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Stadt Kempen
Letzter Schultag in der Fröbelschule

Stadt Kempen: Letzter Schultag in der Fröbelschule
Lehrerin Birgit Thommessen mit den letzten Schülern der Friederich-Fröbel-Schule. Die sind nach den Sommerferien als Viertklässler Teil der benachbarten Astrid-Lindgren-Schule. FOTO: Achim Hüskes
Stadt Kempen. In der Friedrich-Fröbel-Schule in Kempen war gestern ein besonderer letzter Schultag. Denn mit diesem Tag wurde die Gemeinschaftsgrundschule an der Straelener Straße offiziell geschlossen. Von Silvia Ruf-Stanley

14 Schüler blieben am Ende übrig. Die sehen das Ende ihrer Grundschule mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Die bisherige dritte Klasse der Friedrich-Fröbel-Schule im Kempener Norden ist nach den Sommerferien die Klasse 4c der benachbarten Astrid-Lindgren-Schule.

Im September 2012 wurde im Schulausschuss das Auslaufen der Schule beschlossen. Die Zahl der angemeldeten Kinder reichte nicht mehr aus. Schon 2013 wurden keine Erstklässler mehr aufgenommen. Die Schule sollte so langsam bis 2016, wenn die letzte vierte Klasse die Schule verlässt, auslaufen. Da aber mit Verlassen der diesjährigen Viertklässler nur noch eine kleine Klasse mit 14 Schülern übrig blieb, wurde die Auflösung auf dieses Jahr vorgezogen.

Die Kinder sehen das Ende ihrer Schule gar nicht so schlimm, erzählt Lehrerin Birgit Thommessen. Denn das Zusammengehen der beiden Schulen wurde behutsam vorgenommen. Es gab gemeinsame Schul- und Sportfeste und ein Zirkusprojekt. Dabei wurde bewusst darauf geachtet, dass immer Kinder aus beiden Schulen zusammen waren. Es gab gemeinsame Pausen, bei denen beide Schulhöfe einbezogen waren. Auch die Offene Ganztagsschule und die Betreuungsangebote galten für Schüler beider Schulen. Im vergangenen Jahr hatte Sabine Stammen, Schulleiterin der Astrid-Lindgren-Schule, bereits kommissarisch auch die Leitung der Fröbel-Schule übernommen.

Die Friedrich-Fröbel-Schule an der Straelener Straße in Kempen ist jetzt Vergangenheit. Sie wurde ein Jahr früher als geplant aufgelöst. FOTO: Kaiser

Nach den Sommerferien nutzen dann auch die Schüler der dritten und vierten Klasse der Astrid-Lindgren-Schule die bisherigen Räume der Fröbelschule mit. Wichtig ist Birgit Thommessen wie auch den Kindern, dass ihre Klasse wie gewohnt erhalten bleibt. Und dass das Freddy-Fröbel-Bild an der Schulwand erhalten bleibt. Denn dies ist das Maskottchen der Gemeinschafsgrundschule. Verabschieden müssen sich die Kinder von der Streicher-AG unter Leitung von Katharina Janke-Franz. Sie spielte gestern ein letztes Mal beim Abschlussgottesdienst zur Entlassung der Viertklässler.

Birgit Thommessen ist schon traurig, dass die Auflösung der Fröbel-Schule jetzt doch so früh kam. Mit ihrer Klasse verbindet sie schließlich auch noch, dass sie gemeinsam mit ihnen an der Fröbel-Schule angefangen hat. Und nun musste sie sogar noch extra einen Versetzungsantrag stellen, damit sie die Klasse an der Astrid-Lindgren-Schule weiter unterrichten kann.

Letzter Tag war es aber auch für den rührigen Förderverein der Schule. Gegründet wurde er 1986, als noch Helmut Lichters die Schule leitete. Damals war die heutige Regenbogenschule eine Dependance der Fröbelschule, erinnert sich Erika Lersch, die selbst an der Fröbelschule unterrichtete. Zu dieser Zeit gehörten sie und ihr Mann Alfred, der gestern als Vorsitzender den Verein auflösen musste, zu den Gründungsmitgliedern. Viel hat sich in den Jahren verändert. 1990 wurde die Dependance eigenständig, Helmut Lichters übernahm dort die Leitung. Es folgte etwas später Heinz Wiegers als Rektor an der Fröbelschule.

Erika Lersch erinnert sich an viele Dinge, die der Verein unterstützte. Fortbildungen zum pädagogischen Konzept ermöglichte der Verein zum Beispiel. Oder er schaffte Materialien für die Freiarbeit an, ebenso Computer für die Schüler. Feste wurden organisiert, Klassenfahrten unterstützt, eine Lautsprecheranlage wurde ermöglicht. Es entstand der "Fröbelschoppen" als Begegnungsmöglichkeit in der Freizeit. Und etwas ganz Besonderes ist für Erika Lersch immer die Streicherklasse, die 2006 startete. Für das erste und zweite Schuljahr war das Üben eines Streichinstrumentes Pflicht, in den späteren zwei Schuljahren konnten die Schüler in einer AG weiter spielen, wenn sie dazu Lust hatten.

Der Förderverein verstand sich stets als Verbindung zwischen Eltern und Lehrern. Jetzt werden alle vom Verein angeschafften Dinge erst einmal Eigentum der Stadt. Wo sie sinnvoll eingesetzt werden können, wird dann in Ruhe entschieden, sagt Sebastian Kirchwehm vom Schulverwaltungsamt.

Auch der ehemalige Rektor Heinz Wiegers war zum letzten Tag der Schule gekommen. Und ist ebenfalls traurig, dass es sie nun nicht mehr gibt. Er erinnert daran, dass die Fröbelschule in Kempen immer eine Reformschule war. Gegründet von der evangelischen Gemeinde war sie zunächst Schule für die protestantische Minderheit in Kempen. Später bemühte sich die Schule um die Integration von Flüchtlingskindern nach dem Zweiten Weltkrieg. Und dann - wiederum viele Jahre später - um Kinder aus Migrantenfamilien. Bevor es überhaupt den Begriff Inklusion gab, bestand schon eine enge Zusammenarbeit mit der Schule für Erziehungshilfe.

Auch im pädagogischen Konzept ging es stets fortschrittlich zu. Die Schulreform wurde früh umgesetzt, neue, freiere Kindererziehung stand im Vordergrund. Dann wurde hier in einer Vorreiterrolle als erstes eine Betreuung bis 13 Uhr eingeführt, später ebenfalls die Offene Ganztagsschule. Die Fröbelschule hatte dadurch aber in der Stadt nie einen leichten Stand, meint Wiegers. Er vermisst sie schon jetzt.

Quelle: RP
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