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Gemeinde Grefrath
Lob für den Grefrather Einzelhandel

Gemeinde Grefrath: Lob für den Grefrather Einzelhandel
Sie äußerten ihre Ansichten über die aktuelle Lage und die Zukunft des Einzelhandels in Grefrath (v.l.): Manfred Lommetz, Karl Groß, Eva Pomplun und Andree Haack auf dem Marktplatz. FOTO: wolfgang kaiser
Gemeinde Grefrath. IHK-Experte Andree Haack gefällt die gute Erreichbarkeit des Ortskerns und dessen einheitliche Gestaltung. Die Vielfalt der Geschäfte ist groß, viele werden vom Inhaber geführt. Die Einzelhändler sehen jedoch ein Image-Problem. Von Heiner Deckers

Der Grefrather Einzelhandel kann sich für eine Gemeinde dieser Größenordnung sehen lassen. Das ist das Fazit einer Innenstadtbegehung der RP gemeinsam mit IHK-Geschäftsführer und Einzelhandelsfachmann Andree Haack, Bürgermeister Manfred Lommetz und Vertretern der Geschäftswelt. "Wir haben hier alles", sagt Eva Pomplun, Inhaberin des Lokals "Zum Fürsten Blücher" am Markt.

Das Kernproblem, das die Grefrather Einzelhändler ausgemacht haben: Viele wissen die Vorzüge nicht zu schätzen, das Image stimmt einfach nicht mit der Realität überein. Um die Stärken besser zu vermarkten, wollen Grefraths Händler sich nach langen Jahren wieder in einem Verband zusammenschließen und gemeinsam an einem Strang ziehen. "Das war überfällig", bemerkt Lommetz. Für Haack ist der geplante Zusammenschluss ein Signal, das viel Mut mache: "Es wird etwas aufgebaut."

Generell ist Haack mit der Struktur des Grefrather Einzelhandels sehr einverstanden: "Es ist ein unterschätzter Standort." Karl Groß, Inhaber der Grefrather Buchhandlung, weist auf ein ganz besonderes Moment hin, das heute längst nicht an der Tagesordnung ist und besonders in größeren Städten immer seltener wird: "Wir haben sehr viele inhabergeführte Geschäfte. Das erhöht die Qualität" Dieser geringe Filialisierungsgrad mache, so Haack, die Grefrather Geschäftswelt sehr persönlich.

Viele Grefrather, bemerken die Einzelhändler immer wieder, vergleichen die Niersgemeinde mit dem benachbarten Kempen. Das mache überhaupt keinen Sinn, sagt Lommetz, die Voraussetzungen seien doch ganz anders: "Wir sind kein Kempen und werden es auch nie sein." Meint auch Haack: "Für eine Gemeinde mit 15.000 Einwohnern ist es für den Einzelhandel nicht einfach, Masse aufzubauen, die über die Grenzen der Kommune hinaus attraktiv sind." Keine Regel ohne Ausnahme: Am Markt findet sich der Herrenausstatter Hanisch, dessen Kunden aus der ganzen Region kommen.

Was Andree Haack besonders lobt, ist die gute Erreichbarkeit des Ortskerns: "Rund herum gibt es mehrere kleine Parkplätze." Auch die Hohe Straße selber ist befahrbar, was in den Augen des IHK-Experten auch unbedingt so bleiben muss: "Wenn Sie hier eine Fußgängerzone einrichten, habe Sie bald ein Museum." Das sieht auch Buchhändler Groß so. Befürworter einer Fußgängerzone würden argumentieren, dann habe man seine Ruhe: "Wir Händler wollen aber keine Ruhe haben." Lediglich am Wochenende nach Geschäftsschluss ist die Hohe Straße autofrei, zur Freude der Gastronomen: "Das ist ein Kompromiss, der sich bewährt hat, und dabei bleibt es auch", sagt Lommetz.

Haack lobt die einheitliche Gestaltung des gesamten Ortskerns, das mache einen sehr kompakten Eindruck. Der Markt sei klein und beschaulich und sorge mit dem Vereinsbaum für ein hohes Maß an Identität. Donnerstags ist Markt, der gut angenommen wird und echte Qualität bietet. "Das ist extrem wichtig, um Städte beleben", betont Haack. Zwei Reisebüros gibt es in Grefrath, zwei Apotheken, alles macht einen sehr aufgeräumten Eindruck. Optiker, Bioladen, und sogar ein Hörgeräteakustiker - es herrscht Vielfalt im Grefrather Ortskern. Die könne auch gern noch größer werden, sagt Eva Pomplun, auch in Sachen Gastronomie: "Konkurrenz belebt bekanntermaßen das Geschäft." Was vielen fehlt, ist ein Schuhgeschäft. Für Frequenz sorgen auch Sparkasse und das Ärztehaus. Die Filiale der Volksbank ist ein bisschen weiter entfernt, der Weg der Kunden führt nicht automatisch zur Hohen Straße: "200 Meter können manchmal ganz schön viel sein", weiß Haack.

Fehlt ein Supermarkt oder ein Discounter im direkten Ortskern? Eine Ansiedlung wäre sicher wünschenswert, meint Haack, aber es sei einfach kein Platz. In anderen Städten sei das anders. Wobei der Rewe-Markt nicht wirklich weit weg ist. Vom Markt aus ist man über die Vinkrather Straße schnell da. Auf dem Weg kann man sich bei Kreuschmann eindecken - der einzigen inhabergeführten Bäckerei in Grefrath.

Ebenfall direkt im Ortskern liegt der Deversdonk. Verschiedene Geschäfte locken die Grefrather, etwa das Drogeriehaus Rossmann, ein Bäcker mit Café und ein Textilausstatter. Bei Großveranstaltungen wie jüngst beim Schützenfest steht hier das Festzelt. Das Fazit des IHK-Experten macht Mut: "Sie haben deutlich mehr richtig als falsch gemacht". Wobei Haack ausdrücklich auch den EisSport & EventPark mit seinen zahlreichen "tollen Veranstaltungen" einbezieht: "Die machen einen richtig guten Job."

Was kann man besser machen? "Wir müssen für Akzeptanz bei den Grefrather sorgen, sie sollen sich mehr mit der Gemeinde identifizieren", befindet Eva Pomplun. Neubürger sehen Grefrath oft mit anderen Augen: "Sie sind begeistert über die anheimelnde Atmosphäre und die Natur um den Ort herum", sagt Karl Groß. Und dann hat Grefrath noch zwei Besonderheiten: das kleine und schnuckelige Hotel Haffmans am Markt und - noch ungewöhnlicher - direkt an der Laurentiuskirche eine Jesus-Figur mit Schnurrbart.

Quelle: RP
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