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Stadt Kempen
Lavendel tut den Bienen gut

Stadt Kempen: Lavendel tut den Bienen gut
Peter Diedrich ist Experte für alle Fragen rund um die Bienenzucht. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Die Bienenhaltung erfreut sich großen Interesses. Der Kreisimkerverband Krefeld-Viersen zählt aktuell 270 Züchter. Vorsitzender Hermann Diedrich aus Kempen steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Von Bianca Treffer

Vielerorts wird von Rückgängen in der Bienenhaltung gesprochen, allerdings nicht beim Kreisimkerverband Krefeld-Viersen. Hier kletterte die Zahl der Imker in den vergangenen zehn Jahren von 129 auf 270, wobei sich auch immer mehr Frauen für die Bienenhaltung interessieren. Die Freude am Imkern liegt wahrscheinlich auch an den heute sanftmütigen Honigbienen. Schon seit Jahren ist man in der Zucht darauf bedacht, mit äußerst friedsamen Bienen zu arbeiten, die problemlos in nahezu jedem Hausgarten gehalten werden können.

Das Gros der Bienenhalter gehört im Kreisimkerverband zu den so genannten Standortimkern. "Das heißt, die Völker stehen in Gärten, auf Streuobstwiesen, dem Garagendach oder dem Balkon. Von diesen Standorten fliegen die Bienen kilometerweit aus", informiert Hermann Diedrich, der Vorsitzende des Kreisimkerverbandes. Nur wenige der Imker wandern mit ihren Völkern, was bedeutet, dass sie ihre Bienenstöcke an ergiebigen Nahrungsorten wie Rapsfeldern aussetzen und auf diesem Weg einen Sortenhonig erhalten. "Es geht im Prinzip ja nicht um den Honig an sich, sondern um die Bestäubungsleistung der Bienen", betont Diedrich. Bienen bestäuben an die 3000 Wild- und Nutzpflanzen und erhalten auf diesem Weg die Artenvielfalt der Natur und sichern Erträge von Nutzpflanzen. Von einem Betäubungsnotstand kann man bei der Vielzahl von Imkern derzeit nicht mehrsprechen.

Wie artenreich seine Bienen arbeiten, hält Diedrich schwarz auf weiß in den Händen. Wie in jedem Jahr hat der Kempener nämlich seinen Honig an das Fachzentrum für Bienen und Imkerei in Mayen geschickt. Dort werden nicht nur Geschmack, Konsistenz und Geruch beurteilt, sondern man macht auch genaue Untersuchungen, wo seine Bienen ihren Nektar getankt haben. Seine Mai- und Aprilernte trägt so den Titel einheimische Mischtracht, auch multifloraler Honig genannt. Ölweide, Hartriegel und Linde sind nur einige der Pflanzen, die seine Bienen angesteuert und bestäubt haben. "Dass man dank der Untersuchungen genau erkennen kann, was meine Bienen angeflogen haben, ist für mich das Interessante an der Untersuchung", sagt Diedrich und deutet auf ein Glas mit einem etwas dunkleren Honig. Hier hat die Untersuchung ergeben, dass die Honigtauanteile höher sind und der Honig dementsprechend einen andere Farbgebung hat.

Diedrich selber hat zehn Bienenstöcke in seinem Garten, was bedeutet, dass ungefähr 500 000 Tiere im Einsatz sind. Während sich die erste Jahreshälfte für Bienen immer als sehr nahrungsergiebig entpuppt, sieht es in der zweiten Jahreshälfte schlechter aus. "Nach der Lindenblüte kommt für die Bienen ein tiefes Loch", weiß Diedrich aus Erfahrung. Es blüht kaum noch etwas. Dies liegt zum einem daran, dass es nur wenige Blumenwiesen gibt. Pflanzen wie Klee, Ackersenf, Sonnenblumen und allen voran der Lavendel könnten Abhilfe schaffen und der Nahrungsarmut der zweiten Jahreshälfte entgegenwirken. Blühende Ackerrandstreifen sind ein weiteres Stichwort.

Diedrich lobt in diesem Zusammenhang viele Landwirte, die die Bedeutung der Ackerrandstreifen erkannt haben. Die bisherige Ernte zeugt indes von viel Nahrung. Pro Volk kamen rund 45 Kilogramm Honig zusammen, was 90 Gläsern des leckeren Brotaufstriches und Süßungsmittel entspricht. In großen Kunststoffeimern, den Hobocks, steht der Honig bei Diedrich und wartet auf seine Abfüllung.

Quelle: RP
 
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