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Stadt Kempen
Kreisheimatbuch erstmals auch elektronisch lesbar

Stadt Kempen: Kreisheimatbuch erstmals auch elektronisch lesbar
In der Kempener Burg befindet sich das Kreisarchiv. Ein Beitrag im neuen Kreisheimatbuch befasst sich mit der Geschichte des Gebäudes. FOTO: Wickerath
Stadt Kempen. Seit gestern gibt es die neue Ausgabe des Kompendiums für 2018. Es enthält wieder Arbeiten zur Heimatgeschichte. Von Andreas Reiners

Premiere für den neuen Leiter des Kreisarchivs, Michael Habersack, gestern Vormittag im Lesesaal des Archivs in der Kempener Burg: Seit Anfang September ist der promovierte Historiker und Archiv-experte im neuen Amt; gestern stellte er gemeinsam mit Kreisdirektor und Kreiskulturdezernent Ingo Schabrich das neue Kreisheimatbuch 2018 vor. Mit von der Partie war auch der Vorgänger von Habersack, der langjährige Kreisarchivar Gerhard Rehm. Er ist seit wenigen Wochen im wohl verdienten Ruhestand, zeichnet aber für die neue Ausgabe als Redakteur ein letztes Mal verantwortlich.

Und Rehm ist auch mit der Fortsetzung seiner umfangreichen Arbeit über den früheren Kreisarchivar Walther Föhl aus dem vergangenen Jahr im neuen Buch vertreten. Rehm hat die Rolle Föhls während des Nationalsozialismus erforscht. Föhl war unter anderem während des Zweiten Weltkrieges in leitenden Positionen in den von Deutschen besetzten Gebieten tätig.

Kreisarchivar Michael Habersack (links) und sein Vorgänger Gerhard Rehm (rechts) stellten gestern im Kreisarchiv in Kempen gemeinsam mit Kreisdirektor Ingo Schabrich das neue Kreisheimatbuch 2018 vor. FOTO: Wolfgang Kaiser

Die neue Ausgabe des Kreisheimatbuchs enthält darüber hinaus wieder eine Vielzahl von lesenswerten Abhandlungen zur Lokal- oder Regionalgeschichte des heutigen Kreises Viersen. Kreisdirektor Schabrich betonte, dass die Reihe, die es immerhin seit 68 Jahren gibt, auch künftig fortgesetzt werden soll. Der neue Kreisarchivar Habersack lobte besonders die Themenvielfalt der neuen Ausgabe.

Viele der 22 Autoren des 69. Bands sind bewährte Kräfte, die sich zumeist ehrenamtlich um die Aufarbeitung historischer Themen aus ihrer Heimatgemeinde bemühen. Von der interessanten Mischung der Themen aus den Bereichen Lebensbilder, Geschichte, Kunst und Natur lebt der Kreisheimatbuch. Eine Besonderheit der aktuellen Ausgabe ist der Themenschwerpunkt zur Geschichte von Breyell. In ihm sind einige Aufsätze anlässlich der ersten Erwähnung des heutigen Nettetaler Stadtteils vor 900 Jahren zusammengestellt. Diese Beiträge reichen vom Mittelalter über die Franzosenzeit bis in die Gegenwart und sollten ursprünglich in einer eigenen historischen Abhandlung über die Gemeindegeschichte von Breyell erscheinen. Dieses Werk, so der ehemalige Kreisarchivar Rehm gestern, ließ sich jedoch nicht realisieren.

Interessant sind die Beiträge zu historischen Persönlichkeiten oder Gegebenheiten allemal, liefern sie - wie das Porträt von Doris und Rainer Hoffmann über den Bildhauer und Kempener Bürger Francois Perey - viele Informationen auch für den historischen Laien. So wurde bereits sehr viel zur Geschichte der Kempener Burg veröffentlicht. Die stellvertretende Leiterin des Kreisarchivs, Vera Meyer-Rogmann, hat aber noch Neues gefunden in ihrem Beitrag zur "Burg in der Franzosenzeit und als Eigentum der Familie von Loevenich". Der pensionierte Pädagoge Alfred Knorr liefert wieder einen Beitrag zur Geschichte von Mülhausen. Diesmal widmet er sich den Aufzeichnungen von Pater Theodor Drathen.

Ein Beitrag aus der jüngeren Geschichte dürfte besonders viele Viersener interessieren: Archivar Marcus Ewers hat den so genannten Schulkampf in den 1980er-Jahren im Vorfeld der Errichtung der heutigen Anne-Frank-Gesamtschule in Viersen aufgearbeitet. Er zeichnet den damaligen Streit der Lokalpolitik unter anderem anhand zahlreicher Zeitungsartikel der Rheinischen Post nach. Die Kunsthistorikerin Jutta Pitzen beschreibt Denkmäler in der Viersener Innenstadt.

Bereits in Vorträgen vorgestellt, kann nun auch im Kreisheimatbuch die Arbeit von Ingeborg Unger zu den Funden anlässlich der Ausgrabungen 2011 am ehemaligen Franziskanerkloster in Kempen nachgelesen werden. Damals forschten Archäologen vor Beginn der Bauarbeiten für den neuen Wohn- und Geschäftskomplex "Klosterhof" neben dem historischen Kloster. Interessant ist auch der Beitrag von Ulrich W. Abts "Raseneisenerze in den Rahmsümpfen bei St. Hubert". Die so genannte tote Rahm steht seit einiger Zeit wieder im Fokus der Diskussion von Kempener Lokalpolitik und Naturschutz, weil durch das wertvolle Biotop die Ferngasleitung "Zeelink" verlegt werden soll.

In der Rubrik "Aktuelle Dokumentation" hat Archivmitarbeiter Jürgen Grams neues Schrifttum zum Kreis Viersen zusammengetragen. Cornelius Lehmann berichtet zur Dauerausstellung zum Schmiedehandwerk im Freilichtmuseum in Grefrath, die im kommenden Jahr mit neuem Konzept im mittlerweile renovierten Gebäude präsentiert werden soll. Schließlich gibt es auch einen Beitrag zum neuen Programm des Freilichtmuseums für Menschen mit Demenz.

Quelle: RP
 
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