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Stadt Kempen
Kreisarchiv: Kempens Chancen steigen

Stadt Kempen: Kreisarchiv: Kempens Chancen steigen
Derzeit lagern die Archivalien des Kreises in der Kempener Burg. Doch dort ist nicht genügend Platz. Deshalb möchte der Landrat einen Neubau. FOTO: Kaiser
Stadt Kempen. Die Entscheidung, ob die Städte Willich und Viersen ihre Archive aufgeben und in ein neues Kreisarchiv überführen, rückt näher. Die Stadtverwaltung Viersen empfiehlt jetzt, das nicht zu tun. Damit wäre Kempen noch im Rennen. Von Birgitta Ronge, Marc Schütz und Andreas Reiners

Wer gibt zuerst nach - Willich oder Viersen? Um die Frage zu beantworten, ob ein neues großes Kreisarchiv gebaut werden soll, wird die Zeit knapp: Den Beschluss dazu soll der Kreistag am 22. September fassen. Vorher soll sich die Politik in Willich und Viersen entscheiden, ob sie ihre Stadtarchive ins neue, moderne Kreisarchiv überführen würden. "Im Prinzip Ja - aber nur, wenn der Neubau in unserer Stadt steht", tönt es sinngemäß aus beiden Städten.

In Willich dürften jetzt die Alarmglocken schrillen. Denn im Interview mit der Rheinischen Post sagt Landrat Dr. Andreas Coenen, dass er dem Kreistag vorschlagen werde, das Archiv in Viersen zu bauen - wenn Viersen denn überhaupt mitmacht. "Wenn Viersen nicht mitmacht, steigen die Chancen von Willich und Kempen als Standort."

Der Landrat bringt damit auch Kempen wieder ins Spiel, obwohl es vor Monaten noch so aussah, als wäre der Zug für einen Archiv-Neubau in der Thomasstadt längst abgefahren. Stichwort Zug: Gleich neben dem Kempener Bahnhof soll die Stadt nach Informationen der Rheinischen Post ein Grundstück reserviert und dem Landrat für den Bau eines neuen Archivs angeboten haben. Die Kempener Politik ist sich durch alle Fraktionen in der Einschätzung einig, dass das Kreisarchiv in der Thomasstadt gehalten werden soll. Das haben die jeweiligen Fraktionssprecher in den Sommergesprächen mit der Rheinischen Post durch die Bank beteuert. Sollte der Kreistag sich für einen anderen Standort entscheiden, müsse in Kempen geprüft werden, ob das Stadtarchiv mit seinen wertvollem Archivgut, das vor Jahren in die Obhut des Kreisarchiv gegeben worden ist, wieder aus diesem herausgelöst und in ein neues eigenständiges Stadtarchiv überführt werden könne. Der Kempener Politik ist klar, dass dies zusätzliches Geld für Personal und Räume kosten würde.

Wie ernsthaft die Politik diese bereits Ende vergangenen Jahres mit einem Beschluss des Stadtrates untermauerte Marschrichtung weiter verfolgen würde, sollte es zum Schwure kommen, ist offen. Der Politik und auch Bürgermeister Volker Rübo wird von interessierten Kreisen in Kempen vorgehalten, sie hätten sich erst spät an der Standortdiskussion beteiligt und die Kempener Position mit zu wenig Nachdruck auf Kreisebene vertreten.

Zur Erinnerung: 5,1 Millionen Euro Fördergelder kann der Kreis Viersen bekommen, um ein neues Kreisarchiv zu bauen. Das Alte befindet sich noch in der Kempener Burg, die Räume dort sind zu klein und nicht mehr zeitgemäß. Daher will der Kreis ein neues Gebäude errichten, in dem die Archivalien aus allen neun Kommunen des Kreises aufbewahrt werden. Die Zeit drängt: Um die Förderung des Bundes zu erhalten, muss der Neubau bis 2020 stehen. Deswegen müssen die Städte schnell entscheiden, ob sie mitziehen möchten. In der Stadtratssitzung im Juli hat die Willicher Politik das Thema vertagt. Zu viele Fragen waren - und sind - noch ungeklärt. Die nächste Sitzung des Rates ist am Donnerstag, 8. September.

Im Kreisarchiv in der Kempener Burg befinden sich schon jetzt die Archive der meisten Städte und Gemeinden im Kreis. Nur die Städte Viersen und Willich haben noch eigene Stadtarchive. Der Kulturausschuss der Stadt Viersen soll nun am 30. August entscheiden, ob das Stadtarchiv ins Kreisarchiv überführt werden soll. Die Viersener Stadtverwaltung hat schon vorgearbeitet: In der Vorlage der Verwaltung empfiehlt der Erste Beigeordnete Dr. Paul Schrömbges, der in Willich lebt und hier lange für die CDU politisch aktiv war, dem Ausschuss zu beschließen, dass das Stadtarchiv Viersen nicht ins Kreisarchiv eingegliedert wird.

Aus der Vorlage der Viersener Verwaltung geht hervor, dass ihr das Angebot des Kreises bislang nicht konkret genug ist: So weiß man beispielsweise noch nicht, wie teuer der Neubau werden könnte. Dieser Aspekt wurde auch in Willich immer wieder bemängelt, konkrete Zahlen werden gefordert. Die Stadt Viersen schätzt für den Neubau mit zehn Millionen Euro, davon 5,1 Millionen Euro Fördermittel. Entsprechend ihrer Einwohnerzahl müssten die Kommunen für den Rest aufkommen. Die Betriebskosten für die Archivarbeit könnten mit einem neuen, gemeinsamen Kreisarchiv zurückgehen- so hatte jüngst Kreisdirektor Ingo Schabrich für eine Fusion der Stadtarchive Willich und Viersen mit der Kreiseinrichtung geworben. Allerdings: Das Willicher Stadtarchiv ist im stadteigenen Verwaltungsgebäude in Schiefbahn untergebracht und verursacht aus Verwaltungssicht kaum Kosten. Schabrich ist dennoch überzeugt, dass es für Willich am Ende billiger wäre, sich am Kreisarchiv zu beteiligen. Die Kostenseite enthalte Risiken, so die Viersener Verwaltung, die heute nicht absehbar seien, die angegebenen Baukosten seien nicht nachprüfbar. Sollte Willich nicht mitziehen, müsste Viersen noch mehr bezahlen - und umgekehrt gilt das natürlich auch.

In Willich wie in Viersen sehen Verwaltung und Politik für die Archivnutzer keinen Vorteil, wenn die Stadtarchive ins Kreisarchiv überführt werden würden: Bislang betreuen die Mitarbeiter im Willicher und im Viersener Stadtarchiv intensiv Besucher wie Familienforscher, Heimatvereine, Schulklassen oder Schüler, die ihre Facharbeit schreiben. Mit den Nutzerzahlen ist man überaus zufrieden - und hat Angst, dass diese rapide abnehmen würden, wenn die Willicher oder die Viersener eine weitere Anfahrt in Kauf nehmen müssten.

Die Anfrage des Kreises zur Zusammenlegung der Archive sei "in Anbetracht der Neubaunotwendigkeiten richtig und notwendig", erklärt die Viersener Stadtverwaltung. "Sie zeugt von einem guten Geist interkommunaler Kooperation." Paul Schrömbges macht aber auch deutlich, dass noch Diskussionsbedarf besteht: "Die aktuellen Zusagen der Kreisverwaltung sind als Absichtserklärungen zu werten und im Sinne einer belastbaren vertraglichen Lösung nicht ausverhandelt." Dies liege nicht am guten Willen der Vertragspartner, "sondern am Zwischenstand der Überlegungen und der Notwendigkeit, kurzfristig Grundsatzentscheidungen herbeiführen zu müssen". Daher empfiehlt die Verwaltung dem Kulturausschuss, das Viersener Stadtarchiv nicht ins Kreisarchiv einzugliedern.

Dass das Konzept noch nicht fertig ist, über viele Dinge noch gesprochen werden muss, die dann auch vertraglich festgezurrt werden müssen, ist auch Landrat Coenen klar. Was die Kosten betrifft, könne etwa der Viersener Stadtrat grundsätzlich der Planung zustimmen und einen Vorbehalt einbauen - und erst dann grünes Licht für den Bau geben, wenn die Kosten beziffert werden können. "Bevor nicht der Bagger bestellt ist, kann man umplanen", so Coenen.

Er will Heimatforschern auch die Sorge nehmen, im großen Kreisarchiv nicht mehr so gut betreut zu werden wie bislang in den Stadtarchiven: Er wolle ein Bürger-Kreisarchiv, kein Archiv, das hinter dicken Mauern verschwinde, kein Archiv, in dem der Nutzer als störend empfunden werde. Über die Planung könne der Kulturausschuss der Stadt Viersen regelmäßig informiert werden, so Coenen, "und das gilt auch für die anderen Städte und Gemeinden".

Quelle: RP
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