröstlich. Herr ,Stabsarzt' Michels hielt eine ,ergreifende' Trauerrede. Dann wurde das ,Männeken' eingeäschert und ein Dutzend leerer Portemaechen wurden mit verbrannt. Die Rede schloss: ,So leb denn wohl Du Aas, Du hast uns Geld genug gekostet.' Und unter dem dumpfen Ton geschlagener Deckel endete die Feier."

Quelle: RP
 
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