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Stadt Kempen
Mit Flüchtlingstrauma in Schule und Kita umgehen

Stadt Kempen. An Fortbildungen des Studieninstituts Niederrhein nahmen auch Gymnasiallehrer aus Kempen teil. Von Christiane Willsch

Nach den Ferien wird in vielen Schulen und Kindertageseinrichtungen - auch in Kempen und im Kreis Viersen - eine Frage im Mittelpunkt stehen: "Wie können wir das bloß bewältigen?" Martina Gerdes, erfahrene Jugendlichenpsychotherapeutin, kennt die Sorge der Lehrer und Pädagogen angesichts der Flüchtlingssituation. Denn in den Schulklassen und Kindergruppen entstehen durch die Schützlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und anderen Herkunftsländer ganz neue herausfordernde Situationen. Die Dozentin des Studieninstituts Niederrhein ist deshalb momentan sehr gefragt: Auch Kempener Gymnasiallehrer nahmen an entsprechenden Fortbildungen teil. "Nach der Herausforderung der Inklusion ist das eine neue Situation, die viel von den Pädagogen fordert", sagt Martina Gerdes.

Das geforderte Unterrichtspensum zu schaffen und dabei parallel auf traumatisierte Kinder einzugehen, ist im pädagogischen Alltag der Schulen oft nicht einfach - zumal selten eine zweite pädagogische Fachkraft in den Klassen präsent ist. Dabei sind die Lehrer ganz engagiert, so Gerdes. So behelfen sie sich mit heruntergeladenen Sprach-Apps auf dem Tablet zur Verständigung und versuchen zu fördern, soweit es geht. Dass da die Grenzen schnell erreicht sind, ist klar.

Was kann ein Fortbildungsseminar wie das mit Martina Gerdes - "Traumasensible Arbeit mit Flüchtlingskindern" - denn dann überhaupt bieten? Eine ganze Menge, weiß die Dozentin. Alleine die Informationen über das Entstehen und die Auswirkungen von Traumatisierungen schafft Einsichten und Verständnis. So ist manche Aggression seitens der Schüler und Vorschulkinder nicht persönlich gemeint, sondern Auswirkung der psychischen Situation. "Es gibt eine Reihe kleiner Stabilisierungsübungen, die ich den Pädagogen zeige", erklärt Martina Gerdes. Das sind Hilfen, die in Krisensituationen auch im Klassenzimmer und in der Kindergartengruppe praktikabel sind.

Aber natürlich: Die Strukturen - zum Beispiel der Personalschlüssel - bleiben angesichts der herausfordernden Situation in vielen Schulen unbefriedigend. Je nachdem, ob in dem betreffenden Einzugsbereich viele Ehrenamtler einspringen oder nicht, kann sich diese Situation entspannen.

Unabhängig davon stehen Information und Methoden zur "Soforthilfe" bei vielen Schulen und auch Kindertageseinrichtungen auf dem Plan - wie etwa Fortbildungen. Und ein positiver Blick auf die neue Herausforderung. Diesen kann Martina Gerdes bestätigen: "Ich treffe fast ausschließlich auf hochmotivierte Lehrer und Erzieher."

Quelle: RP
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