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Stadt Kempen
Landwirte bitten um mehr Rücksicht

Stadt Kempen: Landwirte bitten um mehr Rücksicht
Diese Kempener Landwirte plädieren für mehr Rücksichtnahme (v.l.,ohne Radfahrer): Heinz-Wilhelm Tölkes, Herbert Platen, Peter Josef Coenen, Heinz-Jürgen Krouhs und Johannes Doerkes. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Bauern, Radfahrer und Spaziergänger teilen sich die Wirtschaftswege rund um Kempen. Besonders Autofahrer, die Feldwege als Abkürzung nutzen, sind den Bauern ein Dorn im Auge. Von Willi Schöfer

Gerade haben Heinz-Jürgen Krouhs und Herbert Platen die Schablonen und Spraydosen in die Hand genommen. Sie treffen sich mit einigen anderen Landwirten am Kaatsweg, einem Wirtschaftsweg am Rande der Thomasstadt. Einige Minuten später ist das erste Piktogramm fertig. Es zeigt auf der Asphaltdecke symbolisch einen Traktor und einen Radfahrer, die sich begegnen. Worum es geht, steht dort in grüner Signalfarbe geschrieben: "Rücksicht macht Wege breit". "Wir wollen damit die Bevölkerung etwas sensibilisieren", erklären übereinstimmend der Vorsitzende der Ortsbauernschaft Kempen, Peter Josef Coenen, und der Chef der Ortsbauernschaft St. Hubert, Johannes Dörkes. Gemeint ist ein besseres Verständnis der Radler und Fußgänger, die diese Wege auf ihren kurzen oder längeren Touren nutzen, und den Landwirten, die dort ihre Felder bewirtschaften und ihnen begegnen.

"Wenn wir mit unseren Traktoren und Gerätschaften hier unterwegs sind, müssen wir oft, wenn uns jemand entgegen kommt, auf die Grünstreifen neben der Fahrbahn ausweichen, um beispielsweise die Fahrradfahrer vorbei zu lassen", sagt Coenen. Darunter leide die nur etwa drei Meter breite Asphaltdecke, weil die Seitenstreifen nicht für das Gewicht der Traktoren ausgelegt seien und dann die Kanten wegbrechen könnten.

Die Landwirte appellieren an die Radler, auch mal abzusteigen und den Traktor vorbei zu lassen. Die Bitte um eine größere Rücksichtnahme hat aber auch einen anderen Grund: Derzeit denken Verwaltungen und Genehmigungsbehörden darüber nach, die Kosten, die für die Grunderneuerung und für den Bau neuer Wirtschaftswege entstehen, auf diejenigen Eigentümer umzulegen, die davon in erster Linie einen Vorteil haben. Es gibt eine Mustersatzung des Städte- und Gemeindebundes und entsprechende Empfehlungen der Gemeindeprüfungsanstalt, die zu einem gewissen Prozentsatz dann auch die entsprechenden Eigentümer zur Kasse bitten wollen. Wobei natürlich dann auch ein Kriterium ist, in welchem Umfang diese Verbindungen zu Zwecken der Naherholung genutzt werden. Die Landwirte wollen daher durch diese Aktion erreichen, dass der insgesamt gute Zustand der asphaltierten Wirtschaftswege, die größtenteils in den 1950-er und 1960-er Jahren die Schotterwege ersetzt hatten, so lange als möglich erhalten bleibt.

"Es muss aber auch aufhören, dass einige der Wirtschaftswege von den Autofahren als Schleichwege benutzt werden", betont Coenen. "Damit der gute Zustand der asphaltierten Wirtschaftswege erhalten bleibt, überteert die Stadt Kempen jedes Jahr stark beschädigte Abschnitte und so wird es auch hoffentlich bleiben", sagt Landwirt Herbert Platen. Johannes Dörkes weist darauf hin, dass es bereits jetzt großen Unmut bei den Landwirten gibt - für den Fall nämlich, dass sie durch die kompletten Neusanierungen unverhältnismäßig hoch zur Kasse gebeten werden. Zumal es dazu noch viele unbeantwortete Fragen gebe. Dörkes: "Was passiert zum Beispiel bei entsprechenden Neubauten mit denjenigen Anrainern, die zwar mit ihren Äckern nicht direkt an diesem Weg liegen, aber durch diesen zu ihren Feldern kommen?"

Hingewiesen wird ferner darauf, dass etwa drei Viertel der Flächen an diesen Wirtschaftswegen verpachtet seien. Dörkes sieht bei einer unverhältnismäßig hohen Kostenbeteiligung die Befürchtung, "dass dann die Pachtkosten immens ansteigen und es für die Pächter immer schwieriger wird, vernünftig zu kalkulieren" Auf alle Fälle haben sich die Landwirte vorgenommen, punktuell mit ihrer Aktion in Sachen Rücksichtnahme weiter zu machen.

Quelle: RP
 
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