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Stadt Kempen
Kendel-Bühne probt für Krimi-Komödie

Stadt Kempen: Kendel-Bühne probt für Krimi-Komödie
Proben schon eifrig für die Aufführung der Kriminalkomödie "Wohin mit der Leiche?" (von links): Johannes Dicks, Claudia Stickelbrock, Hartmut Reimer und Sabine Dicks. FOTO: Schenk
Stadt Kempen. Am Samstag gibt es die Eintrittskarten für fünf Aufführungstermine. Das Ensemble präsentiert das Stück "Wohin mit der Leiche?". Von Karin Schenk

"Wenn Sie 100.000 Euro bezahlen, dann lassen wir die Leiche spurlos verschwinden." Ein Mord im beschaulichen Kendeldorf? Aus den geöffneten Fenstern im ersten Stock des Begegnungszentrums (ehemalige Johannes-Hubertus-Schule) hört man Schreie und ein lautes Stimmengewirr. Irritation bei den Passanten am Hohenzollernplatz in St. Hubert. Eine schrille Frauenstimme kommandiert: "Nun mach dich endlich mal ein bisschen tot!" Eine andere Stimme: "Du hast die Waffe vergessen!" Es antwortet eine weitere Person - von Gelächter unterbrochen: "Nein, geschossen wird später!" Solche Dialoge können doch etwas Verwirrung auslösen, wenn man nicht weiß, dass das St. Huberter Amateurtheater, die "Kendel-Bühne", dort für das neue Theaterstück "Wohin mit der Leiche?" probt.

Die Hobby-Schauspieler freuten sich nach der Theaterpause, dass es Mitte Juli endlich wieder losging mit den Proben für das neue Theaterstück. Diesmal führt die Kendel-Bühne eine Kriminalkomödie von Walter G. Pfaus im Forum St. Hubert auf. Im Probenraum laufen die Vorbereitungen auf vollen Touren. Noch sind nicht alle Requisiten und die komplette Bühnenausstattung vorhanden. Macht nichts! Die lustige Gruppe hat Fantasie, kann improvisieren und sprüht vor Elan. Mit viel Schwung, Witz, Charme und Spielfreude sind die Akteure dabei. Die Wände der aufgestellten Bühnenteile wackelten vor Lachsalven. Die Vorzeichen für das neue Stück sind bestens! In der Kriminalkomödie geht es gleich von Anfang an richtig zur Sache: Kaum hat Jutta die Wohnung ihres frisch angetrauten Ehemannes Fred betreten, da kommt es schon zum Streit. In ihrer Wut schlägt sie Fred eine Flasche auf den Kopf. Sie hält ihn für tot, versteckt ihn unter dem Sofa und ruft ihre Mutter an, die ihr bei der Beseitigung der Leiche helfen soll. Doch nun fangen die Schwierigkeiten erst an. Leute kommen ins Haus und wollen Fred sprechen, und Jutta kann mit Mühe und Not gerade noch verhindern, dass die Leiche entdeckt wird. Als dann Maria Franken, die Mutter, zu Hilfe kommt, werden die Schwierigkeiten keinesfalls weniger. Die Polizei kommt ins Haus, weil ihr angeblich ein Mord gemeldet worden ist. Und dann ist plötzlich die Leiche verschwunden. Dafür taucht ein Erpresserbrief auf, in dem 100.000 Euro gefordert werden. Die beiden Frauen lügen sich aus jeder brenzligen Situation heraus. In Hochform kommt Maria aber, als auf einmal die Leiche wieder da ist. Diese ist dann im wahren Sinne des Wortes "lästig", denn immer wieder taucht ein Arm oder ein Bein vor dem Sofa auf. Doch Maria wird mit allem fertig. Selbst als die Leiche plötzlich wieder lebendig wird, hat sie die richtige Antwort parat.

Jedes Jahr führen die Amateurdarsteller der Kendel-Bühne ein Theaterstück im Forum St. Hubert auf. Dafür proben sie mehrere Monate ab Mitte Juli jeden Dienstagabend, ab Oktober bis zur Premiere auch noch donnerstags. Aber die Mühe lohnt sich. Der Erfolg ist seit mehr als 15 Jahren garantiert. Die Mitglieder des Ensembles spielen bei allen Vorstellungen vor ausverkauftem Haus, wobei die Zuschauer nicht nur aus Kempen kommen, sondern auch aus dem linksrheinischen und rechtsrheinischen Umland. So müssen sich die Theaterfreunde alljährlich beeilen, um an die begehrten Eintrittskarten zu kommen. Im Jubiläumsjahr 2015 bot die Kendel-Bühne wegen der großen Nachfrage erstmals fünf - statt vorher vier - Aufführungstermine an.

Die Vorbereitungen mit der Suche nach einem geeigneten Theaterstück beginnen jeweils am Anfang eines Jahres. Keine leichte Aufgabe für Johannes Dicks, Vorsitzender und Spielleiter der Kendel-Bühne. Viele Überlegungen sind zu berücksichtigen: Inhalt - modern oder traditionell, Spielort /Bühnenbild: wieder ein Bauernhof oder besser Wohnzimmer oder ein Büro? Wer spielt mit? Passt die Besetzung nach Vorgabe des Rollenbuches? Wer kann den schrulligen Opa, die energische Haushälterin oder den frechen Liebhaber spielen? Johannes Dicks beschäftigt sich intensiv mit dem jeweiligen Stück und schreibt es auf das Ensemble der Kendel-Bühne um. Er achtet darauf, dass mindestens eine oder zwei Rollen in St. Huberter Mundart - also in "Hüppersch Plott" - besetzt werden können. Ein paar Wochen dauert es, bis das Rollenbuch für die Schauspieler fertig ist und im Frühjahr den Mitspielern ausgehändigt wird. Dann können sich die Darsteller mit ihrer Rolle vertraut machen und anfangen, den Text zu lernen.

Die Rollenbücher sind derzeit - bei den meisten Darstellern - noch das wichtigste Utensil bei den wöchentlichen Proben. Doch das wird sich in den nächsten Wochen ändern, dann "sitzt" der Text und die Darsteller schlüpfen schauspielerisch ganz in ihre Rollen. Schon bevor sie einigermaßen textsicher sind, wird großer Wert gelegt auf Gestik, Mimik, Temperament - also auf die Darstellung und Überzeugung der jeweiligen Rolle. Die Kendel-Bühne ist vor allem sehr stolz auf die Leistungsfähigkeit der aktiven Mitglieder. Vieles wird in Eigenleistung hergestellt und organisiert. Auch abseits der Bühne gibt es viel zu tun, damit eine Aufführung reibungslos stattfinden kann.

Es ist klar, dass die Arbeit am Stück und bei den Proben zwar anstrengt, aber vor allem Spaß macht. Ob jung oder älter, alle haben ihre Freude am Theaterspielen und mit allem, was damit zu tun hat. Die jüngste Schauspielerin im Team ist 22 Jahre alt, die älteste mischt mit ihren 81 Jahren immer noch fröhlich mit. Lampenfieber haben die Hobby-Schauspieler (fast) alle: der eine mehr, der andere weniger. Aber auf der Bühne ist das dann vergessen.

Quelle: RP
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