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Stadt Kempen
Klassenfahrten in Zeiten des Terrors

Stadt Kempen: Klassenfahrten in Zeiten des Terrors
Die so genannte Blaue Moschee in Istanbul gehört zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der türkischen Metropole am Bosporus. Sie ist ein Weltkulturerbe. Das Kempener Luise-von-Duesberg-Gymnasium strich in diesem Jahr die Stufenfahrt nach Istanbul wegen der unsicheren politischen Lage in der Türkei. FOTO: dpa
Stadt Kempen. Die aktuelle Terrorgefahr beschäftigt auch die Kempener Schulen in puncto Stufen- und Austauschfahrten in von Anschlägen betroffene Großstädte. Bis auf eine Absage entscheiden sich die Schulen für ihre gewohnten Fahrten. Von Bianca Trefer

Eigentlich hatte das Luise-von-Duesberg-Gymnasium in Kempen in diesem Jahr einen Austausch mit seiner Partnerschule in Istanbul geplant. Bereits im vergangenen Jahr waren türkische Schüler am Niederrhein gewesen, nun sollte der Gegenbesuch stattfinden. Allerdings kam es nicht dazu. "Wir haben uns insbesondere aufgrund des derzeitigen Rechtssystems in der Türkei als auch wegen der Gefahr von Anschlägen in Istanbul gegen eine Fahrt an den Bosporus entschieden. Die gesamte Situation in der Türkei erscheint uns als zu unsicher", berichtet Schulleiter Benedikt Waerder. Eine Entscheidung, die von allen Beteiligten, Lehrern, Schülern und Eltern mitgetragen wurde. Stattgefunden haben dagegen die traditionellen Frankreich- und Englandfahrten, wobei auch London auf dem Besichtigungsprogramm stand. In Italien gehörte wie immer Rom dazu.

Die Schule meidet bei den Klassen- und Stufenfahrten die großen Städte nicht. "Es gibt keine Leitlinien für das richtige Verhalten. Die meisten Eltern vertreten die Meinung, dass überall etwas passieren könne und damit haben sie leider auch Recht", sagt Waerder. Daher laufen die Planungen für die Studienfahrt der neuen Q 2 im kommenden Schuljahr ebenfalls wie geplant. Waerder sieht es als das Wichtigste an, dass die Gedanken, die Attentäter in sich haben, erst gar nicht zum Tragen kommen. Daran müsse in seinen Augen gearbeitet werden und Schule trage mit Bildung einen Teil dazu bei.

"Wir fahren" lautet auch der Tenor im Thomaeum. Die Abschlussfahrten sind wie gewohnt gelaufen und es kam zu keinen Umdisponierungen. "Wir sind eine Europaschule. Wir haben englische, belgische, polnische und französische Partnerschulen, demnächst auch eine spanische. Uns ist es wichtig, weiterhin im Austausch zu stehen und dazu gehören gegenseitige Besuche", sagt Schulleiterin Agnes Regh.

Bislang sind ihr auch keine Bedenken von Eltern entgegengetragen worden. Auch die noch anstehende Fahrt der E F und Q 1 nach Straßburg im Rahmen des schulischen Europaprofils wird wie geplant stattfinden. "Die Welt hat sich verändert. Es sind neue Unwegsamkeiten dazu gekommen, mit denen wir alle lernen müssen umzugehen. Die Jugendlichen wachsen damit auf", sagt Agnes Regh.

Die Liebfrauenschule Mülhausen fühlt sich von den aktuellen Ereignissen momentan weniger tangiert, was Fahrten angeht. "Unsere traditionellen Ziele sind mehr die Toskana, die Provence und Barcelona. Großstädte wie London, Paris oder Brüssel stehen weniger auf der Agenda", sagt Schulleiter Lothar Josten. Stünden aber andere Ziele auf der Wunschliste, dann wolle man sicherlich nicht bewusst irgendwelche Risiken eingehen. Aber man wolle sich auch nicht einschüchtern lassen, fügt er an. Mit allen Beteiligten gründlich zu überlegen, was möglich ist, lautet daher die Devise der Liebfrauenschule.

Diese Strategie fährt auch die Erich Kästner Realschule in Kempen. "Wir ermutigen Eltern, uns ihre Sorgen zu benennen und überlegen dann gemeinsam. Wenn jemand nicht möchte, dass sein Kind mitfährt, ist das absolut in Ordnung. Wobei es sich bislang um Einzelfälle handelte", berichtet Schulleiterin Sigi Strohe. Alles verlief ansonsten wie geplant. Hamburg, Berlin, Amsterdam und ein Kurztrip nach London fanden statt.

Aufgrund der noch jungen Jahrgänge und der Tatsache, dass keine Großstädte auf dem Klassenfahrten-Programm stehen, berührt das Thema die Gesamtschule Kempen noch nicht. Die Fahrten der Unterstufe haben mehr einen gemeinschaftsbildenden Charakter und führen zu eher ländlichen Zielen, zum Beispiel in der Eifel. Die Fahrt der achten Klassen im nächsten Jahr geht nach Borkum. "Mit den kommenden Abschlussfahrten und der Oberstufe werden wir sicherlich genauer hinschauen müssen, wo es hingeht. Wir werden die Entwicklung abwarten. Generell muss man aber sagen, es kann überall etwas passieren", sagt Schulleiter Uwe Hötter.

Eins ist klar, allen Schulen ist es wichtig, die bestehenden Grundwerte trotz Terror nicht zu verlieren. Denn genau darauf zielen Attentate dieser Art ab.

Quelle: RP
 
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