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Stadt Kempen
Kempener spenden begeistert Beifall für Zimmermann-Trio

Stadt Kempen: Kempener spenden begeistert Beifall für Zimmermann-Trio
Frank Peter Zimmermann, Geige, Christian Poltéra, Cello, und Antoine Tamestit, Viola: Der Ausnahmegeiger Zimmermann spielte in Kempen wieder auf seiner Stradivari-Geige "Lady Inchiquin" aus dem Jahr 1711. FOTO: Mats Bäcker
Stadt Kempen. In der ausverkauften Paterskirche interpretierten die Musiker Bachs Goldbergvariationen in der Fassung für Streicher. Alle drei spielten in Kempen auf Stradivari-Instrumenten. Von Gert Holtmeyer

Ein Wiedersehen gab es jetzt in der ausverkauften Paterskirche mit Frank Peter Zimmermann, der nicht zum ersten Mal in Kempen begeistert aufgenommen wurde. Zugleich kam es zu einem Wiederhören der Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach. Mit diesem gewaltigen Werk hatte im Januar der Pianist Alexandre Tharaud einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Dass es jetzt in einer Fassung für Streichtrio zu hören war, blieb nicht der einzige Unterschied. Es wurde auch eine andere Bach-Auffassung erkennbar.

Während Thauraud die verborgene romantische Seite des Werkes aufspürte, legten Frank Peter Zimmermann (Violine), Antoine Tamestit (Viola) und Christian Poltéra (Violoncello) vor allem auf Transparenz Wert. Dabei war die Konstruktion der Komposition, war die Selbständigkeit der einzelnen Stimmen in der Bearbeitung des russischen Geigers und Dirigenten Dmitri Sitkovetsky *1954) sehr gut zu verfolgen.

Klanglich wurde der Abend zum Hochgenuss, was nicht nur, aber auch an der Qualität der Instrumente lag. Peter Landmann, künstlerischer Leiter von Kempen Klassik, konnte vor Konzertbeginn eine erfreuliche Nachricht übermitteln. Frank Peter Zimmermann hat die von ihm so geliebte Stradivari-Geige "Lady Inchiquin" aus dem Jahr 1711 wieder zurückbekommen. Der von der WestLB-Nachfolgerin Portigon AG beabsichtigte Verkauf dieses großartigen Instruments konnte durch Initiative der Landesregierung NRW verhindert werden. Zimmermann spielte das wertvolle Instrument - zum ersten Mal nach dem schmerzlichen Entzug - beim Heidelberger Frühling, einen Tag später zum zweiten Mal in Kempen. Auf Stradivari-Instrumenten spielen auch Zimmermanns Kollegen, auf einem Violoncello aus dem gleichen Jahr und einer Bratsche aus dem Jahre 1672. Selbstverständlich klingt kein Instrument von allein. Gerade bei Streichern ist die Tonqualität ganz erheblich vom Spieler abhängig, sowohl von der Bogentechnik wie von den motorischen Qualitäten der linken Hand. Aber da gibt es bei Instrumentalisten dieser Klasse natürlich keine Defizite.

Alle drei Spieler ließen den Klang ihrer Instrumente ganz frei sich entfalten. Sie saugten den Ton nicht aus ihren Instrumenten heraus, sie pressten ihn umgekehrt aber auch nicht hinein. Differenziert erfolgte die Gestaltung der im musikalischen Charakter sehr verschiedenen Variationen. Leicht und luftig klangen die tänzerischen Sätze wie die erste Variation, schwermütig, aber nicht schwerfällig und ohne falsches Pathos die traurigen Partien wie im Adagio der 25. Variation. Festlich breit beeindruckte die Ouvertüre (Nr. 16), brillant gelangen die virtuosen Partien. Begeisterter Beifall - wobei allen klar war, dass eine Zugabe nicht zum Charakter der Veranstaltung gepasst hätte.

Quelle: RP
 
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