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Stadt Kempen
Landrat: Die Burg wird nicht leer stehen

Stadt Kempen: Landrat: Die Burg wird nicht leer stehen
Die Kempener Burg in einer Aufnahme um 1900. FOTO: Nachlass Karl Wolters
Stadt Kempen. Groß war das Interesse an der Informationsveranstaltung zur Markterkundung in Sachen Kempener Burg. Von Andreas Reiners

An dieser Aussage wird sich Landrat Dr. Andreas Coenen im Laufe des weiteren Verfahrens messen lassen müssen: "Der Kreis wird sich nicht aus seiner Verantwortung stehlen", sagte Coenen zum Abschluss der Informationsveranstaltung zur Markterkundung für eine mögliche neue Nutzung der Kempener Burg. Am Donnerstagabend kamen mehr als 100 Interessierte in die Cafeteria des Kempener Berufskollegs.

Sie hörten genau hin, als Ulrich Schneider und Jost Dewald vom Fachbüro "Assmann Gruppe" aus Dortmund das seit Anfang des Jahres laufende Verfahren erläuterten. Die Zuhörer, darunter viele Vertreter der Kempener Stadtratsfraktionen, diskutierten aber auch lebhaft mit, nachdem Landrat Coenen und Kempens Bürgermeister Volker Rübo die jeweiligen Positionen von Kreis und Stadt erläutert hatten. Mit am Podium saß auch die Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke. Die rheinische Denkmalbehörde begleitet das nun angelaufene Verfahren.

Dass die oberste Denkmalpflegerin im Rheinland an diesem Abend in Kempen mit am Tisch saß, unterstreicht die Ernsthaftigkeit des nun in Gang gebrachten Prozesses, an dessen Ende eine für alle Beteiligten - den Kreis als Eigentümer der Burg, die Stadt, die um die Zukunft ihres Wahrzeichens ringt, die Denkmalbehörde und nicht zuletzt die Kempener Bürger selbst - gangbare und nachhaltige Nutzung für die mehr als 600 Jahre alte ehemalige kurkölnische Landesburg steht.

Eine Markterkundung für eine Burg hat es in dieser Form noch nicht gegeben. Ausgelotet wird zunächst nur, ob es Interessenten gibt, die Ideen haben, die Burg einer neuen Nutzung zuzuführen, wenn das Kreisarchiv das Gebäude verlässt. Letzteres war am Donnerstagabend nur am Rande ein Thema. Aus Sicht des Kreises, das machte Kreisdirektor und Kreiskulturdezernent Ingo Schabrich noch einmal deutlich, ist die Unterbringung des Archivs in der Burg allein schon aus Brandschutzgründen sehr problematisch. An einem Neubau - wo immer der Ende errichtet wird - geht also kein Weg vorbei.

Zurück zum Verfahren: Die Assmann-Experten haben mit Unterstützung des Kreises, der Stadt und dem Rheinischen Denkmalamt ein Exposé entwickelt, in dem das Objekt, das nun am Markt angeboten wird, beschrieben ist. Dazu wurde ein achtseitiger Fragebogen entwickelt. Beides wird demnächst an etwa 50 potenzielle Interessenten verschickt. Es kann darüber hinaus ab 18. April auf einer speziellen Internetseite (www.burg-kempen.de) eingesehen und heruntergeladen werden. Zudem wird das Projekt europaweit in Fachpublikationen beworben.

Wichtig: Potenziellen Interessenten werden zunächst kaum Vorgaben gemacht. Allenfalls die - allerdings sehr bedeutsamen - Rahmenbedingungen des Denkmalschutzes und der Stadtplanung spielen eine Rolle. Ansonsten ist das Verfahren ergebnisoffen und - ganz wichtig - nicht bindend. Es sollen vorrangig die Marktchancen für das Denkmal Burg geklärt werden.

Sollte beim Abschluss der Markterkundung Ende Juni/Anfang Juli herauskommen, dass die Burg unter den vorgegebenen Bedingungen keinen Käufer findet, wird sie nicht irgendwann als Ruine enden. Das sicherte der Landrat zu. Gemeinsam mit Stadt und Denkmalbehörde werde man über eine neue Nutzung nachdenken. "Wir stellen die Burg nicht in Immo-Scout ein", betonte Coenen. Sie werde nicht an den meist Bietenden verscherbelt. Die Landeskonservatorin sicherte zu, dass ihre Behörde - sollte sich ein "solider" Interessent mit einem tragfähigen Konzept finden - bei der Beschaffung von Fördermitteln behilflich sein werde.

Und wenn es keinen Interessenten gibt? Der Kreis wird die Burg nicht der Stadt übergeben, ohne sich um eine neue Nutzung zu kümmern. Angedeutet wurde bereits, dass auch eine Rückkehr der Kreisvolkshochschule nach Kempen oder auch eine stärkere Präsenz der Kreismusikschule denkbar wären. Bürgermeister Rübo findet diese Idee durchaus gut. In jedem Fall soll die Burg ein öffentlich zugängliches Gebäude bleiben.

Quelle: RP
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