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Kreis Viersen
Mädchen schnuppern in Männerberufe

Kreis Viersen. Bei einem Gemeinschaftsprojekt der Unternehmerschaft und der Agentur für Arbeit hatten Mädchen Gelegenheit, für sie ungewohnte Berufe kennenzulernen. Es ging um Technik und Naturwissenschaft. Von Peter Müller

Bei mentorING, einem Gemeinschaftsprojekt der Agentur für Arbeit und der Unternehmerschaft Niederrhein, können Mädchen erfahren, wie es ist, als Ingenieurin in einem Unternehmen zu arbeiten. Schülerinnen für technische und naturwissenschaftliche Studiengänge und Berufe zu begeistern, ist die Idee, die hinter dem Aktionstag steht. In diesem Jahr luden Mitarbeiterinnen der Firma Ormazabal Anlagentechnik, Outokumpu Nirosta und Siempelkamp Maschinen- und Anlagenbau ein. An zwei Nachmittagen teilten sich rund 25 Mädchen auf die Betriebe auf.

Bei Ormazabal empfing sie Sabine Ulbricht. Die Elektroingenieurin erklärte zunächst die Produkte, die das Unternehmen für elektrische Schaltanlagen in Krefeld konstruiert und vor Ort fertigt. Beim Rundgang durch das Unternehmen treffen die Mädchen auch auf Stefanie Fassbender. Die 26-jährige hat nach einer Ausbildung zur technischen Produktdesignerin eine zweijährige Fortbildung zur Technikerin gemacht und konstruiert heute die Schaltschränke nach Vorgaben der Ingenieure. "Täglich erhalte ich die produktspezifischen Anforderungen per Mail und muss dann eigenständig am Rechner planen und ausprobieren. Dabei muss ich auch immer bedenken, wie die Schaltanlagen in der Montageabteilung gefertigt werden", so die junge Frau. Sie lässt die Mädchen an ihrem Arbeitsplatz ein dreidimensionales Zeichenprogramm ausprobieren und zeigt anschaulich wie es geht.

Auch bei Siempelkamp gab es einen Rundumüberblick. Bernhard Morgenweg, verantwortlich für Ausbildung von dual Studierende beim Maschinen- und Anlagenspezialisten, nimmt sich gerne die Zeit für die Mädchen. "Wir haben viel zu wenig Frauen in unserem Unternehmen. Wir würden gerne mehr einstellen", so Morgenweg. Die sieben Mädchen, die seiner Einladung gefolgt waren, zeigten sich sehr aufgeschlossen und interessiert und fragten konkret nach Praktikumsmöglichkeiten und an wen die Bewerbung um eine Ausbildungsstelle in Kombination mit einem Studium zu richten ist. Nach einem Rundgang durch die Produktionshallen wollten die Mädchen auch noch selbst Hand anlegen und nahmen sich eine handwerkliche Übung vor, die normalerweise in Einstellungsverfahren eingesetzt wird.

"Ich wollte einen Beruf finden, bei dem ich jeden Tag wieder etwas Neues erlebe und nicht von morgens bis abends im Büro sitzen", erklärt Hilal Karakaya, die junge Maschinenbau-Ingenieurin bei Outokumpu Nirosta den Schülerinnen, die den Weg in das riesige Werk in Stahldorf gefunden haben. Wie die Produktion von Stahl für ganz unterschiedliche Anwendungen und Geräte abläuft, welche chemischen Zusammensetzungen dafür sorgen, dass aus Eisen Edelstahl wird, wurde den Mädchen ganz anschaulich vorgeführt. Eine Tätigkeit als Ingenieurin konnten sich deshalb nach dem Besuch die meisten für sich selber auch vorstellen.

Am dritten Tag der Aktion konnten sich die Mädchen an der Hochschule Niederrhein in den Fachbereichen Elektrotechnik und Informatik einen Eindruck davon verschaffen, wie es ist, ein technisches Fach zu studieren. Bevor die Leiterin der Zentralen Studienberatung, Kirsten Möller, sie detailliert über das Studium an der Hochschule Niederrhein informierte, gingen die Mädchen mit Begeisterung daran, unter Anleitung zweier Studierender mit dem Lötkolben die Bauteile für eine binäre Uhr zu löten. Alle Anwesenden gaben mit dieser Schlussveranstaltung ein sehr positives Feedback zur Aktion mentorING.

"Der Aktionstag hat sich in den vergangenen Jahren bewährt", so auch Dr. Edgar Lapp von der Agentur für Arbeit Krefeld. "Vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels - gerade in den MINT-Berufen - wollen wir informieren und Berufsfelder in den Fokus rücken, die nicht unbedingt typisch für Mädchen sind", so Dr. Lapp. Auch bei der Unternehmerschaft Niederrhein zieht man eine positive Bilanz. "Auch wenn die Beteiligung in diesem Jahr etwas geringer war, waren die Firmenbesuche ein voller Erfolg", so Astrid Holzhausen.

Quelle: RP
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