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Stadt Kempen
"Libera Voce" - der neue Kammerchor

Stadt Kempen. David Lethen, von der Chorakademie gekündigt, hat mit abgesprungenen Sängern einen neuen Chor gegründet. Ein erstes Konzert wurde in Krefeld gegeben, in Kempen werden noch Proben- und Aufführungsorte gesucht. Von Silvia Ruf-Stanley

Seit dem 22. August hat Kempen einen neuen Kammerchor. "Libera Voce" nennt sich das Ensemble. Es besteht aus sehr erfahrenen Sängern, die unter anderem Mitglieder der Kempener Chorakademie sind. Leiter ist David Nethen. Er hat selbst vor drei Jahren als Dirigent bei der Chorakademie angefangen, weil ihn die Aufgabe reizte. Aber zunehmend gab es Unstimmigkeiten im Chor, erzählt er im Gespräch mit der Rheinischen Post.

Da wurden seine Vorstellungen, was man ins Programm aufnehmen könnte , schlicht boykottiert, indem die passenden Noten nicht bestellt wurden. Aufführungstermine, auf die sich die Sänger gefreut hatten, fanden nicht statt. Dann wurde er noch nicht einmal in die Anstellung einer neuen Stimmbildnerin mit einbezogen. Viele ärgerliche Dinge, die den Diplom-Musikfachlehrer, der hauptberuflich am Thomaeum arbeitet, zunehmend in seiner künstlerischen Freiheit einengten. Es gab eine Elternversammlung, wo sich über eine Unterschriftenliste viele für seine Ideen einsetzten, weiß er. Diese wurde aber erst gar nicht beachtet. Dann wurde ihm sein Vertrag kurzfristig gekündigt. Da war er froh, dass er seine jungen Sänger schon vorgewarnt hatte, dass so etwas kommen könnte.

Viele Sänger wollten aber weiter singen und zwar mit ihm. So fand die erste Probe mit den ehemaligen Kammerchormitgliedern einfach bei Nethen zu Hause statt. "Die fanden die gelöste Atmosphäre einfach toll", erzählt er. Und auch seine Auswahl der Musik. Inzwischen setzt sich der Chor aus Sängern von 18 Jahren bis ins Rentenalter hinein zusammen. Eine erstes Premierenkonzert fand bereits in Krefeld statt.

Folgende weitere Konzerte sind geplant: Im Frühjahr 2017 wird der Kammerchor die "Sunrise Mass" von Ola Gheilo sowie das "Agnus Dei" von Samuel Barber in Kempen und Kevelaer singen. Im Sommer/Herbst 2017 wird in Kempen "Ein Deutsches Requiem" von Johannes Brahms - in der Besetzung für Klavier 4-händig - zur Aufführung gelangen. Und irgendwann, so hofft Nethen, wird er auch die "Sphärenklänge", die ihm in der Chorakademie verwehrt wurden, auch in Kempen aufführen können. Allerdings ist es auch schwer, geeignete Aufführungsorte zu finden. Bisher wurden seine Anfragen immer verneint. Ebenso wie die Suche nach einem Probenraum. Derzeit wird im Vereinshaus vom Tennisclub "Casino" geprobt, aber das ist keine Dauerlösung. Der Kammerchor Libera Voce widmet sich der Chorliteratur verschiedenster Epochen auf gehobenem musikalischen Niveau. Stilistische Vielfalt sowie musikalisch sorgfältige, detaillierte Erarbeitung haben im gemeinsamen Musizieren hohe Priorität. Das breitgefächerte Repertoire reicht von A-capella-Stücken des Barock bis hin zu Kompositionen der Moderne. Neben geistlicher und weltlicher Chormusik unterschiedlicher Stilrichtungen gehört auch Anspruchsvolles der "leichten Muse" dazu.

Die Vielfalt ist Nethen wichtig, ebenso wie eben seine künstlerische Freiheit. Er ist gebürtiger Amerikaner und hat in Oberlin (Ohio) am Konservatorium Gesang studiert. Vor 23 Jahren kam er nach Deutschland. Eigentlich wollte er nur ein halbes Jahr bleiben, um in Stuttgart weiter zu studieren. Aber die Möglichkeiten für das Gesangsstudium in Deutschland ließen ihn bleiben. Eher durch Zufall kam es dann dazu, als Chorleiter tätig zu werden. So ist er von Schwerin über Koblenz bis nach Düsseldorf gekommen und entschloss sich, Lehrer zu werden. Erst in Mönchengladbach, nun ist er am Thomaeum tätig. Er freut sich sehr, dass es hier große Unterstützung für den musischen Bereich gibt, den er seit der Pensionierung von Brigitte Nienhaus auch mit dem Theaterspiel kombiniert.

Die Chorakademie hat mit dem Weggang des Kammerchors einen zweiten Verlust erleiden müssen. Denn im Jahr 2010 Jahren spaltete sich auch schon der Mädchenchor ab, der nun unter dem Namen "Choram Niederrhein" auftritt. Natürlich hat die Rheinische Post auch Peter Thiel, den Vorsitzenden und Gründer der Chorakademie gefragt, wie er die Zukunft sehe. Man sei gerade in der Findungsphase, einen neuen Chorleiter zu gewinnen. Es müsse jemand sein, der gut mit den Kindern und Jugendlichen klar komme. Gleichzeitig sei die Chorakademie dabei, sich neu zu strukturieren und neue Konzepte zu entwickeln. Der Chor brauche Nachwuchs, dazu will man verstärkt mit den Schulen zusammen arbeiten. Thiel bedauert aber auch, dass ausgerechnet, wenn der Chor sehr stark in der Leistung ist, die besten Sänger "abgeschöpft" werden. Nichtsdestotrotz ist für 2017 ein Konzertreise zum Kreuzchor Dresden geplant.

Quelle: RP
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