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Stadt Kempen
Komponist Froberger: Spurensuche

Stadt Kempen. Zum 400. Geburtstag stand er im Mittelpunkt eines Gesprächskonzerts. Von Heide Oehmen

Johann Jacob Froberger dürfte vermutlich nur Insidern unter den Musikfreunden bekannt sein. Deshalb ist es umso verdienstvoller, dass die Künstlerische Leiterin der Kempener Orgelkonzerte, Ute Gremmel-Geuchen, und der in Köln lebende belgische Cembalist Léon Berben sich gemeinsam mit dem Musiker und Moderator Wolfgang Kostujak dieses außergewöhnlichen Komponisten und weitgereisten Weltmanns anlässlich dessen 400. Geburtstages annahmen und die Ergebnisse ihrer Spurensuche in einem vom WDR aufgenommenen Gesprächskonzert - im Rahmen der Musiek Biennale Niederrhein 2016 - in der Paterskirche vorstellten.

Froberger wurde 1616 in Stuttgart geboren und verlor in den Wirren des 30-jährigen Krieges infolge einer Pestepidemie bereits im Jahre 1637 beide Eltern. Im selben Jahr erhielt er eine erste Anstellung als Organist am Wiener Hof. Schon wenige Monate später unternahm er eine dreieinhalbjährige Studienfahrt nach Italien zum päpstlichen Organisten Girolamo Frescobaldi. Sein Mentor wurde der Universalgelehrte Athanasius Kircher, der ihm später eine selbst konstruierte "Kompositionsmaschine", ein "Organum mathematicum", überließ, mit der eine Automatisierung schöpferischer Abläufe möglich war.

Immer wieder kehrte Froberger Italien den Rücken, reiste er nach Utrecht, nach Brüssel, nach Wien und nach Deutschland - die meisten seiner Wegstrecken bewältigte er zu Fuß. In Dresden wurde er Sieger eines Wettbewerbs mit dem dortigen Hoforganisten Matthias Weckmann. Bei einer Reise nach Paris im Jahre 1652 befreundete er sich mit Louis Couperin. Diese Begegnung zeitigte Kompositionen, die das französische Prélude und die italienische Toccata verbanden. Schließlich entstanden, beeinflusst von Frescobaldi, "Capriccen", deren Merkmal die "Klangrede" ist - die Wechselbeziehung zwischen allgemeinen kompositorischen Regeln und musikalischer Unterhaltung. Ein Paradebeispiel dafür ist die 27. Suite in e-Moll für Cembalo, die eine feucht-fröhliche, durch Stromschnellen gefährdete Fahrt Frobergers und seiner Gefährten auf dem Rhein musikalisch illustriert.

Doch auch Ernstes thematisierte der Komponist äußerst bildhaft: Ein "Memento Mori - Mensch bedenke, dass Du sterben musst" für seinen Dienstherren und sogar eine "Meditation auf meinen eigenen Tod". Das und noch viel mehr berichtete in fesselnder Manier - allerdings oft ein wenig zu hastig gesprochen - Wolfgang Kostujak, der an einem Lesepult im dezent beleuchteten Altarraum Platz genommen hatte. Léon Berben am wunderschön volltönenden Cembalo und Ute Gremmel-Geuchen an der für Kompositionen des 17. Jahrhunderts wie geschaffenen König-Orgel ließen in Werken des Jubilars und seiner Zeitgenossen Girolamo Frescobaldi, Michelangelo Rossi, Matthias Weckmann, Anthoni van Noordt und Louis Couperin mit technisch makellosem, fein differenziertem, klar gegliedertem und einfühlsamem Spiel das Leben und Wirken Frobergers lebendig werden.

Quelle: RP
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