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Stadt Kempen
Könner aus drei Kontinenten mit New Orleans Jazz

Stadt Kempen. Hochbetrieb herrschte erneut in Kempens gastlichster "Haltestelle" an der St. Töniser Straße, und die Besucher wurden schon im Foyer von einer zehnköpfigen Band mit zünftigen Traditional Jazz-Klängen begrüßt. "Frank's Hot Ten" spielten dort als Vorprogramm für das "Transatlantic Jazz S(w)ingtet" auf. Drei Saxophone, Klarinette, Trompete, Piano, Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang fanden da zu ansteckenden Rhythmen zusammen, und die Akteure stammten allesamt aus den nahen Niederlanden, wo sie sich als Teilnehmer der jährlichen Workshops von Jazz-Profi Frank Robertscheuten zusammengefunden haben. Von Mojo Mendiola

Weniger dixie-like, aber immer noch deutlich im New Orleans der ersten Jahrzehnte Jazz-Geschichte verwurzelt, präsentierte sich dann ein Quartett handverlesener Könner aus drei Kontinenten. Dass die Eifel noch Explosives zu bieten hat, bewies zum Beispiel der von dort stammende Klarinettist und Saxophonist Engelbert Wrobel, der seinem Ruf als begnadeter Benny Goodman-Stilist ohne jede Einschränkung gerecht wurde. Aus Princeton an der amerikanischen Ostküste stammt Pianist Chris Hopkins, der ein Stück gerne mal scheinbar harmlos wie ein Hotel-Bar-Pianist beginnt, aber spätestens im dritten Chorus eine Verbindlichkeit im Ausdruck zeigt, die bei sanft swingenden Nummern gar nicht so einfach zu erzielen ist. Aus San Francisco ganz im Westen der USA kam "Fast" Eddie Erickson, brachte Gitarre und Tenor-Banjo mit und erfreute auch mit Gesang und Späßen, fand zum Beispiel, dass es nie zu spät sei, sein Instrument korrekt zu stimmen. Die größte Attraktion aber war die aus Newcastle in Australien stammende New Yorkerin Nicki Parrott als Sängerin und mehr noch in der ausgesprochen seltenen Frauen-Rolle als Kontra-Bassistin. Sie erwies sich als absolut herausragende Meisterin auf diesem Instrument. Dem allzuoft verkitschten "Besame Mucho" zum Beispiel gab sie nicht nur mit ihrem subtilen Gesang seinen Jungmädchen-Charme zurück, sondern ließ darin auch ihren Bass zu einem schwärmerischen Hauptinstrument werden. Im Ensemblespiel höchst rhythmisch, einfallsreich und auch lange Wege auf dem Griffbrett nicht scheuend, sowie mit mehreren Top-Soli erntete sie immer wieder Zwischenapplaus. Auf den mussten aber auch die anderen nicht verzichten. Chris Hopkins bestach einerseits mit gepflegter Eleganz, andererseits aber auch mit dem etwas holprigen Ragtime-Stil, den er etwa in Fats Wallers "Wild Cat Blues" verwandte. Eddie Erickson demonstrierte unter anderem in Emery Deutschs "Play Fiddle Play", wie viele Spielweisen er grandios auf seinem Banjo beherrscht, und bezauberte als Sänger vor allem in Hoagy Carmichaels "Old Rockin' Chairs Got Me". Und über alle erhob sich immer wieder Engelbert Wrobel mit seiner virtuos jubilierenden Swing-Klarinette, gegen die jeder Widerstand zwecklos war. Das gehörte zu den Höhepunkten, das Publikum spendete überreichen Applaus.

Quelle: RP
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