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Gemeinde Grefrath
Kinder werden zu Handwerksgesellen

Gemeinde Grefrath: Kinder werden zu Handwerksgesellen
Noch ist nicht viel zu sehen, aber am Ende soll hier das Ständerwerk eines Fachwerkhauses stehen. FOTO: Kaiser, Wolfgang
Gemeinde Grefrath. Bei den Ferienspielen im Freilichtmuseum erfuhren die Teilnehmer unter anderem, wie in alten Zeiten Ohrlöcher entstanden. Sie wissen jetzt auch, woher der Begriff Schlitzohr stammt. Von Vo Bianca Treffer

Der schwarze Hut mit der breiten Krempe rutscht weit über die Ohren Kiras. "Steht er mir?", lautet die Frage der jungen Trägerin in die Runde, was ein herzliches Lachen bei den restlichen 18 Kindern auslöst, die alle zusammen im museumspädagogischen Raum des Niederrheinischen Freilichtmuseums sitzen. Die drei Hüte, die gerade die Runde machen, sind allesamt nicht für kleine Köpfe gedacht. Eigentlich gehören sie zur Bekleidung eines Zimmermanns, der sich auf der Walz befindet.

Trotzdem macht es allen Spaß, sich die Hüte einmal aufzusetzen. Bringen sie doch die Bekleidung auf diesem Weg ein ganzes Stück ihrem Thema näher. Das gilt auch für den nächsten Gegenstand, zu dem Dominique Walraevens greift. Es handelt sich um ein kleines schwarzes Kästchen. Kinderaugen verfolgen voller Spannung, wie die Volontärin des Museums es öffnet und einen goldenen Ohrring herausholt. Walraevens deutet auf den großen Zimmermann aus Pappmaché neben ihr, der ebenfalls einen Ohrring trägt. "Wenn der Zimmererlehrling ausgelernt hatte, dann stach ihm sein Meister mit einem Nagel und einem Hammer ein Loch für den Ohrring mit dem Zunftzeichen ins Ohr. Das trug er fortan", erzählt sie. Ein lautes "Ihh" ist zu hören. Auf diese Art Ohrlöcher herstellen, ruft eine Gänsehaut hervor.

Wenn sich ein Zimmermann unehrenhaft verhalten habe, dann wurde ihm dieser Ring herausgerissen, berichtet Walraevens. Und genau von dem so entstandenen Schlitz im Ohr käme der Begriff Schlitzohr, informiert sie weiter. Ein Begriff den alle kennen, aber keiner wusste bisher, wie er entstanden ist. "Das ist ganz schön spannend", meint Leon, der noch einen der Hüte trägt. Fast ehrfurchtsvoll macht der goldene Ohrring die Runde durch die Kinderhände. Jede Menge Wissensvermittlung auf spielerische Art - das erleben die Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren beim Sommerferienprogramm des Niederrheinischen Freilichtmuseums. In diesem Jahr steht es unter dem Motto "Handwerk auf dem Land". Wie die Flachsverarbeitung einst vonstatten ging, und was ein Gerber eigentlich genau machte, gehören neben der Vorstellung des Zimmermannberufes zu den Themen. Inzwischen haben die 19 Teilnehmer gelernt, wie auf der Walz das Tuch für das Gepäck gebunden und an den Stock geknotet wird. Was es mit dem Spitzen Eisen am Ende des Stenzes auf sich hat und wie es überhaupt zu dem merkwürdig gedrehten Wanderstock kommt, ist nun ebenfalls bekannt. Jede Menge Theorie, die aber schnell von der Praxis abgelöst wird.

Auf dem Bauplatz des Geländes warten jede Menge Balken auf die jungen Handwerker. Ein Anblick der skeptische Blicke auslöst, denn aus den Einzelteilen soll das Ständerwerk eines Fachwerkhauses entstehen. Doch was so kompliziert aussieht, verliert zusammen mit Walraevens und Helferin Hannah rasch seinen Schrecken. Mit größter Begeisterung bauen die Kinder das Holzgerüst auf. "Klasse" lautet die einhellige Meinung von allen, als die Konstruktion steht. Wie es sich bei einem Rohbau gehört, muss auch Richtfest gefeiert werden. Kleine Gläschen werden verteilt. "Anstelle von Schnaps nehmen wir aber Limonade", bemerkt sie lachend und gießt ein. Dazu noch ein Richtspruch und die Arbeit kann weitergehen.

Quelle: RP
 
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