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Stadt Kempen
Live-Auftritt in einer besonderen WG

Stadt Kempen: Live-Auftritt in einer besonderen WG
Maik Vollberg (l.) und Markus Maiwald boten dem Publikum beste musikalische Unterhaltung. Die Stimmung im Behindertenwohnheim war eine ganz besondere. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Konzert einmal anders, dazu lud die Lebenshilfe in Kempen ein. In der Wohngruppe am Emilie-Horten-Platz im Kempener Süden fand jetzt erstmals ein Wohnzimmerkonzert statt. Von Bianca Treffer

In der großen Wohnzimmerküche in der zweiten Etage am Emilie-Horten-Platz in Kempen ist es voll. Menschen mit und ohne Behinderung stehen an Stehtischen auf denen Schalen voller Knabbergebäck neben Getränken parken, bevölkern Sessel und Sofas bzw. sitzen in ihren Rollstühlen. Inmitten der vielen Gespräche geht immer wieder die Klingel und noch mehr Besucher finden dank Ausschilderung "Wohnzimmerkonzert, zweite Etage", die Location, die an diesem Abend von einer ganz normalen Wohnung zu einem kleinen Konzertraum mutiert ist. Die Lebenshilfe Viersen hat zu einem ersten Wohnzimmerkonzert in der Kempener Wohngruppe eingeladen. Allerdings ohne zu verraten, dass der Konzertraum das Daheim von Menschen mit Behinderung ist.

"Wir möchten Menschen hereinholen, die uns noch nicht kennen. Wir möchten zeigen, dass Menschen mit Behinderung auch schön wohnen, man mit ihnen vieles gemeinsam unternehmen und Spaß haben kann", begrüßt Jacqueline Bisges, die seit vier Jahren in der Wohngruppe lebt, die zahlreichen Besucher. Eine Ansage, die einen donnernden Applaus auslöst. Die Idee des Wohnzimmerkonzertes entstand dabei ganz spontan. Eigentlich sollte es eine Ausstellung mit Bildern zum Thema "Bist du behindert?" geben. "Wir haben einen Film zu genau diesem Thema in Kempen gedreht. Dabei sind auch etliche Fotos entstanden, die wir in einem Kempener Café ausstellen wollten", berichtet Gruppenleiter Andre Sole-Bergers. Der Ausstellungstermin stand mit dem 17. November fest, doch es erfolgte eine kurzfristige Absage des Cafés.

Kurzentschlossen switchten die Bewohner des Lebenshilfe-Wohnheimes um und entschlossen sich, ein Wohnzimmerkonzert auf die Beine zu stellen. Der Kontakt mit dem Rapper Markus Maiwald, der selber im Rollstuhl sitzt, bestand schon seit Längerem. Über seine Schwester Jana, die bei der Lebenshilfe arbeitet, erfuhr der Dülkener Singer und Songwriter Maik Vollberg von dem Event. "Ich war begeistert und habe direkt zugesagt mitzumachen", berichtet Maik Vollberg. Genauso ging es Julian, der Mischpult und weiteres technisches Equipment für den richtigen Sound mitgebracht hat.

Über Facebook sprachen die Organisatoren Freunde an, allerdings ohne zu verraten, dass es sich um ein Wohnzimmerkonzert bei der Wohngruppe der Lebenshilfe handelte. "Als ich unten auf die Klingel drückte, habe ich eigentlich mehr an eine WG gedacht, wie sie auch unter Studenten üblich ist. Auf dem Klingelschild standen halt mehrere Namen", erzählt Thomas Lindenbaum, der über Facebook von Freunden zum Wohnzimmerkonzert eingeladen wurde und nicht wusste, dass es sich um eine Wohngruppe der Lebenshilfe handelte. Kontakt mit der Lebenshilfe als solche habe er noch nie gehabt, sagt der Süchtelner. Er findet die Idee als solche großartig. "Hier sind lauter nette Leute, es ist gemütlich und ich freue mich auf die Musik", sagt Lindenbau.

Das geht auch Sidney Saltenin so. "Die Atmosphäre ist einfach schön. Alle duzen sich, die Bewohner freuen sich über den Besuch. Es ist eine tolle Sache", meint die junge Frau. Jana Vollberg, die selber im Haus Anrode der Lebenshilfe arbeitet, war von der Idee eines Wohnzimmerkonzertes so begeistert, dass sie an ihrem Arbeitsplatz direkt vorgeschlagen, ein solches Projekt ebenfalls anzugehen. "Mein Vorschlag wurde gut aufgenommen und ich hoffe, dass wir demnächst auch in Anrath zu einem solchen Konzert einladen können", sagt sie.

Man wisse, dass es die Lebenshilfe gibt, aber nur wenige Menschen wüssten, wie es in den Wohngruppen aussehe und wie dort gelebt würde, meint Andre Sole-Bergers. Das möchten die Konzertorganisatoren ändern. Bei den Menschen mit Handicap ist die Begeisterung über das Angebot groß. "Bei uns ist so viel los. Das wissen die Leute gar nicht", meint Ruben Schroers, der gleich seinen Betreuer Helmut Schmitz mitgebracht hat. Schmitz sieht in dem Wohnzimmerkonzert ein Stück Inklusion und hofft, dass sich dem ersten Konzert noch viele anschließen werden. "Wir haben nämlich Lust auf Kontakte außerhalb unserer Wohngruppe und möchten nicht nur Menschen mit, sondern auch ohne Handicap kennenlernen", bringt es Jacqueline Bisges auf den Punkt.

Quelle: RP
 
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